April 23, 2020 / 8:30 AM / a month ago

Corona-Krise bremst Wirtschaft in Euro-Zone - "Beispielloser Kollaps"

European Union flags fly outside the European Commission headquarters in Brussels, Belgium, February 19, 2020. REUTERS/Yves Herman

Berlin (Reuters) - Die Virus-Krise trifft die Wirtschaft in Deutschland und im gesamten Euro-Raum mit voller Wucht.

Vor allem Dienstleister leiden unter dem Stillstand, der nur allmählich wieder gelockert werden soll. “Die Euro-Zone verzeichnete im April einen beispiellosen Absturz beim Wirtschaftswachstum, ausgelöst durch Corona-Ausgangssperren, den globalen Nachfragerückgang und Engpässe bei Personal und Produktionsmaterialien”, sagte Markit-Chefökonom Chris Willamson am Donnerstag zur monatlichen Umfrage des Instituts unter rund 4000 Unternehmen. Der Einkaufsmanagerindex, der die Geschäfte von Industrie und Dienstleister zusammenfasst, fiel im April auf 13,5 Punkte und damit auf den tiefsten Wert seit Beginn der Datenerhebung im Juli 1998. Das Barometer, das im März noch bei 29,7 Punkten lag, signalisiert erst ab 50 Zählern Wachstum.

Da weite Teile der Wirtschaft auch in den nächsten Wochen von Betriebsschließungen betroffen sein dürften, “muss für das zweite Quartal 2020 mit dem stärksten Einbruch der Wirtschaftsleistung in der jüngsten Geschichte gerechnet werden”, sagte Williamson mit Blick auf die Euro-Zone. Commerzbank-Experte Christoph Weil sprach von einer “Stimmung am Nullpunkt”. Er geht davon aus, dass die Wirtschaft im Währungsraum im laufenden Quartal um bis zu zehn Prozent schrumpfen könnte, nach einem Minus von geschätzt vier Prozent im ersten Quartal.

“DESASTRÖSES BILD” - “ES KANN EIGENTLICH NUR BESSER WERDEN”

Bei den Dienstleistern fiel das Markit-Barometer auf ein Rekordtief von 11,7 (März: 26,4) Punkten und im Verarbeitenden Gewerbe gab es mit 33,6 (März: 44,5) Zählern den geringsten Wert seit der Finanzkrise vor rund elf Jahren. “Damit offenbart sich ein desaströses Bild auf die Wirtschaftslage”, sagte der Chefvolkswirt der VP aus Liechtenstein, Thomas Gitzel. “Die Ladenschließungen, der brachliegende Kultur- und Veranstaltungssektor und das leidende Hotel- und Gaststättengewerbe reißen nun tiefe Wachstumswunden.” Einziger Trost sei: “Es kann eigentlich nur besser werden.”

Auch in Deutschland geht die Wirtschaft der Umfrage zufolge wegen der Folgen der Corona-Krise in die Knie. Der gemeinsame Index für Industrie und Dienstleister fiel im April auf 17,1 Punkte und damit auf den tiefsten Wert seit Beginn der Datenerhebung vor über 22 Jahren. Beim Service-Sektor ging es auf ein Rekordtief von 15,9 Punkte bergab und im Verarbeitenden Gewerbe auf 34,4 Zähler - das ist der tiefste Wert seit über elf Jahren. Die Daten waren - wie für die Euro-Zone - noch einmal deutlich schlechter als von Ökonomen erwartet.

Wegen des weitgehenden Stillstands in vielen Bereichen fährt laut Ifo-Institut fast jedes zweite Firma in Deutschland Kurzarbeit. Demnach wollen zudem fast 18 Prozent der Firmen Mitarbeiter entlassen oder befristete Verträge nicht verlängern. Im Handel befinden sich derzeit Mitarbeiter bei 55 Prozent der Unternehmen in Kurzarbeit, in der Industrie 53 Prozent, bei den Dienstleistern 48 Prozent und auf dem Bau 37 Prozent, wie die Münchner Forscher mitteilten. Die Viruskrise drückt auch die Verbraucherstimmung in Deutschland auf ein Rekordtief. Für Mai sagen die GfK-Marktforscher einen Einbruch ihres Barometers um 25,7 Zähler auf minus 23,4 Punkte voraus. “Das Konsumklima befindet sich derzeit im freien Fall”, betonte GfK-Experte Rolf Bürkl.

0 : 0
  • narrow-browser-and-phone
  • medium-browser-and-portrait-tablet
  • landscape-tablet
  • medium-wide-browser
  • wide-browser-and-larger
  • medium-browser-and-landscape-tablet
  • medium-wide-browser-and-larger
  • above-phone
  • portrait-tablet-and-above
  • above-portrait-tablet
  • landscape-tablet-and-above
  • landscape-tablet-and-medium-wide-browser
  • portrait-tablet-and-below
  • landscape-tablet-and-below