January 30, 2020 / 10:04 AM / 2 months ago

Konjunkturflaute trifft Arbeitsmarkt - Aber kaum Gefahr durch Brexit

Autumn leaves are seen in front of a sign leading to a job centre of Germany's Federal Labour Office in Holzkirchen, near Munich, Germany November 8, 2017. REUTERS/Michael Dalder

Nürnberg/Berlin (Reuters) - Die Arbeitslosigkeit in Deutschland hat zu Jahresbeginn wegen des Winters und der Konjunkturabkühlung zugelegt.

Im Januar seien 2,426 Millionen Menschen als arbeitslos registriert, teilte die Bundesagentur für Arbeit (BA) am Donnerstag in Nürnberg mit. Dies seien 198.000 mehr als im Dezember und 20.000 mehr als Anfang 2019. Die Arbeitslosenquote kletterte um 0,4 Punkte auf 5,3 Prozent. “Die konjunkturelle Schwäche hinterlässt weiterhin Spuren auf dem Arbeitsmarkt”, erklärte BA-Chef Detlef Scheele. Insgesamt zeige sich der Jobmarkt aber auch zum Jahresbeginn robust. “Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung sind im Januar gestiegen – aber vor allem aus jahreszeitlichen Gründen.” Der Brexit werde sich kaum auswirken.

Der EU-Austritt Großbritanniens werde allenfalls leichte und zeitlich begrenzte Folgen für den Jobmarkt haben. “Keine Panik, was den Brexit auf den deutschen Arbeitsmarkt angeht”, sagte Scheele. “Da kann man relativ beruhigt in die Zukunft schauen.” Rund 450.000 bis 460.000 Stellen seien direkt und indirekt mit Exporten ins Vereinigte Königreich verbunden. Aber dies bedeute keinesfalls, dass die Jobs wegfielen, betonte Scheele.

MEHR BESCHÄFTIGTE MIT KURZARBEITERGELD - BA BLEIBT GELASSEN

Wegen der konjunkturellen Abkühlung erhielten im November 96.000 Beschäftigte Kurzarbeitergeld. Dies ist laut BA etwas mehr als während der europäischen Staatsschuldenkrise 2012/13. Prognosen zufolge dürfte die Zahl für Januar auf 107.000 steigen und für Februar auf 117.000, sagte Scheele. Insgesamt gebe es aber wenig Grund zur Sorge, weil etwa die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten mit 34 Millionen deutlich höher sei als noch vor einigen Jahren. Für den weiteren Jahresverlauf gehe er bei der Kurzarbeit “nicht von einer Explosion aus”, sondern rechne eher mit gleichbleibenden Zahlen. Die angespannte Lage der Autobranche sei eine Mischung aus beginnendem Strukturwandel, Unsicherheit wegen der Handelskonflikte und der “konjunkturellen Delle”.

Die große Koalition beschloss derweil ein Bündel zur Abfederung des Wandels in Wirtschaftsbereichen wie der Autoindustrie. Am frühen Donnerstagmorgen einigte sich der Koalitionsausschuss von CDU, CSU und SPD darauf, das Kurzarbeitergeld auf 24 Monaten zu verlängern, wenn in Krisenbranchen gleichzeitig Weiterbildung angeboten wird. “Wir begrüßen das”, sagte BA-Chef Scheele und sprach von einem vernünftigen Schritt, der die BA finanziell nicht überfordere. Auch Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) äußerte sich positiv: “Qualifizierung und Weiterbildung sind der beste Schutz gegen Arbeitslosigkeit.” Der Jobmarkt stehe gut da.

Klammert man die jahreszeitlichen Schwankungen aus, fiel die Zahl der Arbeitslosen im Januar um 2000 zum Vormonat. Ökonomen hatten einen Anstieg um 5000 erwartet. Im Euro-Raum sank die Arbeitslosigkeit trotz der Konjunkturflaute auf den tiefsten Stand seit Mai 2008. Im Dezember waren 12,251 Millionen Männer und Frauen ohne Job - ein Rückgang um 34.000 zum Vormonat und um 592.000 zum Vorjahr. Die Arbeitslosenquote sank dadurch auf 7,4 Prozent, wie das Statistikamt Eurostat mitteilte.

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