June 18, 2020 / 5:54 AM / 18 days ago

Studie - Bulgarien und Kroatien profitieren überproportional von EU-Hilfen

European flag is pictured in Blagnac near Toulouse, France March 21, 2018. REUTERS/Regis Duvignau

Berlin (Reuters) - Mehrere EU-Staaten profitieren einer IW-Studie zufolge überproportional von den europäischen Hilfspaketen im Kampf gegen die Corona-Krise.

Einige Staaten erhalten demnach mehr Geld aus Transfers als sie durch den Einbruch des Bruttoinlandsproduktes (BIP) im Rezessionsjahr 2020 verlieren, wie aus einer Analyse des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) hervorgeht, die der Nachrichtenagentur Reuters am Donnerstag vorlag. Die EU-Kommission hat ein Konjunkturpaket in Höhe von 750 Milliarden Euro vorgeschlagen, um die Folgen der Corona-Krise abzufedern. 400 bis 500 Milliarden Euro sollen als Transfers über den nächsten Finanzrahmen von 2021 bis 2027 verteilt werden. Wer wie viel bekommt, ist noch unklar.

Die Kölner Forscher haben die BIP-Prognosen der EU-Kommission und die damit verbundenen wirtschaftlichen Schäden der einzelnen Länder wegen der Rezession den voraussichtlichen Transfers gegenübergestellt. Bulgarien wäre demnach größter Profiteur des Corona-Hilfspakets. Während seine der EU-Kommission zufolge 2020 wohl um rund sieben Prozent einbricht, erhält das Land Transfers von 15 Prozent des BIP. Unterm Strich bekommt Bulgarien also rund acht Prozentpunkte mehr, als ihm verloren geht - umgerechnet rund 4,8 Milliarden Euro. Auch Kroatien, Polen, Rumänien und Lettland würden – im Verhältnis zum BIP-Verlust - zu den fünf größten Profiteuren des Corona-Hilfspakets zählen.

Irland, Frankreich, Belgien, die Niederlande und Deutschland liegen dagegen auf den letzten Plätzen. “Sie erhalten zwar ebenfalls Milliardensummen aus dem Hilfsfonds, doch gemessen an der höheren Wirtschaftskraft und dem prognostizierten BIP-Rückgang 2020 fallen die Hilfen nicht so stark ins Gewicht”, erklärte das IW. Deutschland erhielte knapp 29 Milliarden Euro, hätte aber bei einem von der EU-Kommission geschätzten BIP-Rückgang von 6,5 Prozent wirtschaftliche Verluste von preisbereinigt 223 Milliarden Euro zu verkraften.

“Es ginge zu weit, die durch das EU-Paket überkompensierten Länder als Gewinner der Corona-Krise zu bezeichnen”, sagte IW-Experte Markos Jung. Insgesamt seien die wirtschaftlichen Schäden für alle Länder enorm. Das IW rechnet damit, dass die deutschen Exporte 2020 um ein Viertel einbrechen. “Angesichts dessen wäre eine Stärkung der Konjunktur im gesamten EU-Binnenmarkt insbesondere für Deutschland wichtig”, fügte Jung hinzu. Allerdings müssten für einen starken konjunkturellen Impuls die Mittel recht bald fließen. Tatsächlich sollen die Gelder aber erst in den kommenden Jahren zur Verfügung gestellt werden, ein Großteil erst ab 2023, betonte das IW.

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