July 24, 2018 / 11:16 AM / 25 days ago

Wachstum in Euro-Zone ebbt ab - Aber Industrie im Aufwind

Berlin (Reuters) - Das Wirtschaftswachstum in der Euro-Zone hat sich einer Umfrage zufolge zum Start ins dritte Quartal stärker verlangsamt als erwartet.

FILE PHOTO: A sculpture showing the Euro currency sign is seen in front of the European Central Bank (ECB) headquarters in Frankfurt, December 8, 2011. REUTERS/Alex Domanski/File Photo

Der Einkaufsmanagerindex für die Privatwirtschaft - Industrie und Dienstleister zusammen - fiel im Juli um 0,6 auf 54,3 Punkte, wie das Institut IHS Markit am Dienstag zu seiner Umfrage unter rund 4000 Unternehmen mitteilte. Das Barometer hält sich damit zwar klar über der Wachstumsschwelle von 50 Zählern. Allerdings signalisieren die Daten laut IHS Markit, dass das Bruttoinlandsprodukt im Euro-Raum im Sommer nur noch um 0,4 Prozent zulegen dürfte, nach geschätzten 0,5 Prozent im zu Ende gegangenen zweiten Quartal.

Das schwächelnde Neugeschäft dämpfe die Aussichten - “insbesondere in der Industrie, wo die Besorgnis bezüglich eines Handelskriegs im Juli deutlich gestiegen ist”, sagte IHS-Markit-Chefökonom Chris Williamson. “Die große Frage wird sein, ob die Inlandsnachfrage stark genug ist, um die Euro-Zone vor den potenziell negativen Auswirkungen der eskalierenden Handelsbeschränkungen bei Exporten zu bewahren.” Derzeit mache die Binnenkonjunktur einen erfreulich soliden Eindruck. “Doch sobald die Handelsbeschränkungen auf andere Sektoren durchschlagen, wird dies dafür sorgen, dass sich der ohnehin schon verhaltene Ausblick weiter verfinstert.”

Der von US-Präsident Donald Trump angezettelte Handelsstreit sorgt in der Wirtschaft für Verunsicherung. EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker will am Mittwoch in Washington mit Trump über das Thema reden, hat aber wohl keine konkreten Verhandlungsangebote im Gepäck. Vielmehr geht es darum, die Situation zu entspannen. Allerdings dürfte Juncker auch bemüht sein, die Amerikaner von den angedrohten, höheren Zöllen auf Autos aus der EU abzubringen.

Vor allem die Industrie sorgte in der Euro-Zone und in Deutschland im Juli für Impulse, während sich das Wachstum der Dienstleister jeweils verlangsamte. DZ-Bank-Chefökonom Stefan Bielmeier bezeichnete die Entwicklung in den Euro-Ländern vor dem Hintergrund des Handelsstreits als vergleichsweise robust. Sein Kollege Thomas Gitzel von der VP Bank aus Liechtenstein sieht die Lage im Verarbeitende Gewerbe, das wegen der globalen Lieferketten eine Art “Wasserstandsmesser für die Zollkonflikte” sei, positiv. “Die frohe Botschaft ist: Der fortgesetzte Handelsstreit scheint die Unternehmen in den Sommermonaten nicht weiter zu belasten.”

Die Industrie in Großbritannien fuhr nach Angaben des Branchenverbands CBI derweil ihre Produktion hoch. Sie schreckt allerdings vor Investitionen zurück - “insbesondere bei anhaltender Unsicherheit über die Richtung der Brexit-Gespräche”, sagte CBI-Chefökonim Rain Newton-Smith.

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