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Wirtschaftsnachrichten

Preise im Euro-Raum sinken erstmals seit 2016 - "Trauerspiel für EZB"

A woman, wearing a protective mask walks past the head quarter of the European Central Bank (ECB) during sunset in Frankfurt, Germany, April 29, 2020, as the spread of the coronavirus disease (COVID-19) continues. REUTERS/Kai Pfaffenbach

Berlin/Brüssel (Reuters) - Die Inflation im Euroraum rutscht vor allem wegen billigerer Energie unter die Nulllinie und dürfte bei der EZB für Kopfschmerzen sorgen.

Die Verbraucherpreise sanken im August um 0,2 Prozent zum Vorjahreszeitraum und damit erstmals seit Mai 2016, wie die Europäische Statistikbehörde Eurostat am Dienstag in einer ersten Schätzung mitteilte. Experten hatten dagegen mit einer Inflationsrate von plus 0,2 Prozent gerechnet, nach plus 0,4 Prozent im Juli. “Wenn die Teuerung rückläufig ist, mag dies für den Verbraucher eine gute Nachricht sein, für die EZB ist es hingegen ein Trauerspiel”, sagte Chefökonom Thomas Gitzel von der VP Bank mit Blick auf die europäischen Notenbanker. “Milliardenschwere Wertpapierkaufprogramme und Negativzinsen zeigten bislang keine nachhaltigen Inflationseffekte.”

Die Europäische Zentralbank (EZB) sieht einen Wert von knapp zwei Prozent als ideal für die Konjunktur, verfehlt dieses Ziel jedoch seit Jahren. Sie hat sich angesichts der in der Corona-Krise weiter gefallenen Energiepreise und auch wegen der vorübergehenden Mehrwertsteuersenkung in Deutschland darauf eingestellt, dass die Inflation vorerst auf dem Rückmarsch bleibt und wohl erst Anfang 2021 anziehen wird.

ÖKONOM: INFLATION KÖNNTE BEI BESSEREM JOBMARKT ZULEGEN

Chefökonom Alexander Krüger vom Bankhaus Lampe sprach wegen der Energiepreise von einer vorübergehenden Entwicklung: “Deflationsängste werden nicht noch mehr geschürt.” Im nächsten Jahr dürften die gesamten Verbraucherpreise wieder zulegen. “Die Inflationsaussichten geben der EZB bis Ende 2021 jeglichen Raum für noch mehr Expansion.” Volkswirt Gitzel sieht vor allem den Jobmarkt als wichtigen Faktor. “Für höhere Teuerungsraten braucht es mehr wirtschaftliche Dynamik mit sinkenden Arbeitslosenquoten in den europäischen Südländern.” Die Geldpolitik könne hier nur wenig ausrichten. “Der Spielball liegt im Feld der Politik.” Mehr Beschäftigung und damit auch Lohnsteigerungen sorgten für einen Anstieg der Inflation.

In der gesamten Euro-Zone stieg die Arbeitslosenquote allerdings im Juli auf 7,9 Prozent von 7,7 Prozent im Juni. In Italien kletterte dieser Wert sogar von 9,3 auf 9,7 Prozent und damit wieder auf das Vorkrisenniveau. Während der Virus-Pandemie war die Zahl der registrierten Arbeitslosen in Italien gesunken, da viele Menschen wegen des Lockdowns gar nicht mehr nach einem Job suchten.

An der Inflationsfront war zuletzt vor allem die Energie für den Preisrutsch verantwortlich. Energie verbilligte sich im August um 7,8 Prozent. Klammert man diesen Bereich aus, hätte die gesamte Jahresteuerung deutlich höher bei 0,7 Prozent gelegen. Teurer wurden vor allem unverarbeitete Lebensmittel: Sie kosteten 2,3 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.

Während die Preise gemäß der für den europäischen Vergleich üblichen Berechnungsweise (HVPI) in Deutschland im August mit 0,1 Prozent nur minimal sanken, fielen sie in Zypern mit 2,9 Prozent und in Griechenland mit 2,1 Prozent besonders stark. In Italien sanken sie um 0,5 Prozent, in Frankreich dagegen lag die Inflationsrate bei plus 0,2 Prozent.

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