March 23, 2020 / 10:56 AM / 14 days ago

Airbus macht sich für Corona krisenfest - MTU macht Pause

The logo of Airbus is pictured at their facility in Montoir-de-Bretagne near Saint-Nazaire, France July 12, 2019. REUTERS/Stephane Mahe

Paris/München (Reuters) - Der europäische Flugzeugbauer Airbus will ohne Staatshilfe durch die Coronakrise kommen.

Stattdessen macht sich der Konzern mit einer zusätzlichen Kreditlinie über zehn Milliarden Euro und einer Streichung der Dividende wetterfest für den drastischen Einbruch der Luftfahrt und drohende Pleiten von Fluggesellschaften. “Wir fordern keine direkten Staatshilfen”, betonte Vorstandschef Guillaume Faury am Montag in Toulouse. Der angeschlagene Rivale Boeing hofft auf milliardenschwere Hilfen der Regierung in Washington. Airbus stockt stattdessen seine Liquiditätsreserven auf 30 Milliarden Euro auf, um gut über die nächsten Monate zu kommen. Auch die Produktion könne gedrosselt werden, wenn die teilweise ums Überleben kämpfenden Airlines Aufträge zurückzögen oder Maschinen nicht abnähmen, machte Finanzvorstand Dominik Asam deutlich. Die Prognose für das laufende Jahr sei aber nicht mehr zu halten.

An Zulieferteilen fehlt es dem Flugzeugbauer derzeit nicht. Airbus habe - schon wegen des drohenden harten Brexit - Puffer aufgebaut, sagte Faury. In Toulouse und im spanischen Sevilla lief am Montag die Produktion teilweise wieder an. Zuvor waren die Arbeitsplätze so umgebaut worden, dass die Mitarbeiter den geforderten Abstand halten können, um sich nicht mit dem Virus anzustecken. In Deutschland gehe die Produktion weiter. Auch dort stünden aber Gesundheit und Sicherheit im Vordergrund, das Produktionstempo sei derzeit zweitrangig, betonte der Franzose.

Allerdings könnte auch bei Airbus die Lieferkette bald abreißen. Der Triebwerkszulieferer MTU Aero Engines, der zusammen mit Pratt & Whitney einen großen Teil der Motoren für den Airbus-Verkaufsschlager A320/A321 baut, fährt in dieser Woche die Produktion in München und im polnischen Rzeszow nach und nach praktisch auf Null herunter und pausiert dann von Ende März an für drei Wochen ganz. Grund sind Nachschubprobleme: “Damit trägt das Unternehmen den beginnenden Unterbrechungen in der Materialversorgung Rechnung”, teilte MTU mit. In München arbeiten für den Konzern rund 5000, in Polen weitere 1000 Menschen. Eine Woche später soll auch die Instandhaltung in Hannover und Ludwigsfelde für zunächst drei Wochen schließen. In den Werken in Kanada und China wird vorerst weiter gearbeitet.

AUCH AIRBUS ZAHLT KEINE DIVIDENDE

MTU hatte bereits in der vergangenen Woche die Dividende für 2019 gestrichen. Nun zieht Airbus nach. Der Verzicht auf die Ausschüttung erspart dem Flugzeugbauer allein 1,4 Milliarden Euro. Auch die Pensionstöpfe in Deutschland sollen anders als geplant bis auf weiteres nicht aufgefüllt werden. Investitionen und Projekte, die weniger eilig sind, werden gestoppt. Es gehe darum, “sogar im Falle einer anhaltenden Krise die Kontinuität seines Geschäfts sicherstellen”, begründete Airbus den Aufbau der Krisenpuffer. Flugzeugbauer finanzieren sich normalerweise vor allem über die Anzahlungen der Kunden - doch die könnten in der Krise ausbleiben.

Besonders der Jahresauftakt ist schwierig: Schon in einem normalen Jahr wie 2019 hatte Airbus im ersten Quartal mehr als vier Milliarden Euro mehr ausgegeben als eingenommen. Dazu kamen in diesem Jahr 3,6 Milliarden Euro an Bußgeldern zur Beilegung einer Korruptionsaffäre, eine halbe Milliarde für die Übernahme der restlichen Bombardier-Anteile am Kurzstreckenmodell A220 - und geringere Auslieferungen. “Es wird immer schwieriger, Flugzeuge auszuliefern”, sagte Faury. Einige fertige Maschinen sollen deshalb auf Halde gestellt werden.

Auf dem Flugzeugmarkt werde bald ein Überangebot herrschen, räumte der Airbus-Chef ein. “Wir werden Entscheidungen treffen müssen.” Eine Streichung ganzer Modellreihen stehe aber nicht zur Debatte. “Das wird sehr granular sein.” Faury setzt darauf, dass künftig eher die Kurz- und Mittelstreckenmaschinen wie der A320 gefragt sind, die gut 80 Prozent des Auftragsbestands von Airbus ausmachen. Größe und Qualität des Auftragsbuchs würden als “Stoßdämpfer” wirken, hofft Finanzchef Asam. In China, das als erstes von der Epidemie getroffen worden war, gebe es erste Anzeichen für eine langsame Erholung des Flugverkehrs.

0 : 0
  • narrow-browser-and-phone
  • medium-browser-and-portrait-tablet
  • landscape-tablet
  • medium-wide-browser
  • wide-browser-and-larger
  • medium-browser-and-landscape-tablet
  • medium-wide-browser-and-larger
  • above-phone
  • portrait-tablet-and-above
  • above-portrait-tablet
  • landscape-tablet-and-above
  • landscape-tablet-and-medium-wide-browser
  • portrait-tablet-and-below
  • landscape-tablet-and-below