January 21, 2009 / 4:16 PM / in 11 years

Europas Regierungen pumpen weitere Milliarden in Banken

London/Brüssel (Reuters) - Im Kampf gegen die Finanzkrise wollen mehrere europäische Regierungen weitere Milliarden in die angeschlagene Bankenbranche pumpen.

Während in Großbritannien am Mittwoch Rufe nach einer Verstaatlichung von zwei führenden Instituten des Landes laut wurden, stellte Frankreich seinen Banken weitere Staatshilfen in Milliardenhilfe in Aussicht. Auch Belgien erwägt nach Regierungsangaben ein zweites Rettungspaket für die angeschlagene Branche. Indes greift Spanien seinen Instituten mit Krediten in Höhe von vier Milliarden Euro unter die Arme. In Deutschland muss die schwer angeschlagene Münchner Immobilienbank Hypo Real Estate auf weitere Staatshilfen zurückgreifen. An den Märkten ließ die neue Runde an Stützungsmaßnahmen keine Zuversicht aufkommen: Bankaktien verbuchten erneut auf breiter Front Verluste.

Die Hypo Real Estate erhält über den Bankenrettungsfonds des Bundes (SoFFin) weitere Bürgschaften von zwölf Milliarden Euro. Damit summieren sich die staatlichen Garantien zur kurzfristigen Refinanzierung der Bank, die wegen eines Liquiditätsengpasses der irischen Staatsfinanzierungstochter Depfa mehrfach vor dem Aus stand, mittlerweile auf 42 Milliarden Euro. Neben den Bürgschaften hatte der Staat zusammen mit anderen Banken der Hypo Real Estate im Herbst mit einem Kreditrahmen von 50 Milliarden Euro unter die Arme gegriffen. Weitere Hilfen sind schon ausgemacht: Finanz- und Parlamentskreisen zufolge wird der Staat mindestens zehn Milliarden Euro an Kapital zur Verfügung stellen und damit voraussichtlich Mehrheitseigentümer.

Anlass zur Sorge geben derzeit auch die britischen Banken. Großbritannien hat seinen Banken daher bereits ein zweites milliardenschweres Hilfspaket geschnürt. Der Vorsitzende des Finanzausschusses im Unterhaus, John McFall, forderte nun die Verstaatlichung von Lloyds TSB und der Royal Bank of Scotland. Beide Banken sind bereits teilweise im staatlichem Besitz. Beobachtern zufolge könnte Barclays als nächstes an der Reihe sein, sollten ihre Rivalen tatsächlich in Staatshand übergehen. Die Anleger seien nicht bereit, Aktien einer Bank zu kaufen, für die eine Verstaatlichung auch nur annähernd ein realistisches Szenario sei, sagte Arturo de Frias, Analyst bei der Dresdner Kleinwort.

Auch Belgien könnte schon bald mit einem zweiten Hilfspaket nachlegen, da die Geldhäuser des Landes mit neuen Sorgen über ihre Kapitallage kämpfen. Nach Angaben von Finanzminister Didier Reynders soll ein Expertengremium nun alle Banken unter die Lupe nehmen und Vorschläge für neue Maßnahmen machen. Reynders zufolge hat der belgische Staat bereits 20 Milliarden Euro in die Geldhäuser des Landes gepumpt.

Unterdessen kündigte Frankreich an, eine zweite Tranche von bis zu 10,5 Milliarden Euro bereitstellen zu wollen, um den Banken eine Stärkung ihrer Kapitaldecke zu ermöglichen. Im vergangenen Jahr hatte der Staat den Instituten bereits Hilfen in ähnlicher Höhe zur Verfügung gestellt.

Spanien gewährte seinen Banken Zwei-Jahres-Darlehen im Umfang von vier Milliarden Euro und akzeptierte als Sicherheiten dafür mit Hypotheken besicherte Schulden. Mit dem Schritt soll die Vergabe von Krediten an Unternehmen und Verbraucher wieder in Gang gebracht werden und ein noch tieferes Abgleiten des Landes in die Rezession zu verhindern.

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