July 23, 2010 / 1:04 PM / 10 years ago

Milliardenhilfen für Banken nach Stresstest erwartet

Frankfurt/Berlin (Reuters) - Vor der Veröffentlichung der Banken-Stresstests werden an den Finanzmärkten bereits die Konsequenzen für die Branche durchgespielt.

The headquarters of Deutsche Bank AG are pictured in Frankfurt July 23, 2010. REUTERS/Ralph Orlowski

Nach Einschätzung von Investoren sind zehn Prozent der teilnehmenden europäischen Institute durchgefallen und brauchen milliardenschwere Kapitalspritzen, wie aus einer Umfrage der Investmentbank Goldman Sachs hervorgeht. Zu den schwarzen Schafen gehören einem Bericht der Zeitung “El Pais” zufolge mehrere der 18 spanischen Sparkassen - auch solche, die bereits Staatshilfe erhalten haben. Die Bundesregierung erwartet hingegen keine Kapitalprobleme bei deutschen Banken. Die Ergebnisse sollten von den Geldhäusern in Abstimmung mit den europäischen Bankenregulierern am Freitagabend ab 18.00 Uhr (MESZ) veröffentlicht werden.

Goldman Sachs hat in der Umfrage bis Donnerstagabend 376 Investoren aus Europa, den USA und Asien befragt. Sie erwarten, dass zehn der 91 getesteten Banken die Belastungsprobe nicht bestehen. Insgesamt müssten die europäischen Geldhäuser knapp 38 Milliarden Euro an frischem Kapital aufnehmen, lautet die durchschnittliche Erwartung der Experten. Betroffen sind ihrer Einschätzung nach vor allem Banken aus Spanien, Deutschland und Griechenland. Doch selbst im Fall von Kapitalspritzen nach dem Stresstest gehen 37 Prozent der Befragten davon aus, dass europäischen Banken weiter zu schwach kapitalisiert seien.

Aus Deutschland haben 14 Banken teilgenommen. Finanzkreisen zufolge dürften sie bis auf den Münchener Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate (HRE) alle bestanden haben. Das negative Testergebnis der HRE ist jedoch bedeutungslos, da das verstaatlichte Institut ohnehin bald alle toxischen Papiere in eine Bad Bank auslagert. Die Bundesregierung geht nicht davon aus, einzelne Banken mit Staatshilfen retten zu müssen. “Wir rechnen nicht damit, dass wir dort einen Handlungsbedarf für uns feststellen”, sagte ein Sprecher des Bundesfinanzministeriums.

Spannend bleibt aber die Frage, wie einzelne Wackelkandidaten etwa aus dem Landesbankenlager abschneiden und wie ihr Kapital unter Stressbedingungen abschmilzt. Selbst wenn alle Wackelkandidaten den Test bestehen, schließen Branchenvertreter zusätzliche Kapitalspritzen nicht aus. “Die Bewertung der Ergebnisse müssen wir dem Markt überlassen” sagte ein hochrangiger Banker.

Auch an der Börse werden die Einzelergebnisse der Banken mit Spannung erwartet. “Im Prinzip ist ja schon klar, wie viele Banken durchgefallen sind. Viel interessanter sind daher die Details zu den Test-Kriterien”, sagte ein Börsianer. Die europäischen Bankaktien lagen vor der Veröffentlichung der Ergebnisse leicht im Minus.

Parallel reißen auch die Diskussionen über die Aussagekraft des Tests nicht ab: “Die Prüfungen sind nicht der Königsweg, der eine schnelle Normalisierung des Finanzsystems garantiert”, urteilen die Analysten der Unicredit. John Anderson vom Fondshaus Gartmore schließt sich dem an. “Ich fürchte, dass der Transparenzgrad nicht so hoch sein wird. Ich stehe dem Ganzen sehr skeptisch gegenüber”, sagte er.

BANKENVERBAND HOFFT AUF MARKTBERUHIGUNG

Der deutschen Privatbankenverband BdB erwartet von den Tests ein positives Signal für die Märkte. BdB-Hauptgeschäftsführer Manfred Weber sagte im Deutschlandfunk, er sei zuversichtlich, dass die heimischen Institute bei der Belastungsprobe “insgesamt gut” abschneiden werden. Auch das europäische Bankensystem werde besser abschneiden als von vielen erwartet. “Wir sind auf gutem Weg, die richtigen Lehren aus der Krise zu ziehen”, sagte Weber.

In den Test werden die Auswirkungen eines Konjunktureinbruchs und eines Kursverfalls bei Staatsanleihen auf die Bankbilanzen geprüft. Als bestanden gilt der Test, wenn die Kernkapitalquote in diesen Szenarien nicht unter sechs Prozent rutscht. Die Ergebnisse sollen zeigen, welchen Kapitalpuffer die Institute für solche Extrembedingungen haben. Mit der Offenlegung soll das von der Finanzkrise erschütterte Vertrauen der Investoren in die europäischen Banken gestärkt werden - nach dem Vorbild der USA, wo dies im vergangenen Jahr mit einem solchen Test geglückt ist.

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