February 27, 2012 / 3:23 PM / 6 years ago

Deutsche Banker üben sich in Pessimismus - Stellenabbau erwartet

Frankfurt (Reuters) - Bei deutschen Bankern ist die Stimmung schlechter als die Lage.

Die Konjunktur in Deutschland entwickelt sich besser als im Rest Europas, und auch die Geldhäuser stehen vergleichsweise gut da. Dennoch ist der Anteil der Pessimisten unter deutschen Bankern mit Blick auf die nächsten sechs Monate so groß wie seit 2009 nicht mehr, wie eine Umfrage der Unternehmensberatung Ernst & Young ergab. Zu den Zuversichtlichsten gehören neben polnischen Bankern auch die von der Immobilien- und der europäischen Schuldenkrise zugleich gebeutelten Spanier.

“Deutsche sind von der Grundstimmung etwas morbider als die Südländer mit ihrem sonnigen Gemüt”, versuchte Dirk Müller-Tronnier, einer der Autoren der Studie, am Montag in Frankfurt die Ergebnisse der Studie zu deuten. “Ich bin sicher, dass die deutschen Banken insgesamt stabiler sind als die in vielen anderen Ländern”, wundert er sich über die Negativ-Stimmung. Dennoch beurteilen nur die italienischen Kreditinstitute ihre operative Geschäftsentwicklung negativer als die deutschen. In den Nachbarländern Polen und den Niederlanden schätzen jeweils mehr als die Hälfte der Manager ihre Lage als “sehr gut” ein, hierzulande ist es weniger als ein Viertel.

Ernst & Young hatte für die Umfrage im Januar 500 Banken in zehn Ländern in Europa befragt.

Vor allem die Schwäche des Wertpapierhandels trübt die Stimmung. Nur 28 Prozent der deutschen Finanzmanager erwarten bis zur Jahresmitte ein besseres Umfeld an den Finanzmärkten, fast ebenso viele gehen von einer Verschlechterung aus. In Frankreich und Spanien dagegen überwiegen deutlich die Optimisten. Die Lage im Geschäft mit Fusionen und Übernahmen sowie mit wohlhabenden Kunden bezeichnet nur eine Minderheit der Banker europaweit als “gut”.

Das wird sich der Umfrage zufolge auch auf die Belegschaft in den Geldhäusern auswirken. Immerhin 23 Prozent der deutschen Institute rechnen mit sinkenden Mitarbeiterzahlen innerhalb der nächsten sechs Monate, einen größeren Aderlass erwarten nur die Spanier - während in Frankreich und Großbritannien jeweils mehr als ein Drittel schon wieder an einen Stellenaufbau denken. In London hatte es in der Krise allerdings den größeren Aderlass gegeben als in Deutschland, wo die Zahl der Banker im Schnitt nur um ein Prozent im Jahr sinkt. Im Vertrieb will allerdings auch ein Drittel der deutschen Banken Personal einstellen, in der Abwicklung und technischen Bereichen werden Arbeitsplätze wegfallen. Immerhin: An eine groß angelegte Konsolidierung in der deutschen Bankenbranche mag keiner der Befragten in diesem Jahr glauben - anders als etwa in Spanien oder in dem gesunden Bankensektor Skandinaviens.

Mit Krediten wollen die Banken im nächsten halben Jahr in ganz Europa knausriger werden - primär wegen einer höheren Gefahr von Kreditausfällen in vielen Branchen, aber auch wegen der höheren Eigenkapital-Anforderungen für die Branche, die im kommenden Jahr eingeführt werden. In Deutschland erwarten dann 55 Prozent der Banker kleinere oder größere Einschränkungen in der Kreditversorgung.

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