April 30, 2019 / 11:29 AM / 3 months ago

Euro-Wirtschaft verdoppelt Wachstum - "Belebung ist trügerisch"

The euro sign is photographed in front of the former head quarter of the European Central Bank in Frankfurt, Germany, April 9, 2019. Picture is taken on slow shutter speed while the camera was moved. REUTERS/Kai Pfaffenbach

Berlin/Brüssel (Reuters) - Trotz der schwächelnden Industrie und der Unsicherheit durch den Brexit hat die Wirtschaft der Euro-Zone zu Jahresanfang ihr Wachstum überraschend verdoppelt.

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) legte zwischen Januar und März um 0,4 Prozent zum Vorquartal zu, wie das Statistikamt Eurostat am Dienstag in einer ersten Schätzung mitteilte. Ökonomen hatten nur mit plus 0,3 Prozent gerechnet, nach einem Anstieg von 0,2 Prozent im Herbst. Viele Fachleute sehen nun eine deutlich geringere Gefahr, dass der Euro-Raum in eine Rezession rutschten könnte. “Die Euro-Zone ist aber noch nicht über den Berg”, sagte KfW-Expertin Stephanie Schoenwald. “Insbesondere der exportorientierten Industrie setzen die handelspolitischen Spannungen, der ungeklärte Brexit und die globale Konjunkturabkühlung zu.”

Positiv reagierte der Finanzmarkt vor allem auf Daten aus Italien, das den Abschwung vorerst abschütteln konnte. Zwischen den Alpen und Sizilien zog die Konjunktur um 0,2 Prozent an und damit einen Tick stärker als erwartet. In beiden Vorquartalen hatte es jeweils einen Rückgang um 0,1 Prozent gegeben. Zwei Minus-Quartale in Folge bezeichnen Ökonomen als “technische Rezession”. Während die nach Deutschland zweitgrößte Euro-Volkswirtschaft Frankreich mit 0,3 Prozent ihr Wachstumstempo hielt, ging es in Spanien mit 0,7 Prozent bergauf. Damit zog die Konjunktur auf der iberischen Halbinsel so stark an wie seit Ende 2017 nicht mehr. In Österreich gab es ein Plus von 0,3 Prozent. Daten für Deutschland werden erst am 15. Mai vorgelegt. Hier erwartet NordLB-Chefökonom Christian Lips ein BIP-Wachstum von rund einem halben Prozent. “Die Kakophonie aus Rezessions- und Untergangsszenarien sollte also wieder etwas leiser werden.”

WEITER “ERNSTHAFTE KONJUNKTURRISIKEN” WIE US-ZÖLLE AUF AUTOS

In Frankreich, Spanien und Österreich sorgten vor allem die Verbraucher und die Inlandsnachfrage für Schwung. Vom Export kamen wenig Impulse. In Frankreich bremste der Außenhandel sogar, da die Einfuhren stärker zulegten als die Ausfuhren. Der Handelsstreit und das Hin- und Her um den EU-Austritt Großbritanniens sorgen für Unsicherheit bei vielen Unternehmen. Die Europäische Zentralbank (EZB) senkte jüngst ihre Wachstumsprognose für die Wirtschaft in der Euro-Zone 2019 auf 1,1 von 1,7 Prozent. “Das Wachstum mag besser ausgefallen sein als zeitweise befürchtet, aber die Belebung ist trügerisch”, sagte KfW-Expertin Schoenwald zu den Daten zum ersten Quartal. Denn bei Umfragen unter Firmen zeichne sich noch keine Trendwende ab. “Zudem bestehen ernste Konjunkturrisiken, da US-Zölle für den Autosektor drohen”, ergänzte Alexander Krüger, Chefökonom beim Bankhaus Lampe.

Trotz der 2019 erwarteten Konjunkturabkühlung läuft es am Jobmarkt in der Währungsunion noch recht gut. Im März fiel die Arbeitslosenquote auf den tiefsten Stand seit September 2008. Der um jahreszeitliche Schwankungen bereinigte Wert lag bei 7,7 Prozent. Demnach waren 12,6 Millionen registrierte Menschen im Euro-Raum auf Jobsuche - dies waren 174.000 weniger als im Vormonat und 1,17 Millionen weniger als vor einem Jahr.

Auch in Deutschland stemmt sich der Arbeitsmarkt gegen die trüberen Konjunkturaussichten. Mit der Frühjahrsbelebung sank die Arbeitslosenzahl auf 2,23 Millionen und damit auf den geringsten April-Wert seit der Wiedervereinigung 1990, wie die Bundesagentur für Arbeit (BA) in Nürnberg mitteilte. “Die deutsche Wirtschaft verliert etwas an Schwung”, sagte BA-Chef Detlef Scheele. “Der Arbeitsmarkt zeigt sich gegenüber diesen konjunkturellen Schwächephasen jedoch robust.”

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