November 11, 2011 / 6:04 AM / 7 years ago

Hohe Hürden für Mega-Fusion von Deutscher Börse und Nyse

Frankfurt/New York (Reuters) - Die Deutsche Börse und die New Yorker Nyse müssen auf dem Weg zur geplanten Mega-Fusion in den nächsten Tagen hohe Hürden aus dem Weg räumen.

A combination photo shows (top) the facade of the New York Stock Exchange, decorated with the American flag, flags of European countries, and a banner announcing the NYSE Euronext alliance in New York April 4, 2007, and (bottom) traders working on the floor of the Frankfurt stock exchange September 16, 2008. REUTERS/Staff

Anders als erhofft konnten Börse-Chef Reto Francioni und Nyse-Boss Duncan Niederauer die europäischen Wettbewerbshüter bisher nicht dazu bewegen, bei ihrer Prüfung der Fusion auch den außerbörslichen Handel mit einzubeziehen, wie zwei mit der Situation vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters sagten. Damit sinken die Chancen auf grünes Licht aus Brüssel weiter. Allerdings halten Experten eine Zustimmung nach wie vor für denkbar, wenn die Konzerne genügend Zugeständnisse machen.

Die EU hatte den Fusionspartnern bereits Anfang Oktober mitgeteilt, bei ihrer Prüfung nur den Teil des Derivatehandels betrachten zu wollen, der über regulierte Börsen abgewickelt wird. In diesem Bereich kämen die Deutsche-Börse-Tochter Eurex und die Nyse Liffe in Europa auf einen Markteinteil von rund 90 Prozent. Den außerbörslichen Handel (OTC), der rund vier Fünftel des gesamten Marktes ausmacht, will die EU dagegen ausblenden. Die Versuche der Konzerne, die Kommission bei diversen Anhören in diesem Punkt umzustimmen, waren erfolglos. Dies teilten die Wettbewerbshüter Niederauer, Francioni und Bösen-Vize-Chef Andreas Preuß Insidern zufolge am Dienstag beim sogenannten “state of play meeting” mit.

“Das macht es nicht einfacher, aber es gibt trotzdem noch Chancen, dass der Deal klappt”, sagte Silvia-Quandt-Analyst Christian Muschick. Zwar könnten die Börsenbetreiber keine riesigen Zugeständnisse wie den Verkauf von wichtigen Teilen des Derivate-Geschäfts machen. “Dann würde die Fusion keinen Sinn mehr machen”, betont Muschick. “Aber es gibt eine Reihe von Zugeständnissen, die beide Unternehmen anbieten könnten.” Denkbar sei etwa, das lukrative Index-Geschäft für Konkurrenten zu öffnen. Möglich sei auch eine Preisregulierung, die zu hohe Gebühren und Dumpingpreise verhindert, oder die Verpflichtung, nicht in bestimmte Geschäftsbereiche oder Regionen zu expandieren. “Ob das der Kommission am Ende reicht, ist allerdings völlig offen”, erklärte Muschick.

WER HAT DIE BESSEREN LOBBYISTEN?

Die Börsenbetreiber setzen nun Insidern zufolge vor allem darauf, dass die Wettbewerbshüter bei ihrer Prüfung die globale Struktur des Derivate-Marktes berücksichtigen. Es sei wichtig, einen “europäischen Champion” zu schaffen, der im harten Wettbewerb mit Konkurrenten aus den USA, Lateinamerika und Asien mithalten könne, sagten Francioni und Niederauer in Brüssel. Experten halten diese Sichtweise für gerechtfertigt, zumal Konkurrenten wie die ICE in wichtigen Bereichen wie der Abwicklung von Derivate-Geschäften bereits heute eine wichtige Rolle spielen. “Sollte die EU das nicht berücksichtigen, haben die Lobbyisten der LSE in Brüssel einen guten Job gemacht”, sagt Analyst Muschick.

“Es gibt von den Wettbewerbern, der Öffentlichkeit und der Politik großen Druck auf die Kommission, harte Auflagen zu erlassen”, sagt Analyst Martin Peter von der LBBW. “Auf der anderen Seite weiß die Kommission aber auch, dass ein großer Börsenbetreiber in Europa von Vorteil ist, weil sie somit über die Regulierung deutlich mehr Einfluss hat, als wenn die großen Player vor allem in Asien und Amerika sitzen.” Peter glaubt deshalb weiter, dass der neun Milliarden Dollar schwere Zusammenschluss am Ende gelingen wird. “Die Chancen für eine Fusion stehen meiner Ansicht nach weiter besser als 50 zu 50.”

Die Deutsche Börse und die Nyse wollten sich zum Stand der Verhandlungen und möglichen Zugeständnisse nicht äußern.

FEILSCHEN GEHT IN DIE HEISSE PHASE

Im Poker mit den Wettbewerbshütern beginnt für die Börsenbetreiber nun die heiße Phase. Bisher haben sie sich Insidern zufolge nicht festgelegt, welche Zugeständnisse sie anbieten wollen - viele Manager in Frankfurt und New York müssen sich deshalb auf ein arbeitsreiches Wochenende einstellen. Auf einer für Montag geplanten Vorstandssitzung der Deutschen Börse soll dann festgelegt werden, was die Konzerne in Brüssel anbieten wollen. Anschließend tagt der Aufsichtsrat.

Bis 17. November müssen die Unternehmen ihr schriftliches Angebot in Brüssel einreichen. Sollten sie dabei - wie zu erwarten - weitere Zugeständnisse anbieten, würde sich die Prüffrist der EU-Kommission automatisch verlängern. Sie würde dann spätestens bis 23. Januar und nicht wie bisher vorgesehen bis zum 22. Dezember entscheiden. Der ursprüngliche Zeitplan, der einen Abschluss der Transaktion noch in diesem Jahr vorsah, wäre damit hinfällig - für die Deutsche Börse und Nyse wäre dies im Fall einer Zusage allerdings zweitrangig.

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