March 9, 2010 / 2:34 PM / 10 years ago

Großprojekte schwächen EADS - Kräftiger Verlust

Firmenlogo am Haupteingang des Airbus-Werks in Stade am 11. Oktober 2006. REUTERS/Morris Mac Matzen

Berlin/Paris (Reuters) - Der Kampf an vielen Fronten setzt dem europäischen Luftfahrt- und Rüstungskonzern EADS schwer zu.

Zusätzliche Rückstellungen für das Militärtransportflugzeug A400M und das Dauerproblem A380 brockten dem Konzern im vergangenen Jahr tiefrote Zahlen ein. Für die Geschäftsentwicklung in diesem Jahr ist EADS nicht nur wegen des weiter unbeständigen Wirtschaftsumfelds und des starken Euro vorsichtig. Drei zähe Großprojekte gleichzeitig - A400M, Super-Airbus A380 sowie das neue Langstreckenmodell A350 - treiben den Konzern an den Rand seiner Belastungsfähigkeit. Mit seinem Verzicht auf den Auftrag für US-Tankflugzeuge begräbt der Konzern zudem alle Chancen auf ein hochlukratives Geschäft im heiß umkämpfen US-Rüstungsmarkt. Die Börse strafte das EADS-Papier ab.

Netto belief sich der Aderlass im vergangenen Jahr auf 763 Millionen Euro, wie EADS am Dienstag bekanntgab. 2008 hatte der Konzern noch einen Gewinn von 1,572 Milliarden Euro verbucht und die Aktionäre mit 20 Cent je Anteilsschein daran beteiligt. Für 2009 sollen sie “ausnahmsweise” leer ausgehen. Wie bereits angekündigt, legte der Konzern für das Debakel um den um Jahre verspäteten A400M 1,8 Milliarden Euro zurück. Nach monatelangen, harten Verhandlungen hatten sich die sieben europäischen Abnehmerstaaten erst am Freitag bereit erklärt, mehr Geld auf den Tisch zu legen, aber längst nicht so viel wie von EADS gefordert. Für die A380 kamen noch mal 240 Millionen Euro an Rückstellungen hinzu.

Die Zahlen zeigen einmal mehr die starke Abhängigkeit des Konzerns von seiner Tochter Airbus. Der Verlust ging einzig auf ihr Konto. Als Zeichen einer aufkeimenden Erholung der Luftfahrtbranche kündigte Airbus jedoch an, die monatliche Produktionsrate seines Verkaufsschlagers A320 ab Dezember auf 36 von derzeit 34 Maschinen zu erhöhen. Insgesamt erwartet EADS 2010 bei stabilen Umsätzen einen operativen Gewinn von rund einer Milliarde Euro. “Obwohl es im A380-Programm leichte Verbesserungen geben wird, wird es das Ebit vor Einmaleffekten weiterhin, wie schon im Jahr 2009, erheblich belasten”, hieß es. Das neueste Projekt, die A350, soll pünktlich 2013 in die Luft gebracht werden. Einige Zeitpuffer seien jedoch schon verbraucht worden, schränkte EADS jedoch ein.

Der Ausblick enttäuschte Börsianer. Die EADS-Aktie fiel sowohl in Paris als auch in Frankfurt um rund fünf Prozent. Als weiteren Grund für den Kurseinbruch nannten Analysten den Ausstieg aus dem Bieterrennen um Tankflugzeuge für die US-Luftwaffe. Am Montag hatte bereits EADS-Partner Northrop Grumman seinen Rückzug erklärt. Alleine will EADS nicht bieten. “Unter diesen Umständen haben wir keine Chance zu gewinnen”, sagte EADS-Chef Louis Gallois. Wirtschaftlich sei ein Angebot nicht sinnvoll, ergänzte Airbus-Chef Tom Enders.

EU-Kommission und Bundesregierung warfen den USA vor, durch die Ausschreibung des 35 Milliarden Dollar schweren Projekts den heimischen Boeing-Konzern zu bevorzugen. “Auch bei der Beschaffung von Rüstungsgütern sollte der freie Wettbewerb nicht einseitig eingeschränkt werden”, mahnte Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) an. Boeing ist nach dem Rückzug von Northrop und EADS der einzig verbliebene Bieter. Der Luftfahrtkoordinator der Bundesregierung, Peter Hintze, rief die US-Regierung zum Überdenken ihres Angebotsverfahrens auf. Die jetzige Ausschreibung ist bereits der dritte Anlauf zur Vergabe des Auftrags für 179 Tankflugzeuge.

- von Kerstin Dörr und Tim Hepher -

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