November 26, 2018 / 2:33 PM / 15 days ago

EZB plant trotz mauer Wirtschaft Abkehr von sehr lockerer Linie

European Central Bank (ECB) President Mario Draghi speaks at the 28th Frankfurt European Banking Congress (EBC) at the Old Opera house in Frankfurt, Germany November 16, 2018. REUTERS/Ralph Orlowski

Brüssel/Berlin (Reuters) - Trotz eines zuletzt mauen Wirtschaftswachstums will die EZB bald den ersten großen Schritt auf dem Weg zu einer weniger lockeren Geldpolitik wagen.

Der EZB-Rat gehe weiterhin davon aus, dass das billionenschwere Programm der Anleihenzukäufe im Dezember enden werde, sagte Präsident Mario Draghi am Montag vor dem Wirtschafts- und Währungsausschuss des Europa-Parlaments. Es sei normal, dass das Wachstum in der Spätphase eines Aufschwungs schrittweise nachlasse: “Ein Teil der Abschwächung dürfte zudem vorübergehend sein”, fügte er hinzu. Die Wirtschaft im Euroraum war im dritten Quartal so langsam gewachsen wie seit mehr als vier Jahren nicht mehr. Dennoch geht die deutsche EZB-Direktorin Sabine Lautenschläger davon aus, dass nächstes Jahr der Leitzins steigt: “Womöglich im Sommer oder Herbst”.

Wann der genaue Zeitpunkt für eine Straffung gekommen sei, hänge letztlich von den dann aktuellen Konjunkturdaten ab. Laut Sprachregelung der EZB wird der Leitzins, der seit März 2016 bei 0,0 Prozent liegt, 2019 “über den Sommer hinweg” nicht angetastet werden. Flankierend zum Nullzins hatte die EZB in den vergangenen Jahren mit massiven Käufen von Staatsanleihen und anderen Wertpapieren die Konjunktur gepäppelt und zugleich die aus ihrer Sicht zu niedrige Inflation bekämpft.

Ab nächstem Jahr will die Notenbank das Programm auf Sparflamme setzen: Dann sollen nur noch auslaufende Wertpapiere durch neue ersetzt werden. Diese Praxis soll dann laut EZB “geraume Zeit” beibehalten werden. EZB-Direktorin Lautenschläger mahnte in einem Interview mit der Nachrichtenagentur AFP jedoch zur Vorsicht. “Wir sollten uns mit Blick auf die Reinvestitionen nicht für eine lange Zeit binden. Denn wir können nicht ausschließen, dass wir unser Inflationsziel früher als erwartet erreichen oder dass sich vermehrt negative Nebeneffekte unserer lockeren Geldpolitik einstellen.”

EZB-Chefökonom Peter Praet hat signalisiert, dass die Währungshüter auf ihrer Dezember-Sitzung wohl präzisieren werden, was sie unter einer Reinvestitionspolitik für geraume Zeit verstehen. An den Märkten gilt es als wahrscheinlich, dass damit rund zwei bis drei Jahre gemeint sind.

“ZUSEHENDS GEGENWIND”

Angesichts widriger Bedingungen für die Konjunktur sieht sich die EZB nach den Worten Praets jedoch weiter in der Pflicht, der Wirtschaft unter die Arme zu greifen. In einem Umfeld von Protektionismus, Schwankungen an den Finanzmärkten und anfälligen Schwellenländern mache sich “zusehends Gegenwind bemerkbar”. Das Bruttoinlandsprodukt legte in der Euro-Zone zwischen Juli und September nur noch um 0,2 Prozent zum Vorquartal zu. Das Wachstum halbierte sich damit zum Frühjahr. Vor allem Schwächen in der größten Euro-Volkswirtschaft Deutschland bremsten die Dynamik.

Die Notenbank sieht vor diesem Hintergrund laut Praet weiterhin Bedarf, für einen erheblichen geldpolitischen Impuls zu sorgen. Dem “Handelsblatt” sagte er jüngst: “Wir gehen davon aus, dass die Zinsen mindestens über den Sommer 2019 hin auf dem heutigen Niveau bleiben werden. Und wenn es nötig wäre, um den angestrebten Inflationswert von knapp zwei Prozent nachhaltig zu erreichen, dann könnte es auch darüber hinaus beim derzeitigen Niveau der Leitzinsen bleiben.”

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