July 31, 2018 / 9:09 AM / 17 days ago

Wirtschaft der Euro-Zone wächst langsamer - Zollstreit bremst

Brüssel/Berlin (Reuters) - Die Wirtschaft der Euro-Zone ist im zweiten Quartal auch wegen des Handelsstreits mit den USA so langsam gewachsen wie seit knapp zwei Jahren nicht mehr.

A coal barge moves past shipping containers at the port of Antwerp, Belgium July 26, 2018. REUTERS/Francois Lenoir

Das Bruttoinlandsprodukt stieg zwischen April und Juni nur noch um 0,3 Prozent zum Vorquartal, wie die Statistikbehörde Eurostat am Dienstag mitteilte. Von Reuters befragte Ökonomen hatten erwartet, dass die Währungsunion wie schon zu Jahresbeginn um 0,4 Prozent wächst. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum legte die Wirtschaft um 2,1 Prozent zu.

Der Handelskonflikt mit den USA hat zuletzt Unternehmen wie Verbraucher aufgeschreckt. “Die Verunsicherung scheint bereits im zweiten Quartal deutliche Auswirkungen auf die Wirtschaft in der Euro-Zone gehabt zu haben”, sagte Ökonom Bert Colijn von der Großbank ING. “Dennoch bleibt die gesamtwirtschaftliche Entwicklung trotz aller Widrigkeiten recht solide”, ergänzte sein NordLB-Kollege Christian Lips.

Angesichts der jüngsten De-Eskalation im Handelsstreit mit den USA dürfte die Wirtschaft auch in den kommenden Quartalen wachsen, erwartet Analyst Alexander Krüger vom Bankhaus Lampe. US-Präsident Donald Trump sagte EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker vorige Woche in Washington überraschend zu, vorerst auf Sonderzölle auf europäische Autos zu verzichten. Stattdessen soll es Verhandlungen zum Abbau von Handelsbarrieren geben.

“WERDEN PROGNOSEN ÜBERARBEITEN”

Viele Unternehmen stellen im Vertrauen auf einen anhaltenden Aufschwung weiter Mitarbeiter ein. Die Arbeitslosigkeit in der Euro-Zone verharrt deshalb auf dem niedrigsten Stand seit Ende 2008. Die saisonbereinigte Erwerbslosenquote blieb im Juni in den 19 Ländern der Währungsgemeinschaft bei 8,3 Prozent.

In den einzelnen Ländern fielen die Wachstumsraten allerdings sehr unterschiedlich aus. Spanien etwa expandierte im Frühjahr so langsam wie seit vier Jahren nicht mehr. Dennoch gehört Spanien mit einem Plus von 0,6 Prozent zu den am schnellsten wachsenden Euro-Ländern. Frankreich - die nach Deutschland zweitgrößte Volkswirtschaft des Währungsraums - schaffte dagegen nur 0,2 Prozent. “Wir werden die Wachstumsprognosen für 2018 überarbeiten”, kündigte Finanzminister Bruno Le Maire nun im Fernsehsender BFM an. Grund dafür seien die “enttäuschenden Zahlen”.

Auch Italien - die Nummer drei der Euro-Zone - kam lediglich auf 0,2 Prozent. Gebremst hat hier der Außenhandel, weil die Importe schneller wuchsen als die Exporte. Während sowohl Industrie als auch Dienstleister zulegten, schrumpfte die Landwirtschaft. Für die seit Juni amtierende Regierung aus den Euro-kritischen Populisten der 5-Sterne-Bewegung und der rechten Lega ist die schwächere Konjunktur eine Belastung. Sie will die Wirtschaft mit Steuersenkungen und höheren Sozialausgaben anschieben. Wirtschaftsminister Giovanni Tria rechnet für 2018 mit einem Wachstum von 1,5 Prozent, während die EU-Kommission, der Wirtschaftsverband Confindustria und die heimische Notenbank nur von 1,3 Prozent ausgehen.

Die Daten für Deutschland werden erst am 14. August veröffentlicht. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung sagt ein Plus von 0,5 Prozent voraus, ohne allerdings näher auf die Gründe dafür einzugehen. Zu Jahresbeginn waren es 0,3 Prozent.

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