July 31, 2020 / 9:04 AM / 10 days ago

Inflation im Euro-Raum zieht überraschend an - aber nur leicht

New 100 and 200 euro banknotes are displayed in Vienna, Austria, September 17, 2018. REUTERS/Heinz-Peter Bader

Brüssel/Frankfurt (Reuters) - Die Inflation in der Euro-Zone ist überraschend im Juli leicht gestiegen.

Die Verbraucherpreise zogen um 0,4 Prozent zum Vorjahreszeitraum an, wie die Europäische Statistikbehörde Eurostat am Freitag schätzte. Sie wies in ihrer Mitteilung darauf hin, dass im Juli Maßnahmen im Kampf gegen das Coronavirus weiter aufgehoben wurden. Experten hatten hingegen mit einem Rückgang der Inflationsrate auf 0,2 Prozent gerechnet nach 0,3 Prozent im Juni. Trotz des leichten Anstiegs bleibt die Teuerung aber nach wie vor meilenweit von der Zielmarke der Europäischen Zentralbank (EZB) entfernt.

Die EZB strebt knapp zwei Prozent Inflation als Idealwert für die Konjunktur an, verfehlt dieses Ziel jedoch bereits seit Frühjahr 2013. Vor allem unverarbeitete Lebensmittel verteuerten sich im Juli. Sie kosteten 3,2 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Energie verbilligte sich dagegen deutlich um 8,3 Prozent. Die Preise für Dienstleistungen zogen um 0,9 Prozent an.

Zu dem überraschenden Inflationsanstieg hat aus Sicht von LBBW-Chefvolkswirt Uwe Burkert unter anderem die Tourismusbranche beigetragen. “Normalerweise gibt es in dieser Sommerphase die Last-Minute-Angebote, die immer Druck auf die Preise ausüben. Dieses Jahr ist da praktisch gar nichts.” Der ausbleibende Effekt habe zu Verzerrungen geführt.

Während die Preise im Juli gemäß der für den europäischen Vergleich üblichen Berechnungsweise (HVPI) in Deutschland auf demselben Niveau wie im Vorjahr verharrten, fielen sie in einigen Euro-Staaten sogar. In Spanien etwa sanken sie um 0,7 Prozent, in Griechenland sogar um 1,9 Prozent. In Frankreich und Italien stieg die Teuerungsrate dagegen jeweils auf 0,9 Prozent.

Aus Sicht von Alexander Krüger, Chefvolkswirt beim Bankhaus Lampe stehen für die Euro-Zone die Zeichen aber dennoch auf sinkende Verbraucherpreise. “Vor allem die coronabedingt höhere Arbeitslosigkeit wird das Lohnwachstum weiter dämpfen.” Auch die In- und Auslandsnachfrage werde zunächst wohl schwach bleiben. “Trotz der äußerst expansiven EZB-Geldpolitik ist die Gefahr für Deflation höher als für Inflation”, meint der Experte. Unter einer Deflation verstehen Volkswirte eine gefährliche Abwärtsspirale aus fallenden Preisen, sinkenden Investitionen und Löhnen.

Da wegen der Corona-Krise die Energiepreise weiter gefallen sind und auch die vorübergehende Mehrwertsteuersenkung in Deutschland inflationsdämpfend wirkt, haben sich die Währungshüter bereits darauf eingestellt, dass die Teuerung vorerst auf dem Rückmarsch bleibt und wohl erst Anfang 2021 anziehen wird. Experten der EZB-Geldpolitik rechnen für dieses Jahr lediglich mit einer Inflation von 0,4 Prozent. Für 2021 erwarten sie dann einen Anstieg auf 1,0 Prozent.[nL5N2EO1YX]

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