April 9, 2013 / 10:39 AM / 7 years ago

Euro-Krise drückt deutsche Exporte ins Minus

Berlin (Reuters) - Die Euro-Krise und eine schlappe Weltwirtschaft machen den deutschen Exporteuren zu schaffen.

Containers are seen at the container terminal "Burchardkai" of the Hamburger Hafen und Logistik AG (HHLA) in the harbour of Hamburg October 17, 2012.

Ihr Umsatz fiel im Februar überraschend um 1,5 Prozent zum Vormonat, teilte das Statistische Bundesamt am Dienstag mit. Ökonomen hatten stabile Einnahmen erwartet, nachdem sie im Januar noch um 1,3 Prozent zugelegt hatten. “Der Jahresauftakt ist sehr rumpelig”, sagte der Außenwirtschaftschef des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Volker Treier. “Das Wahlchaos in Italien und die Zypern-Krise verunsichern weltweit Investoren, was unsere Exporte dämpft.”

Die Importe fielen sogar um 3,8 Prozent und damit zum dritten Mal in den vergangenen vier Monaten. Damit schwindet die Hoffnung, dass Europas größte Volkswirtschaft seinen Nachbarn über stärkere Einfuhren aus der Flaute hilft. “Eine Lokomotive ist die deutsche Wirtschaft für die anderen nicht”, sagte der Europa-Chefvolkswirt von Nordea, Holger Sandte. “Die Hoffnung war, dass die deutsche Binnennachfrage den Krisenländern hilft”, sagte auch Ökonom Christian Schulz von der Berenberg Bank. “Aber diese Rolle spielt Deutschland derzeit nicht.”

SCHIESST SICH DEUTSCHLAND SELBST INS KNIE?

Trotz des Schwächeanfalls sehen Ökonomen die deutsche Wirtschaft nach dem Einbruch Ende 2012 wieder auf Wachstumskurs. Da die Importe noch stärker zurückgingen als die Exporte, dürfte der Außenhandel im ersten Quartal die Konjunktur angeschoben haben. Nordea-Experte Sandte rechnet mit einem kleinen Plus beim Bruttoinlandsprodukt von etwa 0,25 Prozent. “Ein noch schwächeres Wachstum dürfte die Debatte darüber beleben, ob Deutschland sich mit dem Einfordern von Haushaltskonsolidierung selbst ins Knie schießt”, sagte er in Abspielung auf den Sparkurs in Spanien, Italien und Co. Ende 2012 war das Bruttoinlandsprodukt erstmals seit einem Jahr geschrumpft - und das mit 0,6 Prozent gleich so stark wie seit dem Höhepunkt der weltweiten Finanzkrise Anfang 2009 nicht mehr.

Die Unternehmen verkauften im Februar Waren im Wert von 88,7 Milliarden Euro ins Ausland und damit 2,8 Prozent weniger als im Februar 2012. Die Ausfuhren in die EU-Staaten fielen um 3,4 Prozent, die in die Euro-Länder sogar um 4,1 Prozent. Die Exporte in den Rest der Welt gingen ebenfalls zurück, wenn auch mit 1,9 Prozent weniger stark.

“SIGNIFIKANTE ERHOLUNG ERWARTET”

“Die Lage der deutschen Exporteure bleibt angespannt”, sagte auch Berenberg-Ökonom Schulz. “Die Euro-Zone steckt in der Rezession, das dürfte die Nachfrage nach deutschen Produkten noch einige Zeit dämpfen.” Die Geschäfte mit den USA und China liefen zwar besser, aber temporäre Schwächeperioden dort würden umso stärker ins Gewicht fallen.

Allerdings ist Besserung in Sicht: Die exportabhängige Industrie zog im Februar 2,2 Prozent mehr Auslandsaufträge an Land, wobei auch die Nachfrage aus der Euro-Zone anzog. “Spätestens im zweiten Halbjahr erwarten die Unternehmen eine signifikante Erholung”, sagte DIHK-Experte Treier, dessen Haus regelmäßig mehr als 25.000 Unternehmen befragt. “Wir rechnen deshalb für 2013 mit einem Exportwachstum von vier Prozent.”

INDUSTRIEUMSATZ IM PLUS

Trotz des schwachen Geschäfts im Inland hat die deutsche Industrie im Februar ihren Umsatz gesteigert. Die Betriebe des Verarbeitenden Gewerbes erlösten 0,5 Prozent mehr als im Vormonat. Im Januar hatte es ein Minus von 0,4 Prozent gegeben. Für das Plus sorgte ausschließlich die Exportnachfrage: Der Inlandsumsatz sank um 0,3 Prozent, während das Auslandsgeschäft um 1,3 Prozent zulegte. Der Umsatz mit Handelspartnern aus dem rezessionsgeplagten Währungsraum stieg den zweiten Monat in Folge. In den Umsatzdaten der Industrie sind nur Betriebe mit mindestens 50 Beschäftigten berücksichtigt, während in der Exportstatistik auch die Angaben kleinerer Firmen einfließen.

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