April 19, 2016 / 8:07 AM / 3 years ago

Schlag gegen Rechtsextremisten in Sachsen

Berlin (Reuters) - Spezialeinheiten der Polizei haben am Dienstag in Sachsen fünf Rechtsextremisten festgenommen, die mehrere Anschläge auf Flüchtlingsunterkünfte verübt haben sollen.

A city sign is pictured in the town of Freital near Dresden, Germany, April 19, 2016. German police arrested five people near Dresden on Tuesday who they suspected of forming a far-right militant group and preparing attacks on asylum seekers using explosives, the public prosecutor's office said. They are suspected of forming the "Freital Group" last year. The group is named after a town outside Dresden in eastern Germany, where anti-immigrant sentiment runs particularly high. REUTERS/Fabrizio Bensch

Die Bundesanwaltschaft wirft ihnen vor, gemeinsam mit drei weiteren Beschuldigten eine rechtsterroristische Vereinigung in Freital gegründet zu haben. Konkret soll die Gruppe für zwei Anschläge auf Flüchtlingsunterkünfte in Freital sowie auf ein alternatives Wohnprojekt in Dresden verantwortlich sein. Bundesinnenminister Thomas de Maiziere bezeichnete die konzertierte Polizeiaktion als “Erfolg für die Sicherheit in unserem Land”. Nach der Aufdeckung der rechtsterroristischen “Oldschool Society” im vergangenen Jahr zeige sich erneut, dass der Staat konsequent und frühzeitig gegen solche Strukturen und Täter vorgehe.

Bei den Festgenommenen handelt es sich um deutsche Staatsbürger zwischen 18 und 39 Jahren. An der von Generalbundesanwalt Peter Frank angeordneten Razzia, bei der mehrere Räume und Wohnungen in Sachsen durchsucht wurden, waren mehr als 200 Beamte des Bundeskriminalamts, der Bundespolizei sowie der sächsischen Polizei beteiligt, darunter die Spezialeinheit GSG 9.

Schon seit einiger Zeit sitzen die zwei mutmaßlichen Rädelsführer der “Gruppe Freital”, Timo S. und Patrick F., sowie der Deutsche Philipp W. in Untersuchungshaft.

Den insgesamt sieben Männern und einer Frau werden neben der Mitgliedschaft in einer rechtsterroristischen Vereinigung je nach Beteiligung an den einzelnen Anschlägen gefährliche Körperverletzung, Sachbeschädigung, die Herbeiführung von Sprengstoffexplosionen bis hin zu versuchtem Mord vorgeworfen. Für Sprengstoffanschläge auf Asylbewerberunterkünfte sowie auf Wohnprojekte von politisch Andersdenkenden beschaffte sich die Gruppe nach Angaben der Bundesanwaltschaft aus Tschechien “pyrotechnische Sprengkörper” in dreistelliger Zahl.

BRANDSÄTZE VERGANGENES JAHR IN FREITAL UND DRESDEN GEZÜNDET

Patrick F. beging nach Erkenntnissen der Bundesanwaltschaft in der Nacht zum 20. September vergangenen Jahres einen Anschlag mit einem Sprengsatz auf eine Flüchtlingsunterkunft in Freital. Die Bewohner wurden von den Glassplittern des Küchenfensters aber nicht verletzt, da sich niemand von ihnen zu der Zeit in dem Raum aufhielt. In der Nacht zum 19. Oktober griffen den Ermittlungen zufolge sechs der Beschuldigten das Wohnprojekt “Mangelwirtschaft” in Dresden mit Steinen und Sprengsätzen an. Ein Sprengsatz explodierte in der Küche des Hauses.

In der Nacht zum 1. November verübten wiederum sechs der mutmaßlichen Mitglieder der Gruppe erneut einen Anschlag auf eine Asylunterkunft in Freital. Dabei sollen sie Sprengkörper an drei Fensterscheiben des Gebäudes gezündet haben. Einer der Bewohner erlitt durch Glassplitter Schnittwunden im Gesicht. Die übrigen Bewohner konnten sich im Flur in Sicherheit bringen, wodurch schwere oder gar tödliche Verletzungen hätten vermieden werden können.

Vermutet wird, dass weitere Attacken auf das Konto der Gruppe gehen. “In welchem Umfang der rechtsterroristischen Vereinigung noch weitere Anschläge zuzurechnen sind, bleibt den weiteren Ermittlungen vorbehalten”, sagte die Sprecherin der Bundesanwaltschaft, Frauke Köhler.

In diesem Jahr wurden nach Angaben des Innenministeriums bereits 337 Übergriffe gegen Asylunterkünfte registriert, darunter 66 Gewaltdelikte.

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