September 28, 2017 / 1:53 PM / 2 months ago

Zukunft des EZB-Anleiheprogramms bleibt in der Schwebe

Berlin/Paris (Reuters) - Die EZB lässt sich angesichts einer internen Kontroverse über die Zukunft ihres billionenschweren Anleihenprogramms nicht in die Karten blicken.

European Central Bank (ECB) President Mario Draghi and Vice President Vitor Constancio (L) address a news conference at the ECB headquarters in Frankfurt, Germany July 20, 2017. REUTERS/Ralph Orlowski

“Wir reden über eine Neujustierung unserer Maßnahmen. Ich spreche hier nicht über einen Ausstieg und will der Entscheidung des Rats nicht vorgreifen”, sagte EZB-Chefvolkswirt Peter Praet am Donnerstag in Berlin. Wie Reuters von Insidern erfuhr, gibt es im Rat eine Debatte über das weitere Vorgehen. Einige Währungshüter pochen angesichts des Aufschwungs darauf, ein Enddatum für das Programm festzuzurren. Andere wollen sich nur auf einen geringeren Umfang der monatlichen Käufe festlegen, das Ende aber offenlassen. Die führenden deutschen Forschungsinstitute erwarten, dass die EZB die Käufe 2018 binnen neun Monaten auslaufen lassen wird.

Derzeit erwerben die EZB und die nationalen Notenbanken Monat für Monat Papiere im Volumen von 60 Milliarden Euro. Den bisherigen Planungen zufolge soll das auf 2,3 Billionen Euro angelegte Programm bis Ende des Jahres laufen. Der Euro-Notenbank bleibt somit nur noch relativ wenig Zeit, um zu beschließen, was danach passieren soll. EZB-Chef Mario Draghi hat für Oktober eine Weichenstellung signalisiert. Die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute sehen die niedrige Inflation als Grund, warum sich die EZB länger Zeit lassen dürfte mit dem Ausstieg als noch vor wenigen Monaten erwartet. Diese lag zuletzt im Euro-Raum mit 1,5 Prozent noch deutlich unter der von der EZB angestrebten Marke von knapp zwei Prozent. In Deutschland ist sie mit 1,8 Prozent im September allerdings weit näher an diesem Zielwert.

Der französische Notenbankchef Francois Villeroy de Galhau plädiert dafür, das Tempo der Anleihenkäufe zurückzufahren. “Zugleich sollten wir unsere Geldpolitik insgesamt weiterhin deutlich konjunkturstimulierend ausrichten”, betonte Villeroy. Sein irischer Kollege Philip Lane hatte jüngst laut über eine Neuauflage zielgerichteter langfristiger Kreditgeschäfte nachgedacht, die im Fachjargon als TLTROs bekannt sind. Die vorerst letzte große Geldspritze dieser Art hatte die EZB im März aufgezogen.

DEBATTE KREIST UM VORSICHT

Laut Praet ist sich der Rat bewusst, dass er bei einer Normalisierung der Geldpolitik “umsichtig” vorgehen muss. “Wie vorsichtig wir vorgehen sollen, darum kreist die Debatte im EZB-Rat”, betonte der EZB-Chefvolkswirt. Es besteht aus seiner Sicht generell die Gefahr, dass die Märkte auf die Kommunikation der EZB “überreagieren” könnten. Falls die Normalisierung im Einklang mit der fortschreitenden wirtschaftlichen Erholung vollzogen werde, sollte diese seiner Ansicht nach jedoch keinen “speziellen Schock für die Wirtschaft” auslösen. Die Notenbank habe all ihre Munition eingesetzt, um die Lage zu stabilisieren und sehe nun die Erfolge in der konjunkturellen Entwicklung im Euro-Raum. “Es läuft sehr viel besser. Und das ist sehr ermutigend.”

Diese Einschätzung wird auch durch jüngste Daten bestätigt: Die Stimmung in der Wirtschaft der Euro-Zone ist so gut wie seit mehr als zehn Jahren nicht mehr. Das Barometer stieg im September überraschend kräftig um 1,1 auf 113,0 Punkte, wie die EU-Kommission mitteilte. Dienstleister und Industrie zeigten sich optimistischer, ebenso Verbraucher und Einzelhändler. Lediglich bei den Finanzdienstleistern nahm die Zuversicht ab.

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