March 12, 2018 / 11:46 AM / 7 months ago

INTERVIEW-Belgiens Notenbank-Chef gegen niedrigeres Inflationsziel

Frankfurt (Reuters) - Die EZB hat aus Sicht des belgischen Notenbankchefs Jan Smets möglicherweise noch länger mit einer aus ihrer Sicht unerwünscht niedrigen Inflation zu kämpfen.

FILE PHOTO - Belgian central bank governor Jan Smets answers a reporter's question during an interview with Reuters in Brussels, Belgium, May 11, 2016. REUTERS/Francois Lenoir

Es komme aber nicht infrage, dass die EZB ihr Ziel einer Teuerung von knapp unter zwei Prozent aufgebe, sagte das EZB-Ratsmitglied im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Reuters. “Es ist absolut entscheidend, dass wir unser Preisstabilitätsziel erreichen und kein Niveau darunter akzeptieren.” Ansonsten würde die Euro-Notenbank ihre Fähigkeit einschränken, in der Zukunft Rezessionen zu bekämpfen, da ihr Handlungsspielraum sinke.

Die Europäische Zentralbank (EZB) strebt knapp zwei Prozent Inflation als Idealwert an. Denn damit besteht ein Sicherheitspuffer zu einer gefährlichen Preisspirale nach unten, gegen die mit geldpolitischen Mitteln nur schwer anzukommen ist. Trotz einer inzwischen rund laufenden Konjunktur lag im Februar die Teuerung im Währungsraum aber nur bei 1,2 Prozent. “Es wird etwas länger dauern, zu unserem Ziel zu gelangen, als wir zuvor dachten”, sagte Smets. Wegen struktureller Reformen könnte das Produktionspotenzial der Wirtschaft inzwischen größer geworden sein. Daher gebe es womöglich immer noch einen Aufholprozess. “Es bedarf womöglich mehr Zeit, bis sich Inflationsdruck aufbaut.”

Die EZB hatte am Donnerstag auf ihrer Zinssitzung nur einen Minischritt in Richtung einer weniger expansiven Geldpolitik gewagt. Die Währungshüter strichen die Option aus ihrem Ausblick, nötigenfalls die inzwischen auf 2,55 Billionen Euro angelegten Anleihenkäufe erneut auszuweiten. Die meisten Ökonomen gehen derzeit davon aus, dass die Euro-Wächter die bislang bis mindestens Ende September geplanten Transaktionen bis Jahresende nach einer kurzen Auslaufphase komplett einstellen.

Ein plötzliches Ende des Kaufprogramms hält auch Smets für unwahrscheinlich. “Ich denke, es entspricht nur dem gesunden Menschenverstand, dass wir keine Volatilität mit abrupten Schritten auslösen sollten, daher ist etwas Gradualismus wahrscheinlich gerechtfertigt.” Nach Beendigung der Käufe dürfte Experten zufolge die herkömmliche Zinspolitik wieder mehr ins Zentrum der EZB rücken. Dies muss aber in der Kommunikation sorgsam vorbereitet werden.

Bislang stellt die EZB Zinsschritte erst weit nach Ende der Anleihenkäufe in Aussicht. Dabei lässt sie die Bedeutung von “weit nach” bislang offen. Ökonomen halten es für denkbar, dass die EZB dies künftig ändern könnte. Eine Diskussion darüber gab es Smets zufolge aber noch nicht. “Das ist eine von verschiedenen Fragen, mit denen wir uns beschäftigen müssen,” sagte er lediglich. Der Leitzins liegt schon seit März 2016 auf dem Rekordtief von 0,0 Prozent.

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