November 20, 2019 / 9:04 AM / 16 days ago

EZB-Vize warnt vor Risiken für die Finanzstabilität im Euro-Raum

The logo of the European Central Bank (ECB) is pictured outside its headquarters in Frankfurt, Germany, April 26, 2018. REUTERS/Kai Pfaffenbach

Frankfurt (Reuters) - Die EZB warnt angesichts der Konjunkturschwäche und der Aussicht auf eine noch längere Phase ultratiefer Zinsen vor Gefahren für die Stabilität des Finanzsystems im Euro-Raum.

Niedrigzinsen unterstützten zwar die Wirtschaft, sagte EZB-Vizepräsident Luis de Guindos am Mittwoch zur Vorlage des halbjährlichen Stabilitätsberichts. Ein daraus resultierender Anstieg der Risikobereitschaft könne aber mittelfristig Probleme für die Finanzstabilität schaffen. Die Behörden müssten mit allen Mitteln gegen den Aufbau solcher Schwachstellen vorgehen. In Deutschland müssen die Banken bereits mehr Vorsorge für Risiken treffen. Im Juli wurde der sogenannte antizyklische Kapitalpuffer von 0,25 Prozent eingeführt.

Es gebe zwei Hauptrisiken. “Unsere Aufmerksamkeit gilt erstens der Situation der Nicht-Banken”, sagte de Guindos. Die Europäische Zentralbank (EZB) treibt um, dass Investmentfonds, Versicherer und Pensionsfonds auf der Jagd nach Rendite riskantere Investments eingegangen sind. Dazu kommt laut de Guindos deren höhere Verschuldung. Bei unerwarteten Kurskorrekturen könne dies Folgen für das gesamte Finanzsystem haben. Ein zweites zentrales Risiko sei die Gewinnschwäche der Banken im Euro-Raum. Deren Ertragsperspektiven hätten sich weiter eingetrübt. Fusionen und Übernahmen seien in dieser Situation zwar sinnvoll. “Das ist aber keine Universallösung für das Problem der schwachen Ertragskraft der europäischen Banken.”

Auch die steigenden Preise für Wohnimmobilien machen der EZB Sorgen. Im Schnitt seien sie im Euro-Raum um mehr als sieben Prozent überbewertet. Dabei gebe es deutliche Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern. Die Bundesbank hält die Preise in deutschen Städten um 15 bis 30 Prozent überbewertet.

HOHE SCHULDENSTÄNDE EINIGER LÄNDER IM BLICK

Die Grünen-Finanzpolitikerin Lisa Paus sagte, der Umgang der Bundesregierung mit den Risiken des Finanzsektors sei leichtfertig. Es sei bedenklich, dass Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern kaum Vorkehrungen treffe. “Gerade für den Immobilienmarkt fehlen hierzulande immer noch die Datengrundlage und die richtigen Instrumente.” Die wenigen, die es gebe, würden nicht eingesetzt.

Banken in Deutschland klagen wegen der Ultratiefzinsen schon seit längerem, dass diese an ihren Gewinnen nagen. De Guindos räumte ein, die Nebeneffekte der Geldpolitik seien inzwischen deutlicher und greifbarer.

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