October 27, 2008 / 2:47 PM / 11 years ago

EZB: Finanzkrise drückt Kreditvergabe an Firmen etwas

Frankfurt (Reuters) - Die Finanzkrise belastet mittlerweile auch die Kreditvergabe der Banken an Unternehmen und Haushalte immer mehr.

Das Wachstum der Kreditvergabe an Firmen in der Euro-Zone ging im September auf Jahresbasis auf 12,1 von 12,6 (August) Prozent zurück, wie aus am Montag von der Europäischen Zentralbank (EZB) veröffentlichten Daten hervorgeht. Es liegt damit so niedrig wie seit zwei Jahren nicht mehr. Auch die Kreditvergabe der Banken an die privaten Haushalte gab nach und zwar auf ein Plus von 3,8 Prozent. So niedrig war das Kreditwachstum noch nie seit dem Jahr 2000, als die EZB mit der Datensammlung begann.

Ökonomen erklärten die Wachstumsverlangsamung mit der weltweiten Finanzkrise, deren Spuren immer deutlicher sichtbar würden. Es werde schwieriger für Unternehmen und Haushalte an Geld zu kommen, sagte Volkswirt Aurelio Maccario von der italienischen Unicredit-Bank. “Wenn man davon ausgeht, dass die heute veröffentlichten Daten sich auf den Monat September beziehen und die Eskalation der Bankenkrise aber erst in der zweiten Monatshälfte so richtig los ging, dass sollte man wahrscheinlich argumentieren, dass das Schlimmste noch kommen wird.”

Ob es freilich zu einer ausgewachsenen Kreditklemme in der Euro-Zone kommen wird, darin sind sich die Experten nicht sicher. Commerzbanker Michael Schubert sieht diese Gefahr nicht. “Bisher gibt es noch keine Anzeichen für eine Kreditklemme.” Er führt den Rückgang der Kreditvergabe der Banken eher auf eine niedrigere Nachfrage von Unternehmen und Haushalten zurück als auf Angebotseinschränkungen seitens der Kreditinstitute.

Bemerkenswert ist aus Schuberts Sicht der Rückgang der Kredite an den so genannten privaten Sektor jedoch mit Blick auf die weitere Zinspolitik der EZB. Die Kreditdynamik nähere sich dem Niveau, auf den die EZB in der Vergangenheit die Zinsen senkte. Auch Unicredit-Experte Maccario geht davon aus, dass die Frankfurter Währungshüter ihren Leitzs noch in diesem Jahr um insgesamt einen Prozentpunkt kappen werden. “Bis Mitte kommenden Jahres dürfte der Zins dann nur noch bei zwei Prozent liegen”, glaubt er. Die EZB hatte zuletzt Anfang Oktober den Schlüsselzins gemeinsam mit anderen Zentralbanken in einem überraschenden Schritt um einen halben Prozentpunkt auf 3,75 Prozent gesenkt. Sie entscheidet wieder Anfang November über den Zins für die Refinanzierung der Banken bei der Zentralbank.

Für ihren Beschluss werden die Banker um EZB-Präsident Jean-Claude Trichet auch die jüngsten Entwicklungen der für die Zinspolitik wichtigen Geldmenge M3 analysieren. Deren Wachstum verlangsamte sich im September wie bereits im Vormonat leicht. Im Vergleich zum Vorjahresmonat stieg M3 bereinigt um 8,6 Prozent nach revidierten 8,8 Prozent im August. Analysten hatten im Schnitt mit einer Zunahme von 8,5 Prozent gerechnet. M3 umfasst unter anderem Bargeld, Einlagen auf Girokonten, kurzfristige Geldmarktpapiere sowie Schuldverschreibungen bis zu zwei Jahren Laufzeit.

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