September 13, 2019 / 10:20 AM / in 4 days

Notenbank-Chefs kritisieren neue Konjunkturhilfen der EZB

Klaas Knot, president of De Nederlandsche Bank NV, speaks at the Group of 20 (G-20) high-level seminar on financial innovation "Our Future in the Digital Age" on the sidelines of the G-20 finance ministers and central bank governors meeting in Fukuoka, Japan June 8, 2019. Kiyoshi Ota/Pool via REUTERS

Frankfurt (Reuters) - Einen Tag nach den Beschlüssen der Europäischen Zentralbank (EZB) zu einer weiteren Lockerung der Geldpolitik melden sich die Kritiker unter den Währungshütern zu Wort.

Bundesbank-Präsident Jens Weidann und die Notenbank-Chefs der Niederlande und Österreichs erklärten am Freitag, dass sie die neuen Maßnahmen skeptisch sähen oder gar ablehnten. Weidmann sagte zu “Bild”, wichtig sei für ihn, dass die expansive Geldpolitik wieder zurückgefahren werde, sobald es der Inflationsausblick zulasse. Mit Blick auf EZB-Präsident Mario Draghi fügte Weidmann hinzu: “Aus meiner Sicht ist er damit aber über das Ziel hinausgeschossen.”

Die EZB hatte auf ihrer Zinssitzung am Donnerstag höhere Strafzinsen gekoppelt mit Erleichterungen für Geldhäuser beschlossen. Zudem sollen die vor allem in Deutschland umstrittenen Anleihenkäufe wieder aufgenommen werden. Ab November sollen pro Monat neue Zukäufe im Volumen von 20 Milliarden Euro hinzukommen. Sie sollen erst gestoppt werden, wenn die EZB kurz vor einer Zinserhöhung steht. Draghi begründete die Maßnahmen mit den zunehmend schlechten Konjunkturaussichten. Weidmann sagte dagegen, die wirtschaftliche Lage sei nicht wirklich schlecht. Die EZB habe sich mit den Beschlüssen lange gebunden. “Ich werde mich jedenfalls dafür einsetzen, dass Zinserhöhungen nicht unnötig auf die lange Bank geschoben werden”, sagte er.[nL5N25L0DJ]

KRITIK VOR ALLEM AN ANLEIHENKÄUFEN

Der niederländische Notenbankchef Klaas Knot erklärte, die Maßnahmen, inbesondere der Neustart der Anleihenkäufe, passten nicht zum aktuellen Konjunkturumfeld und es gebe gute Gründe, deren Wirksamkeit zu bezweifeln. Die Wirtschaft im Euro-Raum sei voll ausgelastet, zudem stiegen die Löhne. Die Finanzierungsbedingungen für Verbraucher, Unternehmen und Regierungen seien sehr günstig. Dagegen gibt es Knot zufolge bereits Anzeichen für verzerrte Kurse an den Finanzmärkten und eine überhöhte Risikobereitschaft im Immobilienmarkt. Es gebe weder die Gefahr einer Deflation - einer schwer zu stoppenden Abwärtsspirale aus Preisen, Löhnen und Investitionen - noch gebe es Anzeichen für eine Rezession im gesamten Euro-Raum.

Auch Österreichs Notenbank-Chef Robert Holzmann meldete Zweifel an. Auf die Frage, ob andere und auch er dachten, dass die Beschlüsse vielleicht ein Fehler gewesen seien, sagte er Bloomberg TV: “Ich bin mir sicher, dass diese Idee einigen Leuten durch den Kopf ging. Mir ging sie definitiv durch den Kopf.” Insidern zufolge war EZB-Präsident Draghi mit dem Vorschlag zur erneuten Auflage der Anleihenkäufe in der Zinssitzung auf starke Opposition gestoßen.[nL5N2635ZX]

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