July 4, 2019 / 1:14 PM / 4 months ago

EZB-Notenbanker hält weitere geldpolitische Hilfen für nötig

Governor of the Bank of Finland, Olli Rehn attends a Reuters Newsmaker event in London, Britain, May 29, 2019. REUTERS/Hannah McKay

Frankfurt (Reuters) - Die EZB sollte aus Sicht von Finnlands Notenbankchef Olli Rehn die Wirtschaft mit weiteren Lockerungsschritten unterstützen.

“Wenn wir wirklich unserem Mandat gerecht werden wollen, ist nun weiterer geldpolitischer Stimulus erforderlich, bis es eine Besserung der wirtschaftlichen und der Inflationsaussichten gibt”, sagte das Ratsmitglied der Europäischen Zentralbank (EZB) in einem am Donnerstag veröffentlichten Interview der “Börsen-Zeitung.” Die EZB verfüge über eine Reihe von Instrumenten, die sehr effektiv seien und die als Paket sogar stärkere Effekte hätten als isoliert. Spekulationen auf eine baldige Zinssenkung der EZB haben an der Börse bereits die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe auf ein neues Rekordtief von minus 0,409 Prozent gesenkt.

So könnte aus Sicht von Rehn etwa der Zinsausblick verstärkt werden. “Wir können uns für niedrigere und/oder länger niedrige Leitzinsen entscheiden.” Für den Fall, dass die EZB ihre Zinsen noch weiter ins Negative herabsetze, würden Schritte erwogen, um die Nebenwirkungen abzumildern. “Wir analysieren das aktuell sehr genau.” In der EZB wird schon seit längerem über die Einführung von Staffelzinsen nachgedacht, um die Folgen der Minuszinsen für Banken abzumildern. Ihr Einlagenzins liegt bei minus 0,4 Prozent. Ein negativer Satz bedeutet, dass Banken Strafzinsen zahlen müssen, wenn sie über Nacht bei der Notenbank überschüssige Gelder parken. Geldhäuser in Deutschland klagen seit längerem, dass dies an ihren Gewinnen zehrt.

Aus Sicht von Rehn könnten auch die Anleihenkäufe wieder aufgenommen werden. Dabei gebe es bei den selbstgesetzten Kaufobergrenzen ein gewisses Maß an Flexibilität, sagte er. “Bei den nächsten Sitzungen werden wir die entsprechenden Entscheidungen treffen, um unser mittelfristiges Preisstabilitätsziel zu erreichen.” Die kommenden geldpolitischen Treffen der EZB sind für den 25. Juli und 12. September geplant. Auf die Frage, ob die EZB auch Bankanleihen, Aktien oder börsengehandelte Indexfonds kaufen könnte, antwortete er: “Ich finde es immer sinnvoll, über den Tellerrand zu schauen. Das heißt keineswegs, dass das zu anderen Entscheidungen führt.” Es helfe aber häufig, kreativ zu denken und sich nicht selbst zu sehr zu beschränken.

Sorgen bereitet Rehn, dass es an der Börse und in der Öffentlichkeit Zweifel an der Fähigkeit der EZB gibt, dass sie ihr Inflationsziel von knapp zwei Prozent schafft. Die jüngste Wachstumsabkühlung kann aus seiner Sicht nicht mehr nur als eine temporäre Konjunkturdelle gesehen werden. “Wir erleben eine längere Phase schwächeren Wachstums. Das erfordert weiter ein hohes Maß an geldpolitischem Stimulus.”

Rehn bekräftigte außerdem seinen Vorschlag einer Überprüfung der geldpolitischen Strategie. “Das bislang letzte Mal ist das im Jahr 2003 passiert”, sagte er. In den vergangenen 16 Jahren hätten sich aber das wirtschaftliche Umfeld und die politischen Instrumente sehr stark verändert. Die Nominierung von IWF-Chefin Christine Lagarde als Nachfolgerin von EZB-Präsident Mario Draghi kommentierte er positiv. Er sei sicher, dass ihre breite und fundierte politische Erfahrung und ihre nachgewiesene Führungsrolle im IWF große Vorteile bringen werde, sagte er.

Reporter: Frank Siebelt; redigiert von Scot W. Stevenson; Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an die Redaktionsleitung unter den Telefonnummern 069-7565 1236 oder 030-2888 5168

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