October 16, 2019 / 3:24 PM / a month ago

Debatte um künftige Strategie der EZB gewinnt an Fahrt

FILE PHOTO: The logo of the European Central Bank outside its headquarters in Frankfurt, Germany, April 26, 2018. REUTERS/Kai Pfaffenbach/File Photo

New York (Reuters) - Wenige Wochen vor dem Führungswechsel bei der Europäischen Zentralbank (EZB) werden erste Forderungen nach einer Änderung der geldpolitischen Strategie laut.

Österreichs Notenbankchef Robert Holzmann sprach sich für einen grundlegenden Kurswechsel der EZB unter der künftigen Präsidentin Christine Lagarde aus. “Ich plädiere dafür, zu überprüfen, ob das bisherige Paradigma der EZB noch richtig ist”, sagte Holzmann dem “Handelsblatt” laut Vorabbericht vom Mittwoch. Er sei überzeugt, dass negative Zinsen keine nachhaltige Politik seien. Holzmann fordert zudem mehr Einfluss der nationalen Zentralbanken auf die geldpolitischen Entscheidungen der EZB. “Ich erwarte, dass Lagarde einen Prozess in der EZB startet, der die nationalen Notenbanken stark einbinden wird”, sagte er.

EZB-Chef Mario Draghi scheidet Ende Oktober nach acht Jahren aus dem Amt. Dann soll die Französin Lagarde das Ruder übernehmen. Draghi hatte auf den letzten Metern seiner Amtszeit wegen der schwächelnden Konjunktur noch einmal ganz tief in den Instrumentenkasten gegriffen. Die EZB beschloss ein umfassendes Maßnahmenpaket, das unter anderem eine Zinssenkung, erneute Anleihenkäufe und Erleichterungen für Banken vorsieht. Die Entscheidungen, die zum Teil stark umstritten waren, reichen weit in die Amtszeit von Lagarde hinein.

Holzmann zufolge ist die Führung der EZB derzeit dank günstiger Rahmenbedingungen im Vorteil. “Die Macht der EZB beruht in hohem Maße auf der Fähigkeit, mit ihren vielen Mitarbeitern in Frankfurt viele Papiere zu produzieren”, sagte er. Selbst für mittelgroße Notenbanken sei es unmöglich, alle EZB-Kommissionen personell zu bestücken.

PLÄDOYER FÜR ÜBERPRÜFUNG DES INFLATIONSZIELS

Das österreichische EZB-Ratsmitglied rechnet zudem mit einer Überarbeitung des Inflationsziels. “Die Revision des Inflationsziels wird stattfinden,” sagte er. Die EZB strebt mittelfristig knapp zwei Prozent Teuerung als Optimalwert für die Wirtschaft an, verfehlt dieses Ziel aber bereits seit Jahren. Der niederländische Notenbankchef Klaas Knot sprach sich dafür aus, der EZB hier mehr Spielraum einzuräumen. Experten rechnen damit, dass die Notenbank unter Lagarde ihr Inflationsziel überarbeiten wird.

Aus Sicht von Knot könnte die EZB mehr Handlungsspielraum erhalten, wenn Abweichungen vom Inflationsziel innerhalb eines bestimmten Rahmens nach oben wie nach unten zugelassen würden. Er sprach von einem “symmetrischen Band” um den Zielwert. Damit ließe sich besser auf von außen kommende wirtschaftliche Schocks reagieren, die die Euro-Zone erschüttern, sagte er auf einer Veranstaltung in New York. Knot tritt üblicherweise für eine straffere geldpolitische Ausrichtung ein.

Finnlands Notenbank-Chef Olli Rehn hatte sich bereits vor einigen Monaten für eine Reform der geldpolitischen Strategie starkgemacht. Die EZB hatte die letzte größere Überarbeitung ihres Inflationsziels im Jahr 2003 vorgenommen. An der Börse wird inzwischen zunehmend bezweifelt, dass die Zentralbank die aktuelle Vorgabe mittelfristig erreichen kann.

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