November 28, 2013 / 1:37 PM / 6 years ago

Kredite fließen trotz EZB-Niedrigzins immer spärlicher

Frankfurt/Berlin (Reuters) - Trotz der Niedrigzinspolitik der EZB fließen die Kredite im Euroraum immer spärlicher.

Die Banken fuhren ihre Darlehen an Firmen und Privathaushalte im Oktober noch stärker zurück als im September. In der Summe schrumpfte die Kreditvergabe um 2,1 Prozent zum Vorjahresmonat, wie die Europäische Zentralbank (EZB) am Donnerstag in Frankfurt mitteilte. Die Daten dürften der EZB vor ihrer Zinssitzung nächste Woche Kopfzerbrechen bereiten, da die Darlehen an Unternehmen noch stärker schrumpften als im Vormonat. Im Kampf gegen die im Süden der Euro-Zone vorherrschende Kreditklemme könnte die EZB in den kommenden Monaten versuchen, die Darlehensvergabe mit einer neuen Mega-Geldspritze für die Banken anzuregen.

Die Geldhäuser verliehen im Oktober 14 Milliarden und im September elf Milliarden Euro weniger an Firmen als im jeweiligen Vormonat. Dies wird womöglich bald die Zentralbank auf den Plan rufen, wie Ökonomen vermuten. “Die Daten nähren die Spekulationen, dass die EZB weitere nicht-konventionelle Maßnahmen zur Stimulierung der Kreditvergabe ergreifen könnte”, sagt Johannes Mayr von der BayernLB. Vorbild könnte das sogenannte ‘Funding for Lending Programme’ (FLS) der Bank of England (BoE) sein, bei dem der Zugang zu günstiger Notenbankliquidität an die Kreditvergabe gekoppelt wird. Die EZB hatte um die Jahreswende 2012 in zwei Tranchen rund eine Billion Euro in das Banken-System gepumpt, um die schwächelnde Wirtschaft in der Euro-Zone in Schwung zu bringen. Dabei verzichtete die EZB allerdings auf eine Zweckbindung. Viele Banken in der Euro-Zone haben das auf drei Jahre zum Leitzins geliehene Geld denn auch nicht an Unternehmen weitergegeben, sondern gehortet oder in Staatsanleihen investiert.

Experten haben Zweifel, ob sich dieses Sicherheitsdenken durch eine zweckgebundene Kreditvergabe ändern lässt. Auch die BoE muss nun umsteuern: Das FLS-Programm wurde sehr stark für die Hypothekenvergabe genutzt, so dass die Häuserpreise kräftig anzogen. Nun soll das billige Zentralbankgeld ab 2014 nur dafür genutzt werden, die Kreditvergabe an Mittelständler anzukurbeln. Die britische Konjunktur hat zuletzt Fahrt aufgenommen, während die Wirtschaft in der Euro-Zone vor sich hindümpelte.

WIRTSCHAFTSSTIMMUNG IM EURO-RAUM HELLT SICH WEITER AUF

“Ohne eine Trendwende bei der Kreditvergabe ist eine durchgreifende konjunkturelle Besserung kaum möglich”, meint Ökonom Heinrich Bayer von der Postbank. Immerhin hat sich zuletzt die Stimmung im Euroraum weiter aufgehellt, wie die EU-Kommission mitteilte. Das entsprechende Barometer stieg um 0,8 auf 98,5 Punkte. Der Aufwärtstrend erfasste die Industrie, die Dienstleister und Einzelhändler. Bei den Verbrauchern und am Bau trübte sich die Stimmung hingegen leicht ein.

Angesichts der mauen Erholung und der weit unter den Zielwert der EZB gesunkenen Inflationsrate schließt die Zentralbank eine weitere Kappung des Leitzinses von 0,25 Prozent nicht aus. Mehrere Notenbanker haben vor der am kommenden Donnerstag anstehenden Zinssitzung betont, die EZB habe ihr Pulver nicht verschossen. Auch über einen negativen Einlagezins für überschüssiges Geld der Banken ist im EZB-Rat diskutiert worden. Mit einem solchen Strafzins könnten die Hüter des Euro die Banken dazu anregen, ihr überschüssiges Geld in die Kreditvergabe zu stecken statt es bei der EZB zu parken. Kritiker befürchten jedoch, dass die Geldhäuser die Kosten auf ihre Kunden abwälzen.

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