November 29, 2014 / 3:13 PM / 5 years ago

EZB-Direktorin tritt bei Geldpolitik auf die Bremse

European Central Bank (ECB) executive board member Sabine Lautenschlaeger attends at a news conference at the ECB in Frankfurt October 26, 2014. REUTERS/Ralph Orlowski

Berlin (Reuters) - EZB-Direktorin Sabine Lautenschläger sieht trotz der zuletzt weiter zurückgegangenen Teuerung in der Euro-Zone für eine zusätzliche Lockerung der Geldpolitik wenig Bedarf.

“Nach jetziger Lage liegt für mich die Hürde für weitere Maßnahmen sehr hoch, zumal für großangelegte Kaufprogramme”, sagte die deutsche Vertreterin im Führungsteam der Europäischen Zentralbank kurz vor der nächsten Entscheidung des EZB-Rats über den Kurs der Geldpolitik am kommenden Donnerstag. “Die Abwägung von Kosten und Nutzen, von Chancen und Risiken eines Programms großangelegter Staatsanleihekäufe fällt für mich derzeit nicht positiv aus.”

Lautenschläger machte am Samstag in Berlin klar, dass sie angesichts der rekordniedrigen Zinsen und der unkonventionellen Maßnahmen der EZB kaum noch Spielraum für die Geldpolitik sieht, die Konjunktur zu beleben. Außerdem sei das Risiko von schädlichen Verzerrungen an den Finanzmärkten nicht von der Hand zu weisen.

Entscheidend sei bei allen ergriffenen Maßnahmen - Geldspritzen für die Banken und der Kauf von Pfandriefen und Kreditverbriefungen - und möglichen künftigen Kaufprogrammen die Wirksamkeit für die Realwirtschaft und die Preisentwicklung. Geldpolitische Innovation sei deshalb zwar kein Tabu. “Sie darf aber auch kein Selbstzweck sein”, sagte die frühere Vizepräsidentin der Bundesbank auf dem Wirtschaftsforum der “Süddeutschen Zeitung” in der Hauptstadt. Vor dem Einsatz weiterer Instrumente sollte man erst die Wirkung der beschlossenen Schritte abwarten. Als denkbaren Zeitraum für dieses Warten nannte Lautenschläger einen Zeitraum von “allemal drei, vier, fünf Monaten”.

EZB-Präsident Mario Draghi und sein Stellvertreter Vitor Constancio hatten zuletzt die Tür für geldpolitische Lockerungen über weitere Wertpapierkäufe - auch von Staatsanleihen - der Notenbank weit aufgemacht. Ein solches Vorgehen wird in Deutschland extrem kritisch gesehen, unter anderem von der Bundesbank. Laut Constancio könnte eine Grundsatzentscheidung für oder gegen einen solchen Schritt im ersten Quartal 2015 fallen.

Über massenhafte Wertpapierkäufe versucht eine Zentralbank, Geld in die Wirtschaft zu pumpen und künstlich Inflation zu erzeugen, damit sich keine Abwärtsspirale aus fallenden Preisen, sinkendem Konsum und nachlassenden Investitionen der Unternehmen in Gang setzt. Zuletzt sank die Teuerung in den 18 Euro-Ländern auf 0,3 Prozent. Die EZB peilt eine Inflationsrate von knapp unter zwei Prozent an.

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