November 21, 2019 / 12:57 PM / 16 days ago

EZB-Währungshüter mahnen nach jüngstem Streit Geschlossenheit an

European Central Bank (ECB) headquarters building is seen in Frankfurt, Germany, March 7, 2018. REUTERS/Ralph Orlowski

Frankfurt (Reuters) - Die Währungshüter der Europäischen Zentralbank (EZB) wollen nach dem internen Streit über das jüngste Stützungspaket für die Wirtschaft wieder stärker auf Geschlossenheit achten.

Auf ihrer Zinssitzung im Oktober wurde nachdrücklich zur Einigkeit des EZB-Rats aufgerufen, wie aus dem Protokoll des Treffens am 24. Oktober hervorgeht, das die EZB am Donnerstag veröffentlichte. Zwar unterstrichen die Euro-Wächter dort, dass eine offene Debatte notwendig und legitim sei. Zugleich sei es wichtig, sich vereint hinter die Verpflichtung des EZB-Rats zu stellen, die Inflation im Währungsraum in Richtung der Zielmarke von knapp zwei Prozent zu bewegen.

Die EZB hatte im September wegen der Konjunkturschwäche ein großes geldpolitisches Maßnahmenpaket zur Stützung der Wirtschaft beschlossen. Es umfasste eine Verschärfung der Strafzinsen in Kombination mit Erleichterungen für Banken sowie die Wiederaufnahme der billionschweren Anleihenkäufe. Allerdings scherte rund ein Drittel der Euro-Wächter aus und war gegen den Neustart der Käufe. Der Streit überschattete das Ende der Amtszeit von Mario Draghi als EZB-Präsident. Seit November leitet die ehemalige Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde, die EZB. Sie hatte angekündigt, den Zwist über die jüngsten Lockerungsschritte überwinden zu wollen. Um die Wogen zu glätten, hatte sie die Währungshüter der 19 Euro-Länder und die Mitglieder des Direktoriums unlängst zu einem privaten Treffen außerhalb der EZB-Zentrale eingeladen.

AUFRUF ZUR GEDULD

Auf der Zinssitzung im Oktober äußerten sich die Euro-Wächter außerdem besorgt, dass die derzeitige Konjunkturschwäche länger dauern könnte als bislang gedacht. Es gebe noch keine Anzeichen für eine Beschleunigung des Wachstums, wie es die eigenen Prognosen vom September noch unterstellten, hieß es. Zudem gebe es Befürchtungen, dass die negativen Entwicklungen in der Industrie und bei den Exporten auch auf den Dienstleistungssektor ausstrahlen könnten. Zugleich waren die Ratsmitglieder der Ansicht, dass dem beschlossenen geldpolitischen Lockerungspaket Zeit gegeben werden sollte, seine volle Wirkung zu entfalten. Dabei sei zur Geduld aufgerufen worden.

Aus Sicht von Christian Reicherter, Zinsexperte der DZ Bank, sehen sich die Ratsvertreter in ihrem Beschluss bestätigt, ihren Geldhahn noch stärker aufgedreht zu haben. Zugleich wachse aber die Erkenntnis, dass ihr Kurs auch Risiken berge. “Vor diesem Hintergrund rechnen wir bis auf weiteres mit einer abwartenden Haltung der Notenbank”, so der Experte.

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