August 8, 2019 / 8:18 AM / 17 days ago

Banken könnten bei Strafzins-Ausnahmen bis zu 6,6 Mrd einsparen

FILE PHOTO: The skyline with its financial district is photographed early evening in Frankfurt, Germany, October 8, 2018. REUTERS/Kai Pfaffenbach/File Photo GLOBAL BUSINESS WEEK AHEAD

Frankfurt (Reuters) - Geldhäusern im Euro-Raum winken Erleichterungen in Milliardenhöhe, sollte die Europäische Zentralbank (EZB) Ausnahmen von ihren seit 2014 geltenden Strafzinsen beschließen.

Nach Berechnungen der Nachrichtenagentur Reuters könnten die Institute im Euro-Raum 4,4 bis 6,6 Milliarden Euro einsparen, sollten ihnen die Währungshüter mit einem System gestaffelter Zinsen entgegen kommen. Im Norden des Euro-Raums, wo aufgrund einer hohen Überschussliquidität Strafzinsen besonders gespürt werden, klagen Geldhäuser seit längerem, dass dies an ihren Erträgen nagt. In Ländern wie der Schweiz oder in Japan haben Notenbanken Staffelsysteme aufgelegt, um den Instituten entgegenzukommen.

Die EZB hat ihren sogenannten Einlagensatz erstmals 2014 auf unter Null Prozent gesetzt. Ein Minus-Vorzeichen bedeutet, dass Banken Zinsen zahlen müssen, wenn sie überschüssige Gelder bei der Notenbank parken. Die Idee dahinter: Statt überschüssige Liquidität zu horten sollen Institute dazu bewegt werden, mehr Kredite an die Wirtschaft auszureichen. Aktuell liegt der Satz bei minus 0,4 Prozent. Die deutschen Privatbanken hatten vor einigen Monaten vorgerechnet, dass die Einführung eines Staffelsystems zur Abmilderung der Folgen hier zu Lande zu einer Entlastung von rund 2,3 Milliarden Euro führen könnte.

Wegen der eskalierenden US-Handelskonflikte und trüber Konjunkturaussichten stehen bei der EZB aktuell die Vorzeichen auf eine weitere Herabsenkung des Einlagensatzes. An der Börse wird damit gerechnet, dass er bis Jahresende bei minus 0,6 Prozent liegen wird. Für die Geldhäuser würde das zusätzliche Belastungen bedeuten. EZB-Chef Mario Draghi hatte für den Fall weiterer Zinssenkungen allerdings “abmildernde Maßnahmen” in Aussicht gestellt. Darunter wird allgemein ein abgestuftes System verstanden, so dass Banken nicht auf alle geparkten Gelder den vollen Satz zahlen müssen.

“Die Einführung eines gestaffelten Zinses könnte den Schlag abfedern, vor allem für Banken mit erheblicher Überschussliquidität”, sagt Marco Troiano, Direktor bei der Ratingagentur Scope. Aktuell zahlen Banken im Euro-Raum im Jahr oberhalb der von ihnen geforderten Mindestreserve etwa sieben Milliarden Euro auf bei der EZB geparkte Gelder. Dies würde nach Reuters-Berechnungen, denen Daten bis Ende Juni zugrundeliegen, auf 8,8 Milliarden Euro klettern, sollte der Einlagensatz auf minus 0,5 Prozent gesenkt werden.

In der Schweiz gewährt die Notenbank Geldhäusern einen Freibetrag, der dem 20-fachen des jeweiligen Mindestreservesolls der Institute entspricht. Würde die EZB Freibeträge bis zum zehnfachen der Mindestreserve garantieren, würden Banken im Vergleich zu heute den Berechnungen zufolge 5,3 Milliarden Euro pro Jahr einsparen. Im Vergleich zu einem ungestaffelten Strafzinsen von minus 0,5 Prozent wären dies sogar 6,6 Milliarden Euro. Alternativ könnten die Währungshüter einen Teil der Überschussreserven von Banken von den Strafzinsen ausnehmen. Dies würde dem japanischen Modell ähneln. Bei der Hälfte angesetzt lägen die Erleichterungen im Vergleich zur jetzigen Situation bei etwa 2,6 Milliarden Euro - auf alle Überschussreserven angewendet bei 4,4 Milliarden Euro.

Die Ausgestaltung solcher Systeme für den Euro-Raum ist laut Experten aber schwierig. Banken, die in einem Staffelsystem noch Spielräume haben, könnten dies für Arbitrage-Geschäfte ausnutzen. Sie könnten dann etwa überschüssige Gelder bei der EZB ohne Kosten parken statt sie an andere Banken zum negativen Einlagensatz zu verleihen. In einem solchen Fall würden womöglich die Finanzierungskosten im Interbanken-Markt steigen. Eines der geldpolitischen Hauptziele der Notenbank - die Sicherstellung günstiger Finanzierungsbedingungen - würde damit aber untergraben.

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