October 24, 2019 / 12:00 PM / a month ago

EZB wird auch unter Lagarde an Mini-Zinsen festhalten

A logo plate is seen at the entrance to the European Central Bank (ECB) headquarters in Frankfurt, Germany, October 26, 2017. REUTERS/Kai Pfaffenbach

Frankfurt (Reuters) - Die EZB wird auch unter der künftigen Präsidentin Christine Lagarde die Geldschleusen wegen der anhaltenden Konjunkturschwäche im Euro-Raum weit offenhalten.

Die Zinsen würden noch solange auf dem derzeitigen Niveau oder tiefer liegen, bis sich die Inflationsaussichten wieder deutlich der Marke von knapp zwei Prozent annäherten, teilten die Währungshüter um ihren scheidenden Notenbank-Chef Mario Draghi am Donnerstag nach der Zinssitzung in Frankfurt mit. Eine geldpolitische Wende, wie sie vor allem in Deutschland häufig gefordert wird, wird es damit vorerst nicht geben. Für Draghi war es nach acht Jahren die letzte Zinssitzung. Ab November übernimmt die ehemalige Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Lagarde, das Ruder bei der EZB.

“Man darf gespannt sein, wie Draghis Amtszeit historisch bewertet wird – über die Nachhaltigkeit seines geldpolitischen Erbes kann man sicherlich trefflich streiten”, sagte Otmar Lang, Chefvolkswirt der Targobank. “Klar ist auf jeden Fall, dass er den Handlungsspielraum seiner Nachfolgerin maximal eng gestaltet hat.” Die Konjunkturaussichten für den Euro-Raum haben sich in den vergangen Monaten merklich eingetrübt. Vor allem die exportabhängige deutsche Industrie schwächelt. Die Inflationsrate war in der Währungsgemeinschaft zuletzt auf 0,8 Prozent gesunken. Damit liegt das Inflationsziel der Währungshüter von knapp unter zwei Prozent weit entfernt. Die EZB hatte letztmalig im Jahr 2011 ihre Zinsen erhöht. Draghi ist damit der bislang einzige Präsident, in dessen Amtszeit die Notenbank kein einziges Mal ihre Zinsen angehoben hat.

Am Zinsniveau änderten die Währungshüter am Donnerstag nichts. Der Schlüsselsatz zur Versorgung der Geschäftsbanken mit Geld liegt bereits seit März 2016 bei 0,0 Prozent. Zudem müssen Banken Strafzinsen zahlen wenn sie bei der EZB überschüssige Gelder parken. Aktuell liegt der sogenannte Einlagensatz bei minus 0,5 Prozent. Zudem bekräftigte die EZB, ihre Anleihenkäufe ab November wiederaufzunehmen. Je Monat sollen Wertpapiere im Umfang von 20 Milliarden Euro erworben werden. Ein konkretes Enddatum für die Transaktionen nannte die Notenbank erneut nicht. Sie sollen erst dann beendet werden, wenn die EZB kurz vor einer Zinserhöhung steht. Bis Ende 2018 wurden bereits Staatsanleihen und andere Wertpapiere im Volumen von 2,6 Billionen Euro erworben. Die Käufe sind insbesondere in Deutschland umstritten. Die Einnahmen aus fällig werdenden Titeln wollen die Euro-Wächter auch nach einer Erhöhung der Leitzinsen noch für längere Zeit in Anleihen reinvestieren.

0 : 0
  • narrow-browser-and-phone
  • medium-browser-and-portrait-tablet
  • landscape-tablet
  • medium-wide-browser
  • wide-browser-and-larger
  • medium-browser-and-landscape-tablet
  • medium-wide-browser-and-larger
  • above-phone
  • portrait-tablet-and-above
  • above-portrait-tablet
  • landscape-tablet-and-above
  • landscape-tablet-and-medium-wide-browser
  • portrait-tablet-and-below
  • landscape-tablet-and-below