March 7, 2019 / 9:02 AM / 16 days ago

EZB bringt neue Geldspritzen auf den Weg und verschiebt Zinswende

FILE PHOTO: The logo of the European Central Bank (ECB) is pictured outside its headquarters in Frankfurt, Germany, April 26, 2018. REUTERS/Kai Pfaffenbach/File Photo

Frankfurt/Berlin (Reuters) - Die Europäische Zentralbank (EZB) stemmt sich mit neuen großen Geldspritzen für Geschäftsbanken gegen einen Abschwung im Euro-Raum und verschiebt die Zinswende bis mindestens zum Jahresende.

Die neuen Geldspritzen sollen eine Laufzeit von zwei Jahren haben und ab September 2019 ausgegeben werde, teilte die EZB am Donnerstag nach ihrer Ratssitzung in Frankfurt mit. Davon dürften vor allem Banken im rezessionsgeplagten Italien profitieren, die bei vorangegangenen Darlehen dieser Art stark zugegriffen hatten. Die Währungshüter betonten zudem, ihre Leitzinsen noch bis mindestens zum Jahresende nicht antasten zu wollen - bislang galt dies bis zum Ende des Sommers. Der Schlüsselsatz zur Versorgung der Institute mit Geld liegt seit März 2016 auf dem Rekordtief von 0,0 Prozent.

Die Ankündigung zeigt, wie besorgt die EZB über die aktuelle Konjunkturabschwächung im Euro-Raum ist. Die jüngsten Wirtschaftsdaten waren hinter den Erwartungen der Notenbank zurückgeblieben. Zudem trüben die Handelskonflikte der USA und der nahende Brexit die Wirtschaftsperspektiven ein. EZB-Chefvolkswirt Peter Praet hatte zuletzt befürchtet, Institute könnten ihre Kreditvergabe wegen der Wachstumsverlangsamung drosseln - was die Wirtschaft zusätzlich bremsen würde.

Die Bekanntgabe eines neuen Kreditprogramms für europäische Banken komme früher und ist deutlich expansiver als erwartet werden konnte, kommentierte DIW-Präsident Marcel Fratzscher die Beschlüsse. “Größe und Laufzeit dieses neuen Kreditprogramms signalisieren wohl auch die Sorge der EZB über die Abkühlung und die stark zunehmenden Risiken für die Wirtschaft der Eurozone.” Die Vergabe bis März 2021 mit einer zweijährigen Laufzeit werde es den Banken deutlich erleichtern, ihre Kreditvergabe fortzusetzen und auszubauen.

Eine erste Serie solcher Geldspritzen, die im Fachjargon “TLTRO” genannt werden, hatte die Notenbank im Juni 2014 beschlossen, eine zweite dann im März 2016. Banken in Italien, Spanien und Frankreich griffen verstärkt zu: Auf italienische Geldhäuser entfielen zuletzt noch ausstehende Langfristkredite in Höhe von annähernd 240 Milliarden Euro. Sie waren jeweils so gestaltet, dass Institute Anreize erhalten, Darlehen an die Wirtschaft zu geben. Nach Berechnungen der spanischen Großbank BBVA steht für einen Großteil der Gelder die Rückzahlung im Juni 2020 an.

Mit den neuen Geldsalven dürften Banken auch eine regulatorische Hürde besser bewältigen. Denn wenn die Restlaufzeit bestehender Darlehen Mitte 2019 unter ein Jahr fällt, können Institute diese Gelder bereits nicht mehr zur Berechnung bestimmter Finanzpolster heranziehen. Bei Italiens Banken klafft Experten-Schätzungen zufolge deshalb ab Juni eine besonders große Lücke, da dann rund geschätzte 140 Milliarden Euro aus der Berechnung herausfallen. Günstige Anschlussfinanzierungen durch die EZB könnten daher von großem Interesse sein. EZB-Chefvolkswirt Praet hatte allerdings unlängst ausgeschlossen, dass eine Neuauflage der Geldspritzen gezielt auf einzelne Länder ausgerichtet werde.

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