September 10, 2010 / 12:18 PM / 9 years ago

Nokia wagt Befreiungsschlag mit Chefwechsel

Helsinki (Reuters) - Mit einem neuen Mann an der Spitze will der weltgrößte Handyhersteller Nokia wieder an alte Glanzzeiten anknüpfen.

Nach monatelanger Suche ersetzt das finnische Unternehmen den umstrittenen Vorstandschef Olli-Pekka Kallasvuo durch Stephen Elop, der vom Kooperationspartner Microsoft kommt. Als ausgewiesener Software-Experte soll Elop verlorenen Boden im Markt der Multifunktions-Handys (Smartphones) zurückerobern, wo die US-Giganten Apple und Google höchst erfolgreich auf Beutezug sind. Für Nokia bedeutet der Wechsel einen epochalen Traditionsbruch: Der Kanadier Elop ist der erste Nicht-Finne auf dem Chefsessel in der 145-jährigen Firmengeschichte. An der Börse schürte die für den 21. September angekündigte Neubesetzung am Freitag große Erwartungen: Der Nokia-Kurs schnellte zeitweise fast sechs Prozent nach oben.

Der scheidende Konzernchef Kallasvuo ist bei Nokia großgeworden, mehr als die Hälfte seines Lebens verbrachte der 57-jährige bislang im Unternehmen. Ihm wird vorgeworfen, in den vergangenen Jahren hinter maßgeblichen Trends der Handy-Branche hinterhergelaufen zu sein. Seit Kallasvuo vor gut vier Jahren Vorstandschef wurde, hat sich der Nokia-Aktienkurs ungefähr halbiert. Zum ursprünglichen Zweck des Telefonierens sind zahlreiche Anwendungsmöglichkeiten hinzugekommen, insbesondere durch die Ausbreitung des mobilen Internet-Zugangs. Seit der Markteinführung des N95 im Jahr 2006 hat Nokia kein Spitzen-Smartphone-Modell herausgebracht. Apple mit seinem iPhone hat die Finnen längst in den Schatten gestellt.

VORSCHUSSLORBEEREN FÜR DEN NEUEN

Richten soll es nun der bisherige Microsoft-Manager Elop, der mit einigen Vorschusslorbeeren sein Amt antritt. “Sein starker Software-Hintergrund und sein Geschick bei der Zusammenstellung von Führungsmannschaften helfen uns sehr dabei, die Umgestaltung des Unternehmens schneller voranzubringen”, erklärte Nokia-Verwaltungsratschef Jorma Ollila.

Nokia und Microsoft arbeiten seit langem zusammen. Im August vergangenen Jahres gründeten sie eine Allianz mit dem Ziel, Applikationen von Microsoft Office wie das E-Mail-Programm Outlook auf Nokia-Geräte zu bringen. Elop stieß 2008 vom US-Netzwerkausrüster Juniper Networks zu Microsoft und half dem Softwareriesen bei der Entwicklung von Online-Versionen seiner erfolgreichen PC-Programme Word, Outlook und Excel.

Anleger und Analysten begrüßten die Neubesetzung des Nokia-Chefsessels. “Es ist gut, dass etwas passiert”, sagte Fondsmanagerin Inge Heydorn von Sentat Asset Management. Branchenkenner trauen dem Neuen insbesondere eine stärkere öffentliche Akzeptanz zu. “Es gibt keinen Zweifel, dass Stephen Elop ein besserer Kommunikator ist als Kallasvuo”, sagte John Strand, der die Telekom-Beratungsfirma Strand Consult leitet. Doch auf Elop wartet eine gewaltige Aufgabe, wie Ben Wood, Chef der Marktforschungsfirma CCS Insight, zu bedenken gibt: “Alle Augen richten sich auf ihn, um etwas über seine Strategie zu erfahren.” Elop selber wollte sich am Freitag dazu aber noch nicht detailliert äußern.

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