March 24, 2014 / 2:08 PM / 5 years ago

Ägypten verurteilt mehr als 500 Muslimbrüder zum Tod

Kairo (Reuters) - Ein ägyptisches Gericht hat 529 Mitglieder der Muslimbruderschaft zum Tod verurteilt.

Damit verschärft sich der Konflikt zwischen der Militärregierung und den Islamisten weiter. Anwälte sprachen am Montag von der größten Massenverurteilung zum Tod in der neueren ägyptischen Geschichte. Die Anhänger des vom Militär abgesetzten islamistischen Präsidenten Mohammed Mursi waren unter anderem wegen Mordes angeklagt. 16 seien freigesprochen worden. Gegen das Urteil kann Berufung eingelegt werden.

Vor dem Gerichtsgebäude brachen Angehörige nach der Urteilsverkündung in Tränen aus. Anhänger der Islamisten zündeten einem Bericht des staatlichen Fernsehens zufolge als Protest gegen das Urteil eine nahe gelegene Schule an. Menschenrechtsorganisationen sahen in dem Urteil ein Anzeichen dafür, dass die Behörden ihr Vorgehen gegen die islamistische Organisation verschärfen.

Die Muslimbruderschaft, die nach dem Sturz Mursis zur terroristischen Vereinigung erklärt und in den Untergrund gedrängt wurde, rief auf ihrer Internetseite zum “Sturz der Militärregierung” auf. Anwälte warfen dem Gericht vor, Rechte der Verteidigung missachtet zu haben. “Das ist der schnellste Prozess, und die Zahl der Verurteilten ist so groß wie noch nie in der Geschichte der Justiz”, sagte der Anwalt Nabil Abdel Salam, der einige Anführer der Muslimbrüder vertritt, unter anderem Mursi.

MUSLIMBRUDER-CHEF BADIE AB DIENSTAG VOR GERICHT

Mohammed Sari vom Institut für Menschenrechtsstudien in Kairo sprach von einer Reihe von Schwachstellen bei dem Verfahren, das erst am Samstag begonnen hatte. Möglicherweise sei daher eine Berufung erfolgversprechend, aber da könne man nicht sicher sein. “Ein Jurastudent im dritten Semester hätte dieses Urteil nie so gefällt.” Von den Angeklagten waren lediglich 123 im Gericht anwesend, der Rest war entweder aus dem Gefängnis entlassen, gegen Kaution auf freiem Fuß oder auf der Flucht.

Die meisten der Angeklagten waren bei Revolten in der Provinz Minja im Süden des Landes verhaftet worden, die nach der Zwangsräumung von Protestlagern in der ägyptischen Hauptstadt Kairo am 14. August ausgebrochen waren. Ihnen wurde unter anderem Anstiftung zu Mord, Gewalt, die Erstürmung einer Polizeiwache sowie die Zerstörung von öffentlichem und privatem Eigentum vorgeworfen. Bereits am Dienstag soll der nächste Massenprozess beginnen, bei dem sich der Chef der Muslimbrüder, Mohammed Badie, sowie mehr als 680 weitere Angeklagte unter anderem wegen Anstiftung zum Mord verantworten müssen.

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