March 22, 2012 / 4:38 PM / 7 years ago

Terrorverdächtiger von Toulouse stirbt im Kugelhagel

Toulouse (Reuters) - Dramatisches Ende einer mehr als 30-stündigen Belagerung: Der mutmaßliche Serienmörder von Toulouse ist am Donnerstag bei einem Schusswechsel mit Elitepolizisten getötet worden.

Der 23-jährige Islamist habe bei der Erstürmung seiner Wohnung bis zuletzt erbitterten Widerstand geleistet und um sich geschossen, sagte Innenminister Claude Gueant in der südfranzösischen Stadt. Er sei dann aus einem Fenster im Erdgeschoss gesprungen. Den Ermittlungen zufolge erlitt der Mann einen tödlichen Kopfschuss. Präsident Nicolas Sarkozy gratulierte der Polizei zu dem Einsatz.

Mohamed Merah - ein Franzose algerischer Herkunft - wird verdächtigt, bei einem Anschlag auf eine jüdische Schule in Toulouse drei Kinder und einen Rabbiner erschossen zu haben. Außerdem soll er in diesem Monat drei Fallschirmjäger getötet haben. Der Islamist handelte nach eigenem Bekunden im Namen der Al-Kaida.

Eliteeinheiten der Polizei begannen am Donnerstagvormittag mit der Erstürmung des mehrgeschossigen Gebäudes in einem Vorort von Toulouse. Innenminister Gueant sagte, das Gebäude sei mit Videokameras untersucht worden. Merah sei dabei aus dem Badezimmer gekommen und habe um sich geschossen. Schließlich sei er mit einer Waffe in der Hand aus einem Fenster gesprungen und habe weiter auf die Polizisten gefeuert. Zwei Beamte wurden bei dem Zugriff verletzt. Merah trug nach Angaben der Staatsanwaltschaft bei der Erstürmung der Wohnung ein traditionelles Dschellaba-Gewand und darunter eine kugelsichere Weste.

Die Behörden wollten Merah nach eigener Darstellung lebend fassen, um mehr über seine Motive und mögliche Komplizen zu erfahren. Der Mann begründete seine Taten mit dem Afghanistan-Einsatz der französischen Armee und mit Rache für den Tod palästinensischer Kinder. Er bereue nur, nicht noch mehr Menschen umgebracht zu haben, sagte der Mann den Ermittlern zufolge.

Noch am Mittwoch versuchten Spezialisten der Polizei, Merah zur Aufgabe zu überreden. Dabei äußerte dieser den Angaben zufolge mehrfach seine Absicht, sich zu ergeben. In der Nacht gab es dann aber keinen Kontakt mehr.

Die Konfrontation begann am frühen Mittwoch, als sich Merah einen Schusswechsel mit der Polizei lieferte, bei dem drei Beamte verletzt wurden. Dann wurde die Wohnung mehr als einen Tag lang belagert. Die Polizisten versuchten es zunächst mit einer Zermürbungsstrategie, gaben mehrfach Schüsse ab, zündeten kleinere Sprengsätze und warfen Blendgranaten.

Merah war schon länger im Visier der Sicherheitsbehörden, nachdem er im vergangenen Jahr von Reisen nach Afghanistan und Pakistan zurückgekehrt war. Die Ermittler kamen ihm mit Hilfe von Internetdaten auf die Spur, weil er einen Soldaten unter dem Vorwand kontaktierte, ein Motorrad kaufen zu wollen. Der Polizei zufolge erschoss Merah insgesamt drei Soldaten in den Städten Toulouse und Montauban. Sie stammten wie er aus Nordafrika.

Nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft filmte Merah alle Anschläge. Bei dem Attentat auf die Fallschirmjäger sagte er demnach: “Wenn Du meine Brüder umbringst, bringe ich Dich um.” Auf einem der Filme ist der 23-Jährige zudem zu sehen, wie er ein kleines Mädchen am Haar packt, sie erschießt und dann auf einem Motorroller flieht.

ERMITTLER SUCHEN NACH MÖGLICHEN KOMPLIZEN

Präsident Sarkozy kündigte bei einer Ansprache ein schärferes Vorgehen gegen Internetseiten an, die Hass oder Terrorismus Vorschub leisten. Jeder, der gewohnheitsmäßig solche Seiten besuche, werde von nun an strafrechtlich belangt. Auch soll untersucht werden, ob in französischen Gefängnissen extremistisches Gedankengut verbreitet wird und ob der 23-Jährige Helfer hatte.

Sarkozy kämpft um seine Wiederwahl und würde seinen sozialistischen Rivalen Francois Hollande in der ersten Runde im April einer Umfrage zufolge knapp schlagen. Bei einer Stichwahl im Mai würde demnach aber Hollande als Sieger hervorgehen.

Die Rechtsextremisten warfen der Regierung vor, ganze Stadtviertel radikalen Islamisten zu überlassen. Die Gefahr werde unterschätzt, sagte die Chefin des Front National, Marine Le Pen, im Hörfunksender France Info. Sie kritisierte, dass die Bildung fundamentalistischer Netze in manchen Vierteln toleriert werde, nur um den sozialen Frieden nicht zu gefährden.

Nach dem Attentat vom Montag wurde der Wahlkampf zunächst unterbrochen. Er war davor von einem aggressiven Tonfall gekennzeichnet. Ein wichtiges Thema Sarkozys war die Einwanderung und der Islam.

0 : 0
  • narrow-browser-and-phone
  • medium-browser-and-portrait-tablet
  • landscape-tablet
  • medium-wide-browser
  • wide-browser-and-larger
  • medium-browser-and-landscape-tablet
  • medium-wide-browser-and-larger
  • above-phone
  • portrait-tablet-and-above
  • above-portrait-tablet
  • landscape-tablet-and-above
  • landscape-tablet-and-medium-wide-browser
  • portrait-tablet-and-below
  • landscape-tablet-and-below