June 15, 2012 / 9:13 AM / 8 years ago

Carrefour verabschiedet sich vor Wahlen aus Griechenland

Paris (Reuters) - Der größte europäische Einzelhändler Carrefour kehrt dem schuldengeplagten Griechenland noch vor der Schicksalswahl am Sonntag den Rücken.

Der französische Konzern kündigte am Freitag an, seinen Anteil an dem griechischen Joint-Venture komplett an den dortigen Partner Marinopoulos zu verkaufen. Der Rückzug ist ein weiteres Zeichen dafür, wie schwer es für Unternehmen geworden ist, in dem in einer tiefen Rezession steckenden Mittelmeerland Geschäfte zu machen. Die Abkehr von Krisenländern praktizieren auch zahlreiche andere Unternehmen: Die französische Großbank Credit Agricole versucht möglichst gesichtswahrend aus ihrem Griechenland-Abenteuer herauszukommen und übernimmt wieder die Kontrolle über die Albanien-, Bulgarien- und Rumänien-Sparten der Emporiki-Instituts. Der italienische Versorger Enel will seine Irland-Sparte verkaufen.

Doch es gibt auch Konzerne, die für eine Zukunft in Griechenland planen. Der weltweit viertgrößte Einzelhändler Metro will in dem Mittelmeerland bleiben. “Wir haben momentan nicht die Absicht, uns aus Griechenland zurückzuziehen”, sagte ein Sprecher des deutschen Konzerns. In Griechenland gibt es neun Großmärkte des Unternehmens, die dort unter dem Namen “Makro” firmieren. Auch die Elektroniktochter Media Markt bleibt in dem Land. “Als Unternehmensgruppe haben wir weiterhin Vertrauen in den griechischen Markt”, teilte sie weiter mit. Im Mai hatte auch der britische Einzelhändler Marks & Spencer erklärt, in Griechenland zu bleiben.

Der Carrefour-Aktie bekam der Rückzug aus Griechenland gut. Das Papier stieg um mehr als 4,7 Prozent. Citi-Analyst Alastair Johnston bezeichnete den Schritt als rationale Geschäftsentscheidung, die die Verluste an dieser Wegkreuzung verringere. In Folge der Veräußerung schreibt der Branchenzweite hinter dem US-Rivalen Wal-Mart 220 Millionen Euro ab. Carrefour begründete die Abgabe seines Anteils an dem Joint-Venture, das auch auf Zypern sowie in Bulgarien, Albanien und anderen Balkan-Staaten präsent ist, mit “den Herausforderungen für Griechenlands Wirtschaft”. Gegen eine Gebühr werden die Franzosen das Unternehmen weiterhin mit Produkten versorgen. Carrefour Marinopoulos zählt 41 Großmärkte, 287 Supermärkte und 479 Läden.

Die Abkehr von Griechenland ist eine der ersten Entscheidungen des neuen Carrefour-Chefs Georges Plassat und kommt kurz vor den Schicksalswahlen in Griechenland am Sonntag, die auch als Abstimmung über den Verbleib des Landes in der Euro-Zone gelten. Die Umsätze des Unternehmens sind in Griechenland im ersten Quartal um 16 Prozent eingebrochen. Im vergangenen Jahr trug das Geschäft 2,2 Milliarden Euro zu den Gesamterlösen bei. Carrefour ist auch besonders stark in den aktuellen Problemländern vertreten. Das Engagement in Griechenland, Spanien und Italien steht für rund ein Fünftel der Umsätze. Dies ist ein großer Bremsklotz für das Unternehmen, urteilten die Analysten von CM-CIC Securities.

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