September 5, 2019 / 7:33 AM / 12 days ago

Metro-Aktionär Kretinsky kauft sich bei französischem Supermarkt ein

German retailer Metro AG sign is seen on the steps of their headquarters in Duesseldorf, Germany March 02, 2018. REUTERS/Thilo Schmuelgen

Prag/Düsseldorf (Reuters) - Der Metro-Großaktionär Daniel Kretinsky steigt bei einem weiteren europäischen Handelskonzern ein.

Der Investor erwarb dazu einen Anteil an der französischen Supermarktkette Casino. Er habe sich zusammen mit seinem Investment-Partner Patrik Tkac über die gemeinsame Gesellschaft Vesa Equity Investment 4,63 Prozent an Casino gesichert, teilte Kretinsky am Donnerstag mit. Die Entscheidung für das Engagement in Frankreich sei aber unabhängig vom Investment in den Handelskonzern Metro erfolgt, betonte ein Kretinsky-Sprecher: “Das sind verschiedene Fälle.”

Casino habe eine starke Stellung im französischen Markt und sei bestens für den Wandel im Einzelhandel gerüstet, der durch den wachsenden Online-Handel vor großen Herausforderungen steht, begründete der tschechische Milliardär sein Investment. Casino-Chef Jean-Charles Naouri begrüßte den Einstieg und erklärte, er wolle die Entsendung eines Vesa-Vertreters in den Verwaltungsrat von Casino unterstützen.

Kretinsky war Anfang August mit seinen Plänen für eine Übernahme des Düsseldorfer Großhändlers Metro gescheitert. Er kontrolliert über 17 Prozent der Metro-Aktien und kann diesen Anteil über Optionen auf Metro-Anteile der Duisburger Familien-Holding Haniel auf rund 29,9 Prozent oder sogar bis auf mehr als 32 Prozent ausbauen. In diesem Fall würde ein erneutes Übernahme-Angebot fällig. Kretinsky will zudem einen Vertreter in den Aufsichtsrat der Düsseldorfer entsenden.

Der tschechische Unternehmer ist durch Investitionen in die klimaschädliche Braunkohle reich geworden. Er ist Mehrheitseigner des Energie-Konzerns EPH. Der Milliardär will sich aber auch abseits des Energie-Sektors engagieren. Ein erklärtes Ziel ist dabei die Handelsbranche. Ein tschechischer Online-Händler zählt ebenfalls zu seinem Reich.

CASINO BRAUCHT GELD

Casino ächzt unter einem Schuldenberg und dem erbitterten Wettbewerb auf dem französischen Markt. Ende Juni beliefen sich die Nettofinanzschulden des Händlers auf 4,7 Milliarden Euro. Casino will sich mit milliardenschweren Verkäufen Luft verschaffen - unter anderem stehen Supermärkte, die nicht mehr zum Kerngeschäft gehören, und Immobilien zur Disposition. Auch das Geschäft in Südamerika soll umgebaut werden. Der französische Konzern ist Metro gut bekannt: Er kooperiert bereits mit Metro Frankreich auf nationaler Ebene in einer Einkaufsallianz. Casino betreibt nach eigenen Angaben weltweit mehr als 12.000 Märkte und erzielte mit knapp 220.000 Beschäftigten zuletzt einen Jahresumsatz von rund 36,6 Milliarden Euro - Metro hatte im Geschäftsjahr 2017/18 einen Umsatz von 36,5 Milliarden Euro verbucht. Mit Cdiscount betreibt Casino einen der führenden Online-Shops in Frankreich, 2017 setzte dieser rund 3,4 Milliarden Euro um.

Kretinsky ist bereits in Frankreich engagiert. Über die Czech Media Invest ist er an der Zeitung “Le Monde” sowie an Zeitschriften beteiligt. Kretinskys Energiekonzern EPH übernimmt zudem die Aktivitäten des deutschen Versorgers Uniper in Frankreich. Hierzu gehören das französische Vertriebsgeschäft von Uniper, fünf Gas-, Steinkohle- und Biomasse-Kraftwerke sowie Wind- und Solarstromanlagen.

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