March 29, 2015 / 12:17 PM / 5 years ago

Lufthansa überrascht von Erkrankung des Todespiloten

A rescue helicopter from the French Gendarmerie flies over the snow covered French Alps during search operations near the crash site of an Airbus A320, near Seyne-les-Alpes, March 25, 2015. French investigators will sift through wreckage on Wednesday for clues into why a German Airbus operated by Lufthansa's Germanwings budget airline plowed into an Alpine mountainside, killing all 150 people on board including 16 schoolchildren returning from an exchange trip to Spain. REUTERS/Robert Pratta

Berlin (Reuters) - Die Lufthansa weiß nach eigenen Angaben nichts von irgendwelchen psychischen oder anderen Erkrankungen des Piloten, der ein Germanwings-Flugzeug absichtlich zum Absturz gebracht haben soll.

“Wir haben da keine eigenen Erkenntnisse”, sagte ein Firmensprecher am Sonntag. Allerdings wurden Zeitungsberichte, nach denen der 27-jährige Co-Pilot Andreas L. Augenprobleme gehabt habe, von der Lufthansa indirekt angezweifelt. Wenn beim jährlichen Medizin-Check bei Piloten gravierende Seh-Probleme festgestellt würden, habe das Folgen für deren benötigte Flugtauglichkeitsvermerk. Im Falle des Unglücksfluges waren aber “beide Piloten ... medizinisch freigeschrieben”, erklärte die Lufthansa-Tochter Germanwings.

In den französischen Alpen ging die Bergung von Absturzopfern und die Suche nach dem Flugschreiber weiter. Bevor dieser nicht gefunden und ausgewertet ist, wollen die französischen Ermittler auch einen technischen Defekt nicht ausschließen. Chefermittler Jean-Piere Michel und weitere französische Spezialisten waren am Wochenende in Düsseldorf, um ihre Erkenntnisse mit denen der deutschen Ermittlungsbehörden abzugleichen. Zu Ermittlungsergebnissen wollten die deutschen Behörden am Wochenende ebenso nichts sagen wie auch zu den verschiedenen Medienberichten über die angeblichen Krankheiten des Todespiloten.

GROSSE TRAUERFEIER AM 17. APRIL IN KÖLN

Für die 150 Opfer des Absturzes vom vergangenen Dienstag soll es am 17. April eine Trauerfeier im Kölner Dom geben. Neben Bundespräsident Joachim Gauck und Bundeskanzlerin Angela Merkel werden Repräsentanten aus Spanien, Frankreich und weiteren betroffenen Ländern erwartet. Auch der gesamte Lufthansa-Vorstand und die Geschäftsführung von Germanwings dürften teilnehmen. Die Airlines brachten ihre Anteilnahme in ganzseitigen Traueranzeigen in großen überregionalen Zeitungen in Deutschland und Frankreich zum Ausdruck. “Der unfassbare Verlust von 150 Menschenleben erfüllt uns mit tiefster Trauer”, heißt es in der von Lufthansa-Chef Carsten Spohr und Germanwings-Chef Thomas Winkelmann unterzeichneten Anzeige. Den Hinterbliebenen zahlt die Airline bis zu 50.000 Euro je Opfer als erste Entschädigung.

Nach Erkenntnissen der französischen Staatsanwaltschaft brachte der 27-jährige Copilot die Unglücksmaschine absichtlich zum Absturz, nachdem der Flugkapitän das Cockpit verlassen hatte. In einer Erklärung der Düsseldorfer Staatsanwaltschaft war danach von Hinweisen auf eine “bestehende Erkrankung und entsprechende ärztliche Behandlungen” die Rede.

Bei der Durchsuchung der Düsseldorfer Wohnung von Andreas L. wurden nach einem Bericht der “Welt am Sonntag” Medikamente zur Behandlung einer psychischen Erkrankung sichergestellt. Aus persönlichen Aufzeichnungen des jungen Mannes gehe seine depressive Erkrankung hervor, zitierte die Zeitung Ermittler. Der Co-Pilot der verunglückten Maschinen sei vom 19. bis zum 26. März krankgeschrieben gewesen, habe die ärztliche Bescheinigung aber nicht bei seinem Arbeitgeber eingereicht. Mehrere Zeitungen berichteten zudem von Augenproblemen des Piloten.

Der Chef des Flugzeugherstellers Airbus, Tom Enders, dessen Unternehmen die Unglückmaschine gebaut hat, kritisierte heftig die vielen Mutmaßungen zu dem Unglück, die Experten über die Medien in Umlauf gebracht hätten. Da sei “fantasiert” und “gelogen” sowie “hanebüchener Unsinn” erzählt worden, sagte er de “Bild am Sonntag”.

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