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Weltnachrichten

Frankreich fürchtet neue Anschläge nach Enthauptung in Nizza

Paris/Nizza (Reuters) - Einen Tag nach der Enthauptung einer Frau und der Tötung zweier weiterer Menschen in einer Kirche in Nizza fürchtet Frankreichs Regierung weitere Anschläge dieser Art.

FILE PHOTO: French Interior Minister Gerald Darmanin speaks during the questions to the government session at the National Assembly in Paris, France, September 15, 2020. REUTERS/Charles Platiau

Frankreich befinde sich in einem “Krieg gegen die islamistische Ideologie”, sagte Innenminister Gerald Darmanin am Freitag dem Radiosender RTL. Deshalb werde es weitere Vorfälle wie “diese schrecklichen Angriffe” geben. Frankreichs oberster Anti-Terror-Ermittler Francois Ricard erklärte, der mutmaßliche Täter vom Donnerstag, ein 1999 geborener Tunesier, sei am 20. September auf der italienischen Insel Lampedusa nach Europa gelangt. Das Bundesinnenministerium erklärte, es gebe derzeit keine konkreten Hinweise, dass ein ähnlicher Anschlag wie in Nizza auch in Deutschland bevorstehe.

Der französische Chefermittler Ricard teilte weiter mit, der mutmaßliche Täter sei am Donnerstagmorgen mit dem Zug in Nizza angekommen und habe sich dann zu der Kirche begeben. Dort habe er eine 60-jährige Frau enthauptet und den 55-jährigen Küster erstochen. Er habe auch auf eine 44-jährige Frau eingestochen, die zunächst noch in ein nahegelegenes Café flüchten und Alarm schlagen konnte, bevor sie starb. Als die Polizei am Tatort eintraf, habe der Angreifer noch immer “Allahu Akbar” gerufen. Der Mann war von der Polizei angeschossen und ins Krankenhaus eingeliefert worden. Er befinde sich in einem kritischen Zustand. Tunesien erklärte, der Mann sei dort nicht als mutmaßlicher Extremist bekannt gewesen.

Der Angriff in Nizza ereignete sich am Geburtstag des Propheten Mohammed und knapp zwei Wochen nach der Enthauptung eines Lehrers. Der 47-jährige Samuel Paty war in einem Pariser Vorort von einem mutmaßlichen Islamisten tschetschenischer Herkunft auf offener Straße getötet worden. Im Unterricht zum Thema Meinungsfreiheit hatte der Lehrer umstrittene Mohammed-Karikaturen gezeigt. Frankreichs Finanzminister Bruno Le Maire sagte dazu am Freitag dem Radiosender France Inter: “Ich mag diese Cartoons nicht.” Er verteidige aber das Recht, sie zu veröffentlichen.

Schon nach der Enthauptung des Lehrers hatte Präsident Emmanuel Macron angekündigt, den “islamistischen Separatismus” bekämpfen zu wollen, der die Kontrolle in einigen muslimischen Gemeinden in Frankreich zu übernehmen drohe. Am Donnerstag sagte er in Nizza, Frankreich sei für seine Werte und seine Freiheitsliebe angegriffen worden. Er werde seine Position verteidigen und nicht nachgeben, betonte der Präsident.

ZEHNTAUSENDE PROTESTIEREN IN BANGLADESCH GEGEN MACRON

In mehreren überwiegend muslimischen Ländern kam es zuletzt zu Demonstrationen gegen Macron. In Bangladesch gingen am Freitag Zehntausende auf die Straße. Sie forderten einen Boykott französischer Produkte und trugen Banner, auf denen Macron als “der größte Terrorist der Welt” bezeichnet wurde. In Europa ist Frankreich das Land mit der größten muslimischen Gemeinde.

“Wir befinden uns in einem Krieg gegen einen Feind, der sowohl innen als auch außen ist”, sagte Innenminister Darmanin. Im Zusammenhang mit der Tat in Nizza wurde Justizkreisen zufolge am Donnerstagabend ein 47-jähriger Mann festgenommen. Er werde verdächtigt, Kontakt zum mutmaßlichen Täter gehabt zu haben. Frankreich hat die höchste Sicherheitsstufe ausgerufen und Macron Tausende Soldaten zum Schutz von Kirchen, anderen Glaubenshäusern und Schulen abkommandiert.

Vor der Kirche in Nizza versammelten sich mehrere Menschen, legten Blumen nieder und zündeten Kerzen an. Der 50-jährige Frederic Lefevre beklagte, dass es erneut in seiner Heimatstadt zu einer Tragödie gekommen sei. In Nizza hatte vor vier Jahren ein Extremist am französischen Nationalfeiertag, dem 14. Juli, einen Lastwagen in eine Menschenmenge gesteuert. Es gab 86 Tote.

Der Sprecher des Bundesinnenministeriums sagte in Berlin, es gebe derzeit in Deutschland “keine konkrete Bedrohungslage”. Die Gefahr des islamistischen Terrorismus bestehe aber nach wie vor, allerdings sei sie derzeit abstrakter Natur. Die Sicherheitsbehörden beobachteten die Lage “sehr wachsam”. Aktuell seien in Deutschland 620 islamistische Gefährder bekannt, von denen sich derzeit 350 im Land aufhielten. Die übrigen seien wieder ausgereist.

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