July 24, 2019 / 6:20 AM / 4 months ago

PSA-Konzern mit Premium-Rendite - Opel glänzt wieder

A PSA Group logo is seen behind a car displayed during French carmaker's news conference as they announce the company's 2018 results at their headquarters in Rueil-Malmaison, near Paris, France, February 26, 2019. REUTERS/Christian Hartmann

Paris/Hamburg (Reuters) - Der französische Autobauer PSA trotzt als einer der wenigen der Konjunkturschwäche und schraubt die Ertragskraft auf Rekordhöhe.

Der Betriebsgewinn kletterte im ersten Halbjahr um rund elf Prozent auf 3,3 Milliarden Euro, während der Konzernumsatz im gleichen Zeitraum um knapp ein Prozent auf 38 Milliarden Euro schrumpfte. Die operative Rendite sprang auf 8,7 (Vorjahr: 7,8) Prozent und erreichte damit ein Niveau, von dem selbst Premiumhersteller wie Daimler und BMW derzeit nur träumen können. “Wer ist Premium und wer ist der Massenmarkt?”, fragten die Analysten von Evercore ISI. PSA kehrt derzeit die Verhältnisse in der Branche um, in der Massenhersteller bislang meist geringere Margen einfahren als Oberklasseanbieter. Zu der Verbesserung trug auch die Tochter Opel bei, die ihren Betriebsgewinn um 40 Prozent steigerte.

“Unsere Ergebnisse belegen die Nachhaltigkeit unserer Leistung trotz der Schwäche der globalen Märkte”, sagte Finanzchef Philippe de Rovira am Mittwoch. Zu dem Gewinnsprung trugen neue Modelle wie der Stadtgeländewagen Citroen C5 Aircross und neue Transporter bei. Auch machte sich der größere Anteil an Fahrzeugen mit höherwertiger Ausstattung, an denen PSA mehr verdient, bei der Gewinnentwicklung bemerkbar. Hinzu kamen Synergien durch Opel sowie Vorteile bei der Beschaffung und weitere Einsparungen. Dadurch konnten die Franzosen Verluste im schwachen China-Geschäft mehr als wettmachen. China sei eine der größten Baustellen des Konzerns, räumte Vorstandschef Carlos Tavares ein und fügte hinzu: “Wir können nicht immer gewinnen.” Das Management arbeite mit Hochdruck daran, das Geschäft dort in die schwarzen Zahlen zu führen.

Der Absatz in der Volksrepublik brach in der ersten Jahreshälfte um 60 Prozent ein. Allerdings ist PSA dort nur ein Nischenspieler, während etwa der Rivale Volkswagen in China einen großen Teil seines Geschäfts macht. Den Löwenanteil ihres Absatzes fahren die Franzosen in Europa ein, was ihnen von Experten immer wieder als Schwäche ausgelegt wird. Die Auslieferungen auf dem Heimatkontinent steigerte PSA gegen den Markttrend leicht auf rund 1,7 Millionen Fahrzeuge. Weltweit schrumpften die Verkäufe dagegen um 12,8 Prozent auf 1,9 Millionen Fahrzeuge der Marken Peugeot, Citroen, DS sowie Opel und der britischen Schwestermarke Vauxhall. Das lag auch daran, dass sich PSA wegen der US-Sanktionen aus dem Iran zurückgezogen hat.

Der Betriebsgewinn von Opel verbesserte sich in den ersten sechs Monaten auf rund 700 Millionen Euro nach 500 Millionen Euro vor Jahresfrist, wie Tavares mitteilte. Peugeot hatte die Marke mit dem Blitz im Logo 2017 von General Motors übernommen und mit harten Einschnitten im vergangenen Jahr in die Gewinnzone geführt. Unter der Ägide der Amerikaner hatten die Rüsselsheimer zwei Jahrzehnte lang rote Zahlen geschrieben.

OFFEN FÜR ÜBERNAHMEN

Dank der gestiegenen Ertragskraft sieht sich Peugeot gerüstet für den weiteren Umbau des Modellangebots hin zu klimafreundlicheren Fahrzeugen. Für dieses und das kommende Jahr kündigte Tavares sieben neue Elektroautos und ebenso viele Plug-in-Hybride an, die an der Steckdose aufgeladen werden können. Bereits 2020 soll fast ein Drittel der Fahrzeuge elektrifiziert sein, ein Jahr später die Hälfte. Der Konzernchef zeigte sich zuversichtlich, dass PSA die schärferen CO2-Ziele der EU erreichen werde. Angesichts der Vorgaben aus Brüssel zur Senkung des CO2-Ausstoßes rechnet er mit einer weiteren Konsolidierung der Branche. PSA sei offen für weitere Übernahmen, selbst aber nicht darauf angewiesen. Fusionen und Übernahmen seien “immer eine Möglichkeit”, aber kein Selbstzweck, betonte Tavares.

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