April 24, 2018 / 12:27 PM / in 7 months

Peugeot-Chef bleibt hart - Opel muss sparen

- von Elke Ahlswede und Laurence Frost und Gilles Guillaume

FILE PHOTO: Chairman of the Managing Board of PSA Group Carlos Tavares attends a news conference in Ruesselsheim, Germany November 9, 2017. REUTERS/Ralph Orlowski/File Photo

Paris/Frankfurt (Reuters) - Peugeot-Chef Carlos Tavares demonstriert im Opel-Streit Härte.

Um den Rüsselsheimer Autobauer wieder auf Kurs zu bringen, seien intensive Verhandlungen mit der Gewerkschaft IG Metall nötig, kündigte der 59-Jährige am Dienstag auf der Hauptversammlung des französischen Unternehmens an. Die Gespräche könnten “in den kommenden Wochen etwas Lärm” verursachen. “Wir müssen das tun, was notwendig ist, um das Management wieder ins Zentrum des Systems zu bringen, damit Opel vom Management geleitet wird”, sagte Tavares. Die IG-Metall bekräftigte dagegen ihren Vorwurf, PSA halte sich nicht an die bestehenden Tarifverträge in Deutschland und biete den Standorten keine nachhaltige Perspektive.

PSA-Finanzvorstand Jean-Baptiste de Chatillon betonte, der Konzern bemühe sich weiter, bei der IG Metall Ausnahmeregelungen für die Opel-Tarife zu erreichen. Nach dem Willen von Opel-Gesamtbetriebsrat Wolfgang Schäfer-Klug soll es aber zuerst eine Art Bestandsgarantie geben, bevor über mögliche Einschnitte bei den Tarifen gesprochen wird. “Wir brauchen einen Zukunftsplan für Opel und wir wollen wissen, wie wir als deutsche Standorte in diesem Zukunftsplan vertreten sind”, sagte er bei einer Kundgebung in Eisenach. “Wenn das vorgelegt wird, (...) sind wir auch bereit, über vernünftige Zugeständnisse zu reden.”

Die Opel-Belegschaft liegt mit der neuen Muttergesellschaft wegen deren Sparplänen über Kreuz, die Verhandlungen sind festgefahren. Die Franzosen pochen auf Lohnkürzungen, um die Arbeitskosten bei Opel auf das niedrigere Niveau der gesamten Gruppe zu drücken. Betriebsrat und IG Metall werfen den Franzosen vor, mit einem Kahlschlag in Deutschland die Marke mit dem Blitz zu gefährden. Laut Gewerkschaften steht vor allem das kleinste Werk in Eisenach auf der Kippe. PSA hat allerdings zugesagt, keine Werke in Deutschland zu schließen und keine betriebsbedingten Kündigungen auszusprechen.

Tavares betonte, dass PSA in anderen Ländern erfolgreiche Verhandlungen mit Gewerkschaften geführt habe. In Großbritannien, Österreich, Spanien, Polen und Ungarn seien Vereinbarungen getroffen worden. Gleich zum Auftakt der Hauptversammlung dankte er den Gewerkschaften, die zum Wohle der langfristigen Zukunft des Unternehmens kurzfristig zu schweren Entscheidungen bereit gewesen seien. Tavares selbst genehmigte die Hauptversammlung eine Sonderzahlung von einer Million Euro für die Opel-Übernahme.

In Eisenach pochte die IG-Metall nicht nur auf die Übernahme der Tarifverträge, sondern verlangte auch konkrete unternehmerische Entscheidungen zur Existenzsicherung der Opel-Produktionsstätten. Die Unsicherheit müsse dringend beendet werden, forderte der IG-Metall-Bezirksleiter Jörg Köhlinger. “Dazu gehört auf jeden Fall auch ein zweites Modell für Eisenach, nur dann kann der Standort profitabel arbeiten.” Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow bekräftigte, die Landesregierung werde das ihr Mögliche zum Erhalt des Werks in Eisenach tun.

EINE MILLION AUTOS VERKAUFT - EIN VIERTEL OPEL UND VAUXHALL

Der laufende Plan zur Kostenreduzierung bei Opel und der britischen Konzernschwester Vauxhall trägt PSA zufolge erste Früchte. Demnach wurden die Fixkosten bei Opel und Vauxhall um 17 Prozent gesenkt. Ausgaben für Reisen verringerten sich demnach um 30 Prozent, für den IT-Betrieb um 39 Prozent. Auch die Entwicklungskosten sinken, während die Technologien der neuen Töchter mit denen von PSA enger verzahnt würden.

PSA hatte den seit Jahren rote Zahlen schreibenden Autobauer Opel im vergangenen Jahr von General Motors übernommen. Nachdem PSA 2014 selbst noch mit Kapitalspritzen gestützt werden musste, legt das Unternehmen nach einer Rosskur inzwischen Rekordrenditen vor.

Zum Jahresauftakt trugen Opel und Vauxhall maßgeblich zu einem Umsatzplus von 42 Prozent auf knapp 18,2 Milliarden Euro bei. PSA verkaufte insgesamt über eine Million Autos, fast ein Viertel davon kamen von den neuen Sparten in Deutschland und Großbritannien. Insgesamt belief sich die Absatzsteigerung auf 44 Prozent. Bei Opel und Vauxhall gab es zunächst keine Zahlen zur Entwicklung. Doch dass die beiden neuen Töchter einen zentralen Anteil an den steil gestiegenen Verkaufszahlen hatten, ergibt sich aus den Statistiken für Europa: Hier erhöhten die ursprünglichen Kernmarken Peugeot, Citroen und DS ihren Absatz um 8,7 Prozent, während er insgesamt - also mit Opel und Vauxhall - um fast 66 Prozent in die Höhe schoss.

0 : 0
  • narrow-browser-and-phone
  • medium-browser-and-portrait-tablet
  • landscape-tablet
  • medium-wide-browser
  • wide-browser-and-larger
  • medium-browser-and-landscape-tablet
  • medium-wide-browser-and-larger
  • above-phone
  • portrait-tablet-and-above
  • above-portrait-tablet
  • landscape-tablet-and-above
  • landscape-tablet-and-medium-wide-browser
  • portrait-tablet-and-below
  • landscape-tablet-and-below