March 11, 2019 / 9:40 AM / 10 days ago

Renault will Allianz mit Nissan auf neue Beine stellen

FILE PHOTO: The logos of car manufacturers Renault and Nissan are seen in front of a common dealership of the companies in Saint-Avold, France, January 15, 2019. REUTERS/Christian Hartmann/File Photo

Paris/Tokio (Reuters) - Nach der Erschütterung der französisch-japanischen Autoallianz durch die Festnahme des einflussreichen Managers Carlos Ghosn suchen die Partner nach Wegen für ein neues Bündnis.

Der französische Autobauer Renault bestätigte am Montag erstmals, man befinde sich in Gesprächen mit Nissan und Mitsubishi über eine neue Konstruktion zur Sicherung der weiteren Zusammenarbeit. Durch die angestrebte Vereinbarung solle sich nichts an den Überkreuzbeteiligungen in der Dreier-Allianz ändern, teilte Renault mit. Renault ist mit 43 Prozent Hauptaktionär von Nissan, der wiederum 15 Prozent an den Franzosen hält, allerdings ohne Stimmrecht. Nissan ist mit 34 Prozent maßgeblich an Mitsubishi beteiligt.

Im Gespräch ist Insidern zufolge eine neue Führungsstruktur für die Allianz. Geplant sei, eine gemeinsame Struktur für Verwaltungsratssitzungen einzurichten, bei denen der neue Renault-Vorsitzende Jean-Dominique Senard die Leitung übernehmen solle, sagten mehrere mit den Vorgängen vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters. Zudem sollen die Verbindungen zwischen den Partnern neu geregelt werden. Details sollten am Dienstag am Hauptsitz von Nissan in Yokohama bekanntgegeben werden.

Ghosn, der Nissan einst vor der Pleite gerettet hat und bis zu seiner Inhaftierung Mitte November alle Fäden in der Dreier-Allianz in der Hand hielt, war vergangene Woche unter Auflagen aus dem Untersuchungsgefängnis freigekommen. Nissan wirft ihm vor, sein Gehalt bei dem japanischen Autobauer über mehrere Jahre hinweg zu niedrig angegeben und Firmengelder veruntreut zu haben, was der 65-Jährige bestreitet. Seit er verhaftet wurde, wankt die Allianz, die sich auf den Weg gemacht hat, Volkswagen von der Weltmarktspitze zu verdrängen. Einschließlich Lkw sind die Wolfsburger nach wie vor weltgrößter Autokonzern.

Experten vermuten hinter den Vorwürfen von Nissan den Versuch, sich von der Dominanz durch Renault zu befreien. Unter den Firmen knirschte es zuletzt immer wieder. Denn Nissan hat einen viel höheren Absatz als Renault, ist aber mit seiner kleineren Beteiligung der Juniorpartner. Im Auftrag der französischen Regierung wollte Ghosn zuletzt die Zusammenarbeit vertiefen, um mehr Kostenvorteile zu heben. Das kam in Tokio nicht gut an.

“KOMPLOTT UND VERRAT”

Nach der Untersuchungshaft und den öffentlichen Vorwürfen will Ghosn seinen Ruf wiederherstellen. Ein Tokioter Bezirksgericht wies den Antrag seines Anwalts Junichiro Hironaka jedoch zurück, an einer Sitzung des Nissan-Verwaltungsrats teilzunehmen. Dort wollte Ghosn die Möglichkeit nutzen, erstmals seit langem wieder mit seinen einstigen Kollegen zu sprechen. In einem Zeitungsinterview hatte er unlängst erklärt, er habe keinen Zweifel, dass die Anschuldigungen gegen ihn das Ergebnis von “Komplott und Verrat” von Nissan-Verantwortlichen seien. Er selbst habe das Bündnis zwischen Renault, Nissan und Mitsubishi vertiefen wollen und sei dabei auf Widerstand der Nissan-Spitze gestoßen.

Ghosn wurde nach seiner Inhaftierung als Vorsitzender von Nissan und Mitsubishi abgesetzt. Im Januar trat er als Renault-Chef zurück und kam damit seiner Abberufung durch den Verwaltungsrat zuvor. Ghosn ist jedoch nach wie vor in allen drei Aufsichtsräten, da über eine solche Abberufung die Aktionäre zu entscheiden haben.

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