July 17, 2012 / 4:18 PM / 8 years ago

Bernankes Scheu vor QE3 enttäuscht Finanzmärkte

Frankfurt (Reuters) - Die Zurückhaltung der Federal Reserve in Sachen geldpolitischer Lockerung hat die Finanzmärkte am Dienstag enttäuscht.

US-Notenbankchef Ben Bernanke hielt sich in der mit Spannung erwarteten Anhörung vor dem US-Kongress zwar die Tür für weitere Maßnahmen zur Konjunkturankurbelung offen, beließ es aber bei entsprechenden Beteuerungen.

Die Anleger in den USA und Europa reagierten darauf verschnupft: Der Dax, der zunächst in der Hoffnung auf einen neuen Fed-Geldsegen um bis zu 0,7 Prozent zugelegt hatte, schloss 0,2 Prozent im Plus bei 6577,64 Zählern. Der EuroStoxx50 sank um 0,1 Prozent auf 2251 Punkte. Auch an den US-Börsen ging es nach einem freundlichen Handelsstart bergab. Am Devisenmarkt fiel der Euro zeitweise unter die Marke von 1,22 Dollar und geriet auch gegenüber anderen Währungen wie Pfund Sterling sowie australischem Dollar unter Druck.

Rohstoffanleger zogen sich ebenfalls zurück. Der Goldpreis fiel um 0,7 Prozent auf 1578 Dollar pro Feinunze. Die Tonne Kupfer wurde mit einem Abschlag von 0,9 Prozent bei 7624 Dollar bewertet. Die Preise für Öl der Sorten Brent und WTI sackten zeitweise ebenfalls ab.

Bernanke bekräftigte, dass die Fed jederzeit bereit sei, die zuletzt wieder schleppende Konjunktur mit zusätzlichem Geld zu stimulieren. Vor allem der Arbeitsmarkt bleibe das Sorgenkind Nummer eins - die Erholung dort sei frustrierend langsam, sagte der Fed-Chef bei seiner halbjährlichen Anhörung vor dem Bankenausschuss des US-Senats. Die Aussagen seien im Grunde eine Wiederholung dessen, was schon bekannt gewesen sei, kritisierte Brian Jacobsen, Stratege bei Wells Fargo Funds Management. “Das bedeutet, dass die Fed wahrscheinlich bis September warten wird, bis sie entscheidet, ob die Bedingungen sich soweit verschlechtert haben, um die Wirtschaft durch eine geldpolitische Lockerung zu stimulieren.” Nach Ansicht von HSBC-Trinkaus-Volkswirt Thomas Amend wird sich die US-Notenbank aber gut überlegen, welche Maßnahmen sie ergreift. “Die Frage ist, was sie überhaupt noch tun kann, denn die bisherigen Maßnahmen haben ja nicht den gewünschten Effekt erzielt.” Das Mittel der Staatsanleihenkäufe habe jedenfalls nicht zu mehr Investitionen in der Wirtschaft geführt.

GOLDMAN UND MOSAIC ÜBERRASCHEN POSITIV

An den europäischen Aktienmärkten machten die verhaltenden Aussagen Bernankes auch den Bankenwerten zu schaffen. Der Branchenindex beendete den Handel mit einem Minus von einem Prozent. Im Dax gaben die Anteilsscheine der Deutschen Bank ebenfalls ein Prozent nach. Am Mittag hatte Goldman Sachs die Aktienanleger noch mit einer überraschend guten Bilanz für das zweite Quartal erfreut. Die Investmentbank verbuchte ein Nettoergebnis von 962 Millionen Dollar und lag damit über den Analystenerwartungen, auch wenn der Gewinn im Vergleich zum Vorjahreszeitraum elf Prozent geringer ausfiel. Die Anteilsscheine von Goldman legten in New York zunächst 2,1 Prozent zu, im Sog der Bernanke-Rede reduzierten sie ihr Plus aber auf 0,3 Prozent.

Als größter Dax-Gewinner beendeten die Aktien von K+S den Tag mit einem Plus von 1,6 Prozent. Der US-Rivale Mosaic übertraf mit seinem Quartalsergebnis die Erwartungen. Die Mosaic-Papiere stiegen in New York um vier Prozent.

Daneben setzten die Aktien von PSA Peugeot Citroen ihre Talfahrt fort und fielen in Paris um bis zu 5,6 Prozent auf 5,70 Euro. Damit waren die Titel Reuters-Daten zufolge so billig wie seit Januar 1986 nicht mehr. Im ersten Halbjahr brach der Absatz von Europas zweitgrößtem Autobauer Daten des europäischen Branchenverbandes ACEA zufolge um 14 Prozent ein. Peugeot will 8000 Stellen streichen und ein Werk schließen. Daran hatte Präsident Francois Hollande am Wochenende scharfe Kritik geübt und Neuverhandlungen gefordert. Dies erschwere die Sanierung des Konzerns, kritisierten Börsianer.

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