December 21, 2017 / 7:23 AM / 8 months ago

Mays Vize-Premier muss nach Porno-Skandal gehen

London (Reuters) - Inmitten der Brexit-Verhandlungen muss die britische Premierministerin Theresa May nach einem Pornografie-Skandal auf ihren Stellvertreter und langjährigen Vertrauten Damian Green verzichten.

Damian Green, Britain's Prime Minister Theresa May's deputy, leaves his home in London, November 6, 2017. REUTERS/Peter Nicholls

May drängte Green zum Rücktritt, weil dieser irreführende Angaben zu pornografischem Material auf seinem Dienst-Computer gemacht haben soll. Für die Premierministerin ist der Abschied Greens ein erneuter Rückschlag. Er half ihr nach der verkorksten Parlamentswahl, die Reihen der tief zerstrittenen konservativen Partei zu schließen und zugleich die schwierigen Brexit-Verhandlungen mit der EU zu führen. Er ist bereits der dritte Minister, der binnen weniger Monate sein Amt niederlegt.

“Ich bedauere, dass ich nach einem Verstoß gegen den Minister-Code, für den ich mich entschuldige, zum Rücktritt aufgefordert wurde”, erklärte Green am Mittwoch in einem Brief an May. Der 61-Jährige galt als Vertrauter der Regierungschefin noch aus Studienzeiten in Oxford. Nach ihrer Schlappe bei der vorgezogenen Parlamentswahl im Sommer machte May Green zu ihrem Stellvertreter und zum Kabinettschef. Er sorgte dafür, die Unzufriedenheit bei den Tories einzudämmen, die sich von May im Wahlkampf ignoriert fühlten. “Das ist ein weiterer Rückschlag für May, aber er ist in keiner Weise tödlich für sie”, sagte der Politologe Anand Menon vom King’s College in London. “Sie hat ihren Seelenverwandten im Kabinett verloren, aber dies ist nicht das Ende von Premierministerin May.”

In den Brexit-Verhandlungen mit der Europäischen Union hatte May vorige Woche zwar einerseits beim Gipfeltreffen in Brüssel einen Erfolg verbuchen können, weil dort grünes Licht für die Aufnahme von Gesprächen über ein Freihandelsabkommen gegeben wurde. Andererseits sicherte sich das britische Parlament gegen ihren Willen ein Veto-Recht zu den Bedingungen des Brexit.

VORWURF DER BELÄSTIGUNG GEGEN GREEN

Auf Greens Dienstrechner waren 2008 einem Bericht der “Sunday Times” zufolge bei einer Überprüfung pornografische Bilder entdeckt worden. Er bestritt die Vorwürfe vehement und erklärte, niemals pornografisches Material auf seinen Dienstrechner heruntergeladen oder geschaut zu haben. In späteren Stellungnahmen dazu soll er sich missverständlich ausgedrückt haben. Green räumte ein, dass er sich dazu klarer hätte äußern müssen.

Die Debatte über sexuelle Belästigung zog nach den Vorwürfen gegen den Hollywood-Produzenten Harvey Weinstein auch in London Kreise. Vorigen Monat musste Mays Verteidigungsminister Michael Fallon den Hut nehmen, nachdem er “unangemessenes Verhalten” eingestanden hatte. Mays Ministerin für Entwicklungshilfe stolperte zudem über nicht angegebene Treffen mit israelischen Regierungsmitgliedern.

Im Fall Green kommen Belästigungsvorwürfe hinzu: Die Autorin und Wissenschaftlerin Kate Maltby gab an, Green habe sich ihr 2015 gegen ihren Willen genähert und anschließend eine obszöne Textnachricht geschrieben. In dem Untersuchungsbericht heißt es, es sei nicht möglich, Greens Verhalten zu bewerten, die Vorwürfe seien aber plausibel. Green erklärte, er erinnere sich nicht an den Vorfall, entschuldige sich aber bei der Frau.

0 : 0
  • narrow-browser-and-phone
  • medium-browser-and-portrait-tablet
  • landscape-tablet
  • medium-wide-browser
  • wide-browser-and-larger
  • medium-browser-and-landscape-tablet
  • medium-wide-browser-and-larger
  • above-phone
  • portrait-tablet-and-above
  • above-portrait-tablet
  • landscape-tablet-and-above
  • landscape-tablet-and-medium-wide-browser
  • portrait-tablet-and-below
  • landscape-tablet-and-below