March 23, 2017 / 11:24 AM / 3 years ago

Londoner Attentäter war Sicherheitsbehörden bekannt

London (Reuters) - Der Attentäter von London war den britischen Sicherheitsbehörden als mutmaßlicher islamistischer Gewalttäter bekannt.

A police officer reaches out to floral tributes in Westminster the day after an attack, in London, Britain March 23, 2017. REUTERS/Hannah McKay

“Ich kann bestätigen, dass der Mann in Großbritannien geboren wurde und vor einigen Jahren der (Geheimdienst) MI5 gegen ihn aus Sorge vor gewalttätigem Extremismus ermittelte”, sagte Premierministerin Theresa May am Donnerstag im Parlament. Die Polizei identifizierte den Täter als Khalid Masood. Der 52-Jährige war demnach wegen verschiedener Straftaten, aber nicht wegen terroristischer Aktivitäten verurteilt worden. Acht Menschen wurden in sechs verschiedenen Orten in London und Birmingham im Zusammenhang mit dem Anschlag festgenommen. Sieben der 40 Verletzten - darunter eine Deutsche - befanden sich noch im kritischen Zustand. Bei der Todesfahrt des Täters über die Westminster Bridge waren zwei Menschen getötet worden. Anschließend erstach der Mann auf dem Parlamentsgelände einen unbewaffneten Polizisten, bevor er erschossen wurde.

Die Extremisten-Miliz Islamischer Staat (IS) nahm für sich in Anspruch, den Anschlag verübt zu haben. Dies meldete die ihre nahestehende Nachrichtenagentur Amaq. Allerdings haben die Islamisten in der Vergangenheit die Urheberschaft von Attentaten reklamiert, bei denen die Ermittler zu anderen Ergebnissen kamen. May sah den Mann nicht als Teil eines Netzwerks: “Er war eine Randfigur”, sagte sie. Er habe nicht zur derzeit vom Geheimdienst observierten Szene gehört, er sei ein Einzeltäter. Nach Polizeiangaben hatte Masood ein Strafregister, das von Verurteilungen wegen Raubüberfällen, Körperverletzungen, Waffenbesitz bis zu Störung der öffentlichen Ordnung reichte. Zuletzt soll demnach der in Kent geborene Mann in den West Midlands gewohnt haben.

MAY SIEHT VERZERRTE ISLAMISTISCHE IDEOLOGIE ALS MOTIV

Über die Hintergründe der Festnahmen im Zusammenhang mit den Ermittlungen wurde zunächst nichts bekannt. May erklärte lediglich, der Attentäter sei durch eine “verzerrte islamistische Ideologie” radikalisiert worden. Das Londoner Attentat wies einige Parallelen zum Anschlag auf einem Berliner Weihnachtsmarkt im vergangenen Dezember aus. Auch in der deutschen Hauptstadt war ein Fahrzeug als Waffe eingesetzt worden. Auch der Attentäter Anis Amri war ein “einsamer Wolf”, der in den Fokus der Sicherheitsbehörden geraten war, die ihn aber aus den Augen verloren.

“Diese Art von Angriffen, diese Einsamer-Wolf-Anschläge, bei denen Dinge des täglichen Gebrauchs eingesetzt werden - ein Auto, ein Messer - sind sehr viel schwieriger zu verhindern”, sagte Verteidigungsminister Michael Fallon in der BBC. Trotzdem sei es in den vergangenen Jahren gelungen, viele dieser Angriffe zu verhindern. Im vergangenen Jahr allein über ein Dutzend. Für Aufregung sorgte am Donnerstag ein Vorfall im belgischen Antwerpen. Dort steuerte ein Mann einen Wagen mit hoher Geschwindigkeit in eine Fußgängerzone. Die Polizei nahm den Fahrer wenig später fest.

SCHWEIGEMINUTE IM PARLAMENT

May bekam Beileidsbekundungen und Solidaritätsversprechen von führenden Staats- und Regierungschefs. Sie telefonierte unter anderem mit Bundeskanzlerin Angela Merkel, dem US-Präsidenten Donald Trump, Frankreichs Präsidenten Francois Hollande und dem rumänischen Ministerpräsidenten Sorin Grindeanu. “Meine Gedanken, Gebete und tiefste Anteilnahme sind bei all denen, die von der gestrigen furchtbaren Gewalt betroffen waren”, erklärte Königin Elizabeth.

Am Donnerstag war der Londoner Regierungsbezirk rund um das Parlament noch abgesperrt. Ermittler in hellblauer Schutzkleidung suchten auf Knien den Ort ab, an dem der Angreifer erschossen wurde. Im Parlament legten die Abgeordneten eine Schweigeminute ein, um der Opfer zu gedenken. Vor dem Polizeihauptquartier New Scotland Yard verharrten Passanten um 09.33 Uhr Greenwich Mean Time in Stille, um den getöteten Polizisten zu ehren, der die Dienst-Nummer 933 trug.

Zu den Verletzten zählen zwölf Briten, drei französische Jugendliche, zwei Rumänen, vier Südkoreaner, zwei Griechen und je ein Bürger aus Deutschland, Polen, China und den USA. Der französische Außenminister Jean-Marc Ayrault reiste nach London, um eine Solidaritätsadresse zu überbringen und verletzte Landsleute zu besuchen.

Gegner des Zuzugs von Ausländern nach Großbritannien stellten rasch Verbindungen zwischen der Immigration und dem Angriff her, obwohl der Attentäter in Großbritannien geboren wurde. Die Gruppe Leave.EU warf Politikern vor, Terror möglich gemacht zu haben, weil die Grenzen nicht ausreichend geschützt würden. In Frankreich erklärte die Präsidentschaftskandidatin des rechtsextremen Front National, Marine Le Pen, der Vorfall zeige, wie wichtig der Schutz der Grenzen sei.

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