17. September 2017 / 09:27 / vor 3 Tagen

Auch nach zweiter Festnahme weiter Terror-Alarm in Großbritannien

Police officers walk behind cordon tape set up around a property being searched after a man was arrested in connection with an explosion on a London Underground train, in Sunbury-on-Thames, Britain, September 17, 2017. REUTERS/Peter Nicholls

London (Reuters) - Auch nach der zweiten Festnahme bei der Fahndung nach den Hintermännern des Londoner Anschlags bleiben die Sicherheitskräfte in Großbritannien in höchster Alarmbereitschaft.

Der Polizei ging in der Nacht zum Sonntag ein 21-Jähriger in West-London ins Netz, nachdem zuvor am Hafen von Dover ein 18-Jähriger als Hauptverdächtiger festgenommen wurde. Im Südwesten Londons hatten die Sicherheitskräfte am Samstag bereits ein Haus durchsucht und mehrere weitere vorsorglich evakuiert. Die Terrorwarnstufe beließen die Behörden auf dem höchsten Niveau, das bedeutet, dass ein weiterer Anschlag unmittelbar bevorstehen könnte. Soldaten unterstützten die Polizei etwa bei der Bewachung von Atomkraftwerken. Bei dem Anschlag mit einer selbstgebastelten Bombe waren am Freitag in der Londoner U-Bahn 30 Menschen verletzt worden.

Der 21-Jährige wurde kurz vor Mitternacht im Londoner Bezirk Hounslow festgenommen. Der 18-Jährige wiederum war in der Nähe des Fährhafens von Dover offenbar bei dem Versuch aufgegriffen worden, das Land zu verlassen. “Das ist eine ausgesprochen bedeutsame Festnahme. Die Polizei hat sehr gute Fortschritte gemacht, aber der Einsatz dauert an”, sagte Innenministerin Amber Rudd. Wenige Stunden später durchsuchten Beamte auch ein Haus in der Grafschaft Surrey südwestlich von London. Das Gebäude sowie die umliegenden Häuser wurden im Rahmen der Razzia evakuiert. Nach Medienberichten soll der 18-Jährige dort als Flüchtling bei einer Pflegefamilie gelebt haben, die dort bereits eine Vielzahl von Immigranten betreut habe.

BOMBE EXPLODIERTE OFFENBAR NICHT VOLLSTÄNDIG

Die Bombe in der U-Bahn war Medienberichten zufolge mit einer Zeitschaltuhr verbunden. Auf Aufnahmen vom Tatort ist ein leicht verkohlter Plastikeimer zu sehen, aus dem Drähte ragen und der in einer Supermarkttüte auf dem Boden eines Waggons steht. Der Sprengsatz entfaltete aber offenbar nicht die beabsichtigte volle Detonationswirkung, was als Hauptgrund gilt, dass es nicht auch Schwerverletzte und Tote gab. Am Wochenende wurde die Station Parsons Green wieder eröffnet.

Trotz der Fahndungserfolge würden die Ermittlungen fortgesetzt und die Bedrohungslage weiter als kritisch eingestuft. Zur Unterstützung der Polizei wurde ein Großaufgebot an Soldaten eingesetzt. Das Militär soll an strategisch wichtigen Orten Wachdienste von Polizeibeamten übernehmen, sagte Premierministerin Theresa May. Sie wurden etwa an Atomkraftwerken und Gebäuden des Verteidigungsministeriums aufgestellt. Zudem patrouillierten bewaffnete Polizisten in der Nähe von Regierungsgebäuden und Fußballstadien.

BRITISCHE MINISTERIN KRITISIERT TRUMP WEGEN TWEET

Kritik äußerte die Regierung an US-Präsident Donald Trump, der per Twitter erklärt hatte, dass die Täter vor dem Anschlag bereits im Visier der Polizei gewesen seien. “Es ist niemals hilfreich während einer laufende Polizeioperation zu spekulieren - und ich schließe dabei den Präsidenten der Vereinigten Staaten ein”, sagte Innenministerin Rudd.

Die Extremistenmiliz Islamischer Staat (IS) hat den Anschlag über die ihre Agentur Amak für sich reklamiert. Belege legte sie dafür aber nicht vor. Der oberste britische Terrorismus-Bekämpfer Mark Rowley sagte, es sei üblich, dass sich der IS zu Attentaten bekenne, egal, ob er daran beteiligt sei oder nicht. Es war der fünfte Anschlag in diesem Jahr in Großbritannien. Die höchste Terrorwarnstufe war zuletzt im Mai nach einem Anschlag bei einem Popkonzert in Manchester ausgerufen worden, bei dem 22 Menschen starben.

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