February 7, 2012 / 7:48 AM / 7 years ago

Glencore und Xstrata schaffen neuen Rohstoffriesen

London (Reuters) - Mega-Fusion in der Bergbaubranche: Der Rohstoffhändler Glencore schließt sich mit dem viertgrößten Bergbaukonzern Xstrata zu einem neuen Rohstoffriesen zusammen.

Es ist die bislang größte Transaktion in der Branche. Glencore und Xstrata kamen 2011 zusammen auf einen Umsatz von 209 Milliarden Dollar und einen bereinigten Betriebsgewinn von 16,2 Milliarden Dollar. Damit kann es der neue Konzern mit dem Namen Glencore Xstrata International mit den ganz großen wie BHP Billiton, Vale und Rio Tinto aufnehmen. Erklärtes Ziel von Glencore ist es, verstärkt in Abbau und Produktion der Rohstoffe zu investieren und damit die Wertschöpfungskette nach unten zu erweitern - mit einem Zusammenschluss geschieht genau dies: Glencore als reiner Händler verleibt sich einen Produzenten von Rohstoffen ein.

Neuer Firmenchef soll der bisherige Xstrata-CEO Mick Davis werden. “Eine Fusion von Glencore und Xstrata bietet eine einmalige Gelegenheit für die Schaffung eines neuen Geschäftsmodells in unserer Branche”, sagte Davis. Glencore handelt mit Rohstoffen aller Art - von Metallen wie Kupfer, Nickel oder Aluminium über Rohöl und Kohle bis hin zu Agrargütern wie Weizen, Mais und Reis. Xstrata sitzt wie Glencore in der Schweiz, und ist ebenfalls international tätig. Schwerpunkte sind die Förderung von Kupfer, Kohle und Nickel. Die neue Firma ist der weltgrößte Exporteur für Kohle für Kraftwerke und zudem einer der führenden Kupferkonzerne.

Bereits jetzt ist Glencore mit 34 Prozent der wichtigste Aktionär von Xstrata. Die restlichen 66 Prozent will der weltgrößte Rohstoffhändler nun über Aktien im Wert von 41 Milliarden Dollar (21,6 Milliarden Pfund) kaufen, wie die Firmen mitteilten. Damit geht Glencore weniger als ein Jahr nach seinem Rekord-Börsengang in London in großem Stil auf Einkaufstour - und nutzt die dabei in Form der Aktien neu gewonnene Währung. Glencore, fast vier Jahrzehnte in Privatbesitz, hatte den Gang an die Börse im Mai 2011 vor allem mit besseren Zukaufsmöglichkeiten begründet.

Seit längerem wurde spekuliert, ob Glencore Xstrata kauft.

Die jetzt beschlossene Transaktion ist größer als der bisherige Rekordhalter in der Bergbaubranche: Zuletzt hatte Rio Tinto im Jahr 2007 Alcan für 38 Milliarden Dollar gekauft. Bislang gelang Glencore die Expansion nur im kleinen Stil: Der Konzern erhöhte seinen Anteil an dem australischen Nickelproduzenten Minara und hat den südafrikanischen Kohleförderer Optimum ins Visier genommen.

BEI GROSSAKTIONÄREN REGT SICH WIDERSTAND

Xstrata-Aktionäre sollen für jede Aktie 2,8 neue Glencore-Papiere erhalten, wie die Firmen mitteilten. Das Aktientauschverhältnis entspricht einem Aufschlag von gut 15 Prozent auf die Xstrata-Titel. Für Übernahmen in der Branche ist das vergleichsweise gering. Die Aufschläge liegen Experten zufolge im Durchschnitt bei 20 bis 30 Prozent. Bei dem Zusammenschluss handelt sich, wie die Firmen betonten, aber um eine Fusion unter Gleichen. Dort sind große Aufschläge wiederum nicht üblich.

Experten und vor allem Xstrata-Aktionäre, die 45 Prozent an der neuen Firmen halten werden, müssen nun allerdings erst von den Vorteilen des Zusammenschlusses überzeugt werden. Mit Standard Life Investments und Schroders kündigten bereits zwei Xstrata-Großinvestoren Widerstand an. Zusammen halten sie nach Daten von Thomson Reuters 3,6 Prozent aller Xstrata-Aktien.

Standard Life Investments, mit 63,6 Millionen Aktien der viertgrößte Investor von Xstrata, kündigte an, gegen die Fusion zu stimmen. Das vereinbarte Aktientauschverhältnis bewerte Xstrata nicht ausreichend, teilte der Investor mit. Schroders schloss sich der Einschätzung an. Die Frage ist, ob noch weitere Investoren folgen.

BESTENS GERÜSTET FÜR ROHSTOFF-HUNGER

Die neue Gruppe verspricht sich von der Fusion Einsparungen von mindestens 500 Millionen Dollar, die sich schon im ersten, vollen Geschäftsjahr in den Ergebnissen niederschlagen sollen. Der derzeitige Glencore-Chef Ivan Glasenberg soll Präsident und stellvertretender CEO des fusionierten Konzerns werden. Der Milliardär hält 15,8 Prozent an Glencore. John Bond, Verwaltungsratschef bei Xstrata sowie Trevor Reid, Finanzvorstand, sollen ihre Posten behalten.

Experten zufolge ist der neue Riese bestens gerüstet, um die in den nächsten Jahren erwartete massive Rohstoffnachfrage aus China und anderen Schwellenländern bedienen zu können. Xstrata-Aktien gaben in London bis zum Nachmittag um gut drei Prozent nach, Glencore-Titel verloren zwei Prozent. Bereits vergangene Woche hatten Xstrata-Aktien kräftig zugelegt. Am Donnerstag war durchgesickert, dass die beiden Firmen über einen Zusammenschluss beraten.

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