August 5, 2019 / 5:42 AM / 4 months ago

HSBC tauscht nach nur 18 Monaten den Chef aus und streicht 4000 Jobs

CEO John Flint of HSBC attends the World Economic Forum (WEF) annual meeting in Davos, Switzerland, January 24, 2019. REUTERS/Arnd Wiegmann

Hongkong/London (Reuters) - Überraschender Führungswechsel bei der britischen Großbank HSBC: Vorstandschef John Flint verlässt nach nur 18 Monaten das größte europäische Geldhaus.

Angesichts des “herausfordernden globalen Umfeldes” sei eine Veränderung an der Spitze der Bank nötig, erklärte Aufsichtsratschef Mark Tucker am Montag. Die Suche nach einem Nachfolger oder einer Nachfolgerin habe begonnen, könne jedoch bis zu einem Jahr dauern. Einstweilen soll der 57-jährige bisherige Leiter des Firmenkundengeschäfts, Noel Quinn, als Interims-CEO die Bank führen, die im ersten Halbjahr ihren Gewinn deutlich steigern konnte. HSBC werde in diesem Jahr rund zwei Prozent der Jobs oder 4000 Arbeitsplätze streichen, kündigte Finanzchef Ewen Stevenson an. Der Stellenabbau treffe vor allem Führungskräfte und werde die Bank 650 bis 700 Millionen Dollar für Abfindungszahlungen kosten.

Flint (51) war im Februar vergangenen Jahres als Nachfolger des langjährigen Vorstandschefs Stuart Gulliver an die HSBC-Spitze gerückt. Strategisch hielt er das Geldhaus auf einem ähnlichen Kurs mit einem starken Fokus auf China. Gulliver hatte HSBC seit der Finanzkrise gesundgeschrumpft und noch stärker auf Asien als zweiten Heimatmarkt ausgerichtet. Ein Insider sagte Reuters, es habe Differenzen über die Strategie und deren Umsetzung gegeben, die zur Trennung von Flint führten. Dabei sei es insbesondere um den Umbau des schwächelnden US-Geschäft gegangen. HSBC wollte sich dazu nicht äußern.

In China entzündete sich seit Wochen Kritik an der Rolle von HSBC bei den US-Ermittlungen gegen den chinesischen Technologiekonzern Huawei, die zur Verhaftung von dessen Finanzchefin Meng Wanzhou geführt hatten. Ein Leitartikel in der von der herrschenden Kommunistischen Partei herausgegebene “Global Times” hatte vergangene Woche Vorwürfe gegen HSBC erhoben. Die Bank habe bei ihrer Zusammenarbeit mit den USA Fehler gemacht und könnte bestraft werden, hieß es in dem Artikel.

Tucker sagte, das Geschäft in China laufe normal. Der Aufsichtsratschef hatte Flint einst zu HSBC geholt. Er sagte Reuters: “Es ist der richtige Zeitpunkt für einen Wechsel und es ich wichtig, dass wir es klar und bestimmt in einer Position der Stärke tun.”

GESCHÄFT BRUMMT - RISIKEN STEIGEN

Mit einer neuen Person an der Spitze sollten zusätzliche strategische Prioritäten schneller angegangen werden, sagte Tucker. Insbesondere das US-Geschäft schwächelt seit Jahren. Das Ziel einer Eigenkapital-Rendite von sechs Prozent im Jahr 2020 sei wohl nicht mehr erreichbar, erklärte HSBC.

Während Tucker bei der Umsetzung der Strategie insgesamt aufs Tempo drückte, galt Flint eher als moderat. Flint arbeitete seit 1989 für HSBC, 14 Jahre davon in Asien, wo das Institut mittlerweile einen Großteil seiner Erträge erwirtschaftet. Die HSBC-Aktie verlor in London fast zwei Prozent - obwohl HSBC ankündigte, weitere Aktien für bis zu einer Milliarde Dollar zurückzukaufen.

Im ersten Halbjahr lief es für HSBC gut: Das Vorsteuer-Ergebnis legte um 16 Prozent auf 12,4 Milliarden Dollar zu, die Einnahmen wuchsen um etwa acht Prozent auf rund 29,4 Milliarden Dollar. Wie das Institut erklärte, haben die Risiken für das Geschäft zuletzt zugenommen, vor allem durch die Handelskonflikt zwischen den USA und China und die Zinswende in den Vereinigten Staaten.

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