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Unternehmensnachrichten

LSE verkauft Mailänder Börse für 4,3 Milliarden Euro

FILE PHOTO: Pedestrians leave and enter the London Stock Exchange in London, Britain August 15, 2017. REUTERS/Neil Hall

Paris/London (Reuters) - Die britische Börse LSE verkauft ihre Tochter Borsa Italiana an die Mehrländerbörse Euronext.

Der Kaufpreis für den Betreiber der Mailänder Börse beträgt 4,325 Milliarden Euro, wie die beiden Konzerne am Freitag mitteilten. Damit sticht die Euronext die Deutsche Börse und die Schweizer Börse SIX aus, die ebenfalls ihren Hut in den Ring geworfen hatten. Mit dem Verkauf ihrer Italien-Tochter will sich die LSE die Zustimmung der europäischen Wettbewerbshüter zu der 27 Milliarden Dollar schweren Übernahme des Datenanbieters Refinitiv sichern. “Wir glauben, dass der Verkauf der Borsa Italiana wesentlich dazu beiträgt, die Wettbewerbsbedenken der EU auszuräumen”, sagte LSE-Chef David Schwimmer. Auch der Preis ist attraktiv: Die Londoner Börse hatte die Borsa Italiana, zu der neben der Mailänder Börse auch die Staatsanleihen-Handelsplattform MTS gehört, 2007 für 1,6 Milliarden Euro gekauft.

Die London Stock Exchange (LSE) will Refinitiv übernehmen, um das lukrative Datengeschäft auszubauen und ihre Abhängigkeit vom klassischen Aktienhandel zu reduzieren, dessen Gewinne stark von den Launen an den Finanzmärkten abhängen. Doch in Europa stieß der Plan auf Widerstand: Die EU-Wettbewerbshüter leiteten eine vertiefte Prüfung der Refinitiv-Übernahme ein, weil sie sich unter anderem an den Überschneidungen im Staatsanleihen-Handel störten. MTS und die Refinitiv-Sparte Tradeweb sind Marktführer beim Handel von europäischen Staatsanleihen. Refinitiv ist eine Gemeinschaftsfirma vom US-Finanzinvestor Blackstone und dem Datenanbieter Thomson Reuters, zu dem die Nachrichtenagentur Reuters gehört. Voraussetzung für den Verkauf ist, dass die EU der Refinitiv-Übernahme zustimmt und offiziell eine Trennung von der Borsa Italiana oder von wesentlichen Teilen der Italien-Tochter zur Auflage macht.

Die Euronext werde sich deutlich breiter aufstellen und künftig auch in der drittgrößten Wirtschaft Europas vertreten sein, feierte Euronext-Chef Stephane Boujnah den Zukauf. So baut die Gruppe den Anleihenhandel kräftig aus. Die Mehrländerbörse ist bereits in Paris, Amsterdam, Brüssel und Lissabon präsent.

Die Euronext hatte mit ihrer Offerte die Deutsche Börse und die Schweizer Börse SIX ausgestochen und führte seit vergangenen Monat exklusive Verhandlungen mit der LSE. Um sich die Unterstützung der italienischen Regierung für die Übernahme der Borsa Italiana zu sichern, hatte sie ein Bieterkonsortium mit der italienischen Staatsbank Cassa Depositi e Prestiti und dem italienischen Institut Intesa Sanpaolo gebildet.

Die Euronext, die an der Börse mit rund sieben Milliarden Euro bewertet wird, will die Übernahme mit einer Kapitalerhöhung und Fremdkapital finanzieren. Obwohl sie für den Zukauf tief in die Tasche greifen muss, konnte die Mehrländerbörse bei ihren Anleger mit dem Milliardendeal punkten. Die Euronext-Aktie stieg um 1,2 Prozent auf 103,70 Euro. Die Analysten von KBC stuften die Euronext-Aktie auf “accumulate” hoch und gaben ein Preisziel von 110 Euro aus. Die LSE-Aktie legte um 0,3 Prozent zu.

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