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Unternehmensnachrichten

Londoner Börse dominiert trotz Brexit weiterhin das Euro-Clearing

FILE PHOTO: The London Stock Exchange Group offices are seen in the City of London, Britain, December 29, 2017. REUTERS/Toby Melville/File Photo

London (Reuters) - Trotz des EU-Austritts Großbritanniens hat die Londoner Börse LSE im Geschäft mit dem Euro-Clearing weiter die Nase vorn.

Die Tatsache, dass die Abwicklung von auf Euro lautenden Finanzderivaten (Clearing) von einem Unternehmen außerhalb der Euro-Zone dominiert wird, ist vielen Aufsehern und Politikern ein Dorn im Auge. Doch die Hoffnungen der Deutschen Börse, der LSE-Tochter LCH Clearnet im Zuge des Brexit schnell einen Großteil des Geschäfts abzuluchsen, haben sich so bislang nicht erfüllt. “Das Wachstum ist langsamer als wir ursprünglich für das zweite Halbjahr erwartet haben”, sagte Eurex-Clearing-Vorstand Matthias Graulich. “Das liegt hauptsächlich an Covid-19 und dessen Auswirkungen. Aber alles geht in die richtige Richtung, um unsere Ziele zu erreichen.”

Aktuell kommt die Deutsche-Börse-Tochter Eurex nach eigenen Angaben im Euro-Clearing auf einen Marktanteil von 19 Prozent und will diesen bis Jahresende auf 25 Prozent ausbauen. Es sei sehr schwierig vorherzusagen, wo die Eurex am Ende des Jahres stehe, sagte Graulich. Wichtig sei, dass man von Monat zu Monat Fortschritte mache.

Die Clearinghäuser kümmern sich um die Abrechnung und Abwicklung von Wertpapiergeschäften und stehen zwischen Verkäufer und Käufer. Sie sind so einem hohen Risiko ausgesetzt, falls eine Partei im Handel ausfällt. Sie gelten deshalb als riskant für das Finanzsystem und werden seit der Finanzkrise genau überwacht. Im schlimmsten Fall müssten sie nämlich durch Steuergeld gestützt werden. Aufseher drängen deshalb darauf, dass das Clearing von Geschäften mit EU-Kunden auch in der EU stattfinden müsse. Denn man wisse nicht, wie sich ein Clearinghaus verhalten werde, wenn es im Krisenfall mit unterschiedlichen Anforderungen der Aufseher in den USA, Großbritannien und der EU konfrontiert sei.

Eine neue Regel, die Marktteilnehmer wie Vermögensverwalter dazu zwingt, bei Swapgeschäften Sicherheiten (margin) zu stellen, wird das Geschäft der Clearinghäuser nach Einschätzung von Experten ankurbeln. Doch die neue Regel wurde wegen der Corona-Krise um ein Jahr auf September 2021 verschoben. Zudem hätten einige Banken davor zurückgeschreckt, mitten in der Pandemie ihr Geschäft nach Frankfurt zu verlagern und entsprechend aufgeschoben, sagte Graulich. Viele Händler arbeiteten von zuhause aus, während die Börsen auf Achterbahnfahrt gingen. In dieser Situation hätten sie sich nicht auch noch um komplexe Themen wie die Verlagerung des Clearing kümmern wollen.

Die Londoner Börse hat erklärt, es gebe keine spürbare Verlagerung des Clearing. Die EU wird in den kommenden Wochen entscheiden, wie lange die LCH nach dem Ende der Brexit-Übergangsphase zum Jahreswechsel noch Geschäfte von EU-Kunden abwickeln darf. Die Bank of England hatte gefordert, bis Ende September müsse Klarheit herrschen, um Marktverwerfungen zu vermeiden.

Da die Eurex mehr Zeit braucht, um die LCH zu ersetzen, ist eine Verlängerung der Erlaubnis nötig. Doch für Großbritannien ist das auch mit politischen Kosten verbunden - die Bank of England wird der EU-Wertpapieraufsicht ESMA die gemeinsame Überwachung der LCH erlauben müssen, damit das Clearinghaus auch weiterhin Zugang zum EU-Markt bekommt.

Anwälte verweisen jedoch darauf, dass die Banken wegen der damit verbundenen Kosten ihre Clearing-Aktivitäten nicht freiwillig nach Frankfurt verlagern werden. “Die Banken werden ihre Positionen nur verlagern, wenn es ihnen befohlen wird”, sagte Simon Gleeson von der Anwaltskanzlei Clifford Chance.

Die EU müsse wegen des Brexits ihre eigene Finanzmarktinfrastruktur entwickeln, sagte Graulich. Auf Sicht von fünf bis zehn Jahren sei das für die EU erfolgsentscheidend.

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