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Wagen rast in Gläubige vor Londoner Moschee - Zehn Verletzte
June 19, 2017 / 12:24 PM / 6 months ago

Wagen rast in Gläubige vor Londoner Moschee - Zehn Verletzte

London (Reuters) - Bei einem Anschlag mit einem Kleintransporter auf Muslime in London sind zehn Gläubige vor einer Moschee verletzt worden.

Police officers attend to the scene after a vehicle collided with pedestrians near a mosque in the Finsbury Park neighborhood of North London, Britain June 19, 2017. REUTERS/Neil Hall

Premierministerin Theresa May sprach am Montag von einem “terroristischen Angriff”, der normalen Bürgern und Unschuldigen gegolten habe, die ihrem täglichen Leben nachgegangen seien. Der Fahrer wurde festgenommen. Der muslimische Dachverband Großbritanniens sprach umgehend von einem Akt der Islamophobie.

Acht Menschen wurden im Krankenhaus behandelt, zwei davon mit sehr schweren Verletzungen. Zwei weitere Menschen wurden noch vor der Moschee ärztlich versorgt. Am Ort des Geschehens starb auch ein Mann, der zuvor einen Herzinfarkt erlitten hatte. Ob sein Tod mit dem Anschlag zusammenhing, war zunächst unklar. Möglicherweise sei der Mann bereits vorher tot gewesen, teilte die Polizei mit. Ein Vertreter des britischen Rats der Muslime (MCB) sagte, ein Mann sei vor der Moschee zusammengebrochen. Der Fahrer des Transporters sei gezielt in die Gruppe von Menschen gefahren, die diesem zur Hilfe gekommen sei.

Der Vorfall ereignete sich kurz nach Mitternacht nach dem Abendgebet zum Fastenmonat Ramadan vor der Finsbury-Park-Moschee im Norden der britischen Hauptstadt. Augenzeugen berichteten, dass der Transporter gezielt in die Menge gesteuert wurde, als die Gläubigen aus der Moschee strömten. “Der Van hat uns einfach überfahren”, berichtete ein Moschee-Besucher. Anwohner berichteten von chaotischen Szenen.

Ein Augenzeuge berichtete, dass ein Mann den Fahrer ergriffen und zu Boden gedrückt habe. Auf die Frage, warum er das getan habe, “hat der Fahrer geschrien: ‘Ich werde alle Muslime umbringen.'” Der Imam Mohammed Mahmoud sagte, er habe die Menschen davon abgehalten, den Fahrer zusammenzuschlagen. Einige hätten versucht, ihn zu treten und zu schlagen. Es sei aber gelungen, ihn zu schützen, sagte Mahmoud. Später übergaben sie den Mann der Polizei.

Bei ihm soll es sich um einen Einzeltäter gehandelt haben. Er war nach Angaben des Innenministeriums den Sicherheitsbehörden nicht wegen extremistischer oder rechtsradikaler Vorfälle bekannt. Dem 48-Jährigen werde versuchter Mord zur Last gelegt, erklärte die Polizei. Zudem werde seine geistige Zurechnungsfähigkeit untersucht.

BRITISCHE MUSLIME SPRECHEN VON GEZIELTER ATTACKE

Der Vorfall demonstriere die wachsende Feindseligkeit gegen Muslime in Großbritannien, erklärte der muslimische Verband MCB. May sicherte den Einsatz zusätzlicher Polizisten zu, um muslimische Gemeinden vor Übergriffen zu schützen. Großbritannien sei in der Vergangenheit bei allen Formen des Extremismus zu tolerant gewesen - auch was die Islamfeindlichkeit angehe.

Die Finsbury-Park-Moschee war bereits vor über zehn Jahren in den Schlagzeilen, weil dort einer der bekanntesten radikalen Geistlichen Großbritanniens, Abu Hamza al-Masri, predigte. Er ist in den USA zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt worden.

Der erneute Zwischenfall kommt in politisch unruhigen Zeiten. Am Montag begannen die Verhandlungen Großbritanniens zum Austritt aus der EU. May steht nach herben Verlusten ihrer Konservativen bei der Unterhauswahl Anfang des Monats unter Druck und ist auch nach dem verheerenden Hochhaus-Brand in London mit Dutzenden Toten heftig in die Kritik geraten.

Die Hauptstadt steht nach mehreren Anschlägen derzeit unter erhöhter Alarmbereitschaft. Anfang Juni waren drei Islamisten mit einem Kleintransporter auf der London Bridge in eine Menschenmenge gerast und hatten danach Passanten in Restaurants und Bars willkürlich mit Messern attackiert. Dabei waren sieben Menschen getötet und etwa 50 verletzt worden. Die Attentäter wurden schließlich von Polizisten erschossen. Im März tötete ein mutmaßlicher Islamist auf der Westminster Bridge mit einem Auto zwei Menschen und verletzte weitere. Anschließend erstach er auf dem Parlamentsgelände einen unbewaffneten Polizisten, ehe er erschossen wurde. Zudem wurden bei einem Selbstmordanschlag auf ein Pop-Konzert in Manchester im Mai 22 Menschen getötet.

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