September 19, 2010 / 9:40 AM / in 9 years

Papst prangert sexuellen Missbrauch von Kindern an

Papst Benedikt XVI. spricht einen Segen vor der Westminster-Kathedrale in London am 18. September 2010. REUTERS/Max Rossi

London (Reuters) - In einer seiner unmissverständlichsten Erklärungen hat Papst Benedikt XVI. in London den sexuellen Missbrauch von Kindern verurteilt und sich bei den Opfern entschuldigt.

Pädophile Geistliche hätten Schande und Erniedrigung über die gesamte katholische Kirche gebracht, sagte Benedikt am Samstag in einer Predigt vor 2000 Gläubigen in der Kathedrale von Westminster, der Mutterkirche der römisch-katholischen Kirche in England und Wales. Er denke an das schwere Leid, das die Priester den Kindern angetan hätten. Den Opfern gelte sein tiefes Mitgefühl. Der Papst hat sich bereits mehrfach für die Missbrauchsfälle entschuldigt.

Wie schon bei früheren Gelegenheiten entschuldigte sich Benedikt auch persönlich bei Missbrauchsopfern und betete mit ihnen. Die Kirche werde alles in ihrer Macht stehende tun, Kinder zu schützen und die Vorwürfe in Zusammenarbeit mit der Justiz aufzuklären, sagte der Papst einer Erklärung des Vatikans zufolge. Während des Treffens demonstrierten an die 10.000 Menschen gegen den Papst. Ihre Kritik richtete sich gegen sein Verhalten in der Missbrauchsaffäre sowie die Ablehnung von Homosexualität und die Ordinierung von Frauen.

Vertreter der Missbrauchsopfer äußerten sich trotz der deutlichen Worte des 83-jährigen Kirchenoberhaupts unzufrieden. Die Äußerungen Benedikt seien “Public Relations aber nicht Buße”. Der Papst habe konkretes Handeln gegen pädophile Geistliche unterlassen.

Zu Beginn seines letzten Tags in London traf Benedikt mit Premierminister David Cameron, dessen Stellvertreter Nick Clegg und der amtierenden Labour-Chefin Harriet Harman zusammen. In Harmans Amtszeit als Ministerin der früheren Labour-Regierung hatte der Papst den Entwurf eines Gleichstellungsgesetzes verurteilt, das die Kirche zur Einstellung von Homosexuellen und Transsexuellen gezwungen hätte. Die Bestimmung wurde später fallengelassen.

Die Polizei ließ derweil alle sechs am Freitag unter Terrorverdacht festgenommenen Männer wieder frei. Es werde keine Anklage erhoben, teilte die Polizei mit. Die Festnahmen hatten die Sicherheitskräfte während des Papst-Besuchs in Alarmbereitschaft versetzt. Im Zuge der Ermittlungen kam es auch zu zahlreichen Hausdurchsuchungen. Die Verdächtigen hatten als Straßenkehrer an der Strecke gearbeitet, die auch der Papst benutzt hatte.

Zum Abschluss seines Großbritannien-Besuch wollte Benedikt in Birmingham Kardinal John Henry Newman selig sprechen, der im 19. Jahrhundert vom anglikanischen Glauben zur römisch-katholischen Kirche übergetreten war.

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